Meldungsdatum: 17.09.2026
„Vom Berg.Werk zum Klima.Werk – eine Region packt an!“ lautete das Motto des zweitägigen Forums in der Zeche Fürst Leopold in Dorsten. An dem haben über 300 Fachleute aus den Bereichen Tiefbau, Stadtentwicklung, Umwelt, Entwässerung, Verkehr, Grünflächen oder Gesundheit aus den Kommunen der Emscher-Lippe-Region teilgenommen und mit Vertreter*innen aus Wasserwirtschaft, Wissenschaft und Politik an der klimafesten Stadt der Zukunft gearbeitet.
Anderer Umgang mit Regenwasser
Zu viel Regen auf einmal und in kürzester Zeit (Starkregen) oder lange Zeit gar kein Regen und Hitzestress: Mit diesen extremen Wetterphänomenen in Folge des Klimawandels sehen sich Städte und Menschen hier in der Region und deutschlandweit konfrontiert. Niederschläge sind Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung. „Ein anderer Umgang mit Regenwasser ist der Schlüssel für eine klimaangepasste Stadt", sagte Holger Lohse, Technischer Beigeordneter der Stadt Dorsten auf dem Forum.
„In der Vergangenheit und vielfach auch heute noch lautete die Maxime: Regenwasser ist ein störendes Element, das muss weggeschafft werden über die Kanalisation. Heute wollen wir es in Fläche und vor Ort halten." Wenn Regenwasser versickern kann, gespeichert und genutzt wird (Schwammstadt), dann hat das eine positive Auswirkung auf die Stadtgestaltung: mehr Grün, mehr Frischluft, mehr Kühlung, eine bessere Vorsorge für Überflutungen.
Die Summe der Schwammstadt-Elemente macht’s
Die Kommunen in der Zukunftsinitiative Klima.Werk sind auf dem Weg und haben schon über 500 Projekte in den vergangenen Jahren umgesetzt. „Für eine spürbare Wirkung ist die Summe der Schwammstadt-Elemente in der Region entscheidend", so Andreas Giga, Leiter der Serviceorganisation des Klima.Werk bei Emschergenossenschaft/Lippeverband. „Beim Forum tauschen wir Erfahrungen aus, auch darüber, wie wir Hürden gemeinsam überwinden können. Wir ermutigen uns gegenseitig und lernen von den jeweils anderen."
So ging es in Workshops zum Beispiel um den Flächenpoker bei der klimagerechten Stadtentwicklung und die Nutzungskonflikte, um technische Lösungen für den Regenwasser-Rückhalt (vertikale Retentionsmodule) oder um Tipps für den Aufbau des Bürger:innen-Projekts „Gießkannenheld:innen" in einer Stadt.
Mehr Schatten auf dem Schulhof
Zu Gast waren in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler aus dem Geografie-Leistungskurs des Dorstener Gymnasium Petrinum, die sich bereits vor den Sommerferien in einer Projektwoche mit klimaresilienten Schulhöfen beschäftigt haben. Ihre Ergebnisse stellten sie am zweiten Tag des Forums dem Plenum aus Verwaltungs-Mitarbeitenden vor: mehr Grün auf dem Schulhof, mehr Schattenplätze (z.B. mit Hilfe von Sonnensegeln), mehr Bäume und Hitzeschutz am Gebäude wünschen sich die Schülerinnen und Schüler.
Inspirierend für die Schüler:innen und die Teilnehmer:innen des Forums war der Auftritt von Cedric Engels, als Doktor Whatson auf SocialMedia-Kanälen, insbesondere Youtube, präsent. Er und sein Team bereiten Themen journalistisch und wissenschaftlich basiert für ein breites Publikum auf. Aktuell arbeitet Engels an einer Dokumentation, die aufzeigen soll, was passieren muss in den nächsten Jahren mit Blick auf den Klimawandel, die vor allem aber auch machbare Lösungen und lokale Initiativen bekannt machen will. „Wir wollen Leute zum gemeinsamen Handeln bewegen." Sein Auftritt beim Klima.Werk-Forum wird Teil der Dokumentation sein.
