Meldungsdatum: 06.10.2026
„Ich war eine Dose! – zeitgenössische Auseinandersetzungen mit der Braunschweiger Lackwarenmanufaktur Stobwasser“ ist der Titel einer neuen Ausstellung im Städtischen Museum Braunschweig. Sie ist eine Kooperation mit der Richard Borek Stiftung und der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) und von Freitag, 9. Oktober bis Sonntag, 15. November im Haus am Löwenwall, Steintorwall 14, zu sehen. Die Eröffnung ist am Donnerstag, 8. Oktober ab 18 Uhr.
Für die Ausstellung ließen sich Studierende der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig aus zeitgenössischer Perspektive von der Braunschweiger Lackwarenmanufaktur Stobwasser inspirieren. Entstanden sind Gemälde, Objekte und Installationen, die unterschiedliche Aspekte der Manufaktur und ihrer Produktion aufgreifen und sie mit unserer Gegenwart verknüpfen.
Die Arbeiten nähern sich den historischen Lackdosen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Während einige Künstlerinnen und Künstler von der Dose selbst und ihrer Funktion als Behältnis ausgehen, beschäftigen sich andere dem Herstellungsverfahren oder den Motiven, mit denen Stobwasser seine Produkte bemalen ließ – originalen Kunstwerken oder Nachempfindungen bekannter künstlerischer Meisterwerke. Entsprechend vielfältig sind auch die Medien, die die Studierenden bei ihren Neuinterpretationen einsetzten: Die Ausstellung umfasst Malerei, Objekte, Installationen und Videoarbeiten.
„Ich war eine Dose!“ eröffnet damit unterschiedliche Zugänge zu einem wichtigen Kapitel der Braunschweiger Kulturgeschichte und zeigt, wie historische Objekte zum Ausgangspunkt für zeitgenössische künstlerische Auseinandersetzungen werden können.
Die Richard Borek Stiftung hat einen Besucherpreis für das beste zeitgenössische Kunstwerk ausgelobt. Vorgesehen ist, das Gewinnerwerk und eventuell weitere andere Objekte für eine Zeitlang in der historischen Ausstellung im Schlossmuseum Braunschweig („Glanzmomente – Lackkunst aus dem herzoglichen Braunschweig“, 16. Oktober 2026 bis 4. April 2027) zu zeigen.
Ausstellende Künstlerinnen und Künstler der HBK: Genady Arkhipau, Helena Beckert, Rebekka Beischall, Amelie Besