Meldungsdatum: 02.10.2026

Gedenktafel für Ernst Gräwe an der Schule am Friedrichsborn enthüllt

Unna und Deventer erinnern gemeinsam an den Mut, sich einem verbrecherischen Befehl zu widersetzen

An der Schule am Friedrichsborn in Königsborn ist am Donnerstag, 1. Oktober, eine Gedenktafel für Ernst Gräwe enthüllt worden. Der in Unna geborene Soldat hatte sich im April 1945 in Deventer wenige Stunden vor der Befreiung der Stadt durch die Alliierten geweigert, an der Erschießung niederländischer Widerstandskämpfer teilzunehmen. Für diese Entscheidung wurde er selbst erschossen.

Bürgermeister Dirk Wigant erinnerte in seiner Rede an Gräwes Gewissensentscheidung und daran, dass dessen Geschichte in Unna lange kaum bekannt war. Erst 2019 brachte ein Hinweis des US-Amerikaners John Egbers die Recherche ins Rollen. Das Stadtarchiv der Kreisstadt Unna und der Historiker Jérémy Gaudais befassten sich daraufhin intensiv mit Gräwes Leben und Tod.

Die Erinnerung an Ernst Gräwe richte den Blick nicht auf den Krieg oder die Wehrmacht, sondern auf den Augenblick, in dem er sich dem Unrecht widersetzte, sagte Dirk Wigant. Gräwes Beispiel mache deutlich, dass es selbst unter den Bedingungen einer Diktatur Handlungsspielräume gab – gefährliche und oft von Angst begleitete, aber reale. „Wir sind stolz auf den Moment, in dem er sich entschieden hat, einem verbrecherischen Befehl nicht zu folgen“, sagte der Bürgermeister. Die Gedenktafel solle die Erinnerung an einem Ort sichtbar machen, an dem junge Menschen lernen, fragen und miteinander ins Gespräch kommen. Ernst Gräwe besuchte einst als Grundschüler selbst die Schule am Friedrichsborn, die seinerzeit noch Overbergschule hieß.

An der Veranstaltung nahm eine Delegation aus Deventer um Bürgermeister Ron König teil und legte Blumen an der Plakette nieder. Die beiden Bürgermeister würdigten den Besuch als Zeichen der Verbundenheit und der Aussöhnung zwischen den Niederlanden und Deutschland. In Deventer erinnert bereits ein Mahnmal an die niederländischen Widerstandskämpfer und an den Deutschen Ernst Gräwe, der sich weigerte, an ihrer Hinrichtung mitzuwirken. Mit der Tafel in Unna kam nun ein weiterer Erinnerungsort hinzu.

Beiträge zum Programm gestalteten Schülerinnen und Schüler der Schule am Friedrichsborn, ihre Schulleiterin Sylke Schertel sowie die Klasse 10b des Pestalozzi-Gymnasiums Unna. Auch der Historiker Jeremy Goudais und Jens Junkersdorf, Stiefenkel von Ernst Gräwe, wirkten an der bewegenden Veranstaltung mit. 

Mehr Bilder von der Veranstaltung finden Sie in einer Bildergalerie auf unna.de. 


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Enthüllung Gedenkplakette Ernst Gräwe

©  Kevin Kohues/Kreisstadt Unna
Enthüllung Gedenkplakette Ernst Gräwe

Die Bürgermeister Dirk Wigant (l.) aus Unna und Ron König aus dem niederländischen Deventer enthüllten gemeinsam die Gedenkplakette für Ernst Gräwe an der Schule am Friedrichsborn. Anschließend reichten sie sich die Hand.


Gedenkplakette Ernst Gräwe

©  Kevin Kohues/Kreisstadt Unna
Gedenkplakette Ernst Gräwe

Die Inschrift der Gedenkplakette für Ernst Gräwe an der Schule am Friedrichsborn: „Ernst Gräwe, Sanitätsfeldwebel aus Unna-Königsborn, weigerte sich am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deventer, an der Erschießung niederländischer Widerstandskämpfer teilzunehmen, woraufhin sein Kompaniechef ihn kriegsrechtswidrig erschoss. Hier ging er zur Schule.“