Video zeigt Projekte wasserbewusster Stadtentwicklung
Die Lösungen, die Doktor Whatson meint, sind zum Beispiel die der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung oder des Schwammstadt-Konzepts, für die es über das Klima.Werk auch Zuschüsse für private Flächeneigentümer:innen gibt: Die Entsiegelung von Flächen, die Abkopplung der Niederschlagsentwässerung befestigter Flächen von der Kanalisation, der Bau von Versickerungsmulden, unterirdischen Speichern oder offenen Ableitungsrinnen oder Dach- und Fassadenbegrünungen. Einige dieser Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung zeigt ein Film mit Beispielen aus Dorsten: das das Feuchtgebiet Hervester Bruch hat auch eine kühlende Wirkung für die bebauten Gebiete in der Nähe, die Siedlung Bückelsberg ist als Schwammstadt-Siedlung gebaut. (KlimaWerk Projektfilm Dorsten)
Beim Klima.Werk-Forum in Dorsten konnten die Teilnehmenden bei Exkursionen gute Beispiele für Klimaanpassung entdecken: zum Beispiel die im Projektfilm gezeigten aus Dorsten, den Sportplatz an der Mottbruchhalde in Gladbeck, das Projekt Halima, das sanierte Gewerbegebiet Fürst Leopold oder die ökologische Optimierung des Schölzbachs.
Klima-Triathlon zum 100-Jährigen des Lippeverbands
Der Lippeverband als Teil der Zukunftsinitiative Klima.Werk feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Deshalb gab’s beim Forum eine besondere Aktion. Bürgerinnen und Bürger und die Forums-Teilnehmenden waren aufgerufen, den 222,6 Kilometer langen Flusslauf der Lippe auf Fitnessgeräten zurückzulegen (laufen, radeln, rudern). Viele Eisgutscheine wurden als Dankeschön ausgeteilt, denn gemeinsam schafften alle zusammen am Ende 238 Kilometer. Ganz nach dem Motto: „Klimafolgenanpassung ist ein Marathon und braucht einen langen Atem“.
Das 12. Klima.Werk-Forum findet 2027 in Dinslaken statt.
Video zum Thema Schwammstadt Dorsten: KlimaWerk Projektfilm Dorsten
Die Zukunftsinitiative Klima.Werk
In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der blau-grüne Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk.
Unter dem Dach des Klima.Werks wird das Ruhrkonferenz-Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt, an dem sich seit 2020 alle Wasserverbände der Region beteiligen. Die Förderkulisse des Projekts umfasst das Gebiet des Regionalverbandes Ruhr (53 Städte und Gemeinden). In den klimafesten Wandel sollen bis 2030 rund 250 Millionen Euro investiert und in ausgewiesenen Gebieten 25 Prozent der befestigten Flächen abgekoppelt und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte gesteigert werden. Die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative bei Emschergenossenschaft und Lippeverband setzt mit den Städten die Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung um. Weitere Informationen (auch zu Förderung von Projekten) auf www.klima-werk.de.
100 Jahre Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde seinerzeit Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis zum Rhein bei Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger auf jubilaeum.eglv.de.
Mehr Schatten, mehr Grün, auch das ist die Schwammstadt: Beim Klima.Werk-Forum pflanzten deshalb Dezernentinnen und Dezernenten aus den Klima.Werk-Kommunen sowie der Lippeverbands-Vorstand einen Baum.
Schülerinnen des Gymnasium Petrinum haben ihren Schulhof klimarobust umgestaltet und eine Visualisierung erstellt: Sonnensegel, Wasserspender, Bäume, Bänke und mehr Grün helfen bei Hitze. Mehr Versickerungsmöglichkeiten bei Starkregen.
In der Kaue der Zeche Fürst Leopold fanden die Workshops des Forums statt, in denen die über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Rathäusern der Region sich mit dem Schwammstadt-Umbau beschäftigt haben.
Zukunftsinitiative Klima.Werk
Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
ZI-Pressesprecherin
Andrea Rickers
Emschergenossenschaft und Lippeverband
Kronprinzenstraße 24 - 45128 Essen
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www.klima-werk.de
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