Meldungsdatum: 23.09.2026
Wie können Fachkräfte sicher handeln, wenn sie sich Sorgen um das Wohl eines Kindes machen? Welche Schritte sind notwendig, wer muss einbezogen werden und wo gibt es fachliche Unterstützung? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Fachtag „Verfahren im Kinderschutz – Gemeinsam handeln. Kinder schützen.“, zu dem das Jugendamt der Kreisstadt Unna am 15. September 2026 ins Bürgerforum Königsborn eingeladen hatte.
Einen besonderen fachlichen Impuls setzte Prof. Dr. Gaby Flößer mit ihrem Vortrag „Kinderschutzverfahren zwischen Handlungssicherheit, Kooperation und Beteiligung – Fachliche Herausforderungen im Spannungsfeld des § 8a SGB VIII“. Sie verdeutlichte, dass professioneller Kinderschutz immer auch den Umgang mit Unsicherheit erfordert und insbesondere durch fachlich begründete Entscheidungen, klare Kooperation und die Beteiligung von Kindern und Eltern geprägt ist.
Im Mittelpunkt des Fachtages stand außerdem die Vorstellung des neuen Ordners „Verfahren im Kinderschutz“. Dieser wurde gemeinsam mit Fachkräften aus unterschiedlichen Handlungsfeldern entwickelt und soll künftig als praxisnaher Leitfaden mehr Orientierung und Handlungssicherheit im Arbeitsalltag bieten.
Der Ordner richtet sich insbesondere an Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen, Familienzentren, Schulen, Offenen Ganztagsschulen, der Kindertagespflege, dem Gesundheitswesen, der Polizei sowie der Kinder- und Jugendarbeit. Er bündelt wichtige Informationen und Arbeitshilfen zum Vorgehen bei Anhaltspunkten für eine mögliche Kindeswohlgefährdung.
Neben einem übersichtlichen Handlungsablauf enthält der Ordner unter anderem Informationen zur Beratung nach § 8b des Achten Sozialgesetzbuches (SGB VIII) und § 4 des Gesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG), Hinweise zu Zuständigkeiten und Meldewegen sowie praxisorientierte Materialien zur Einschätzung einer möglichen Kindeswohlgefährdung. Ein wichtiger Bestandteil sind auch die kreisweit abgestimmten Beobachtungs- und Einschätzungsbögen, die zu einem einheitlicheren Vorgehen im Kinderschutz beitragen sollen.
„Ich freue mich sehr über die rege Teilnahme am Fachtag und das große Interesse an einem gemeinsamen, wirksamen Kinderschutz. Der intensive Austausch hat gezeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Einrichtungen und Professionen ist. Der erarbeitete Ordner soll nun in den Einrichtungen als praxisnahes Arbeitsinstrument genutzt und gemeinsam mit unseren Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern kontinuierlich weiterentwickelt werden“, sagt Sonja Slabon, Jugendamtsleiterin der Kreisstadt Unna.
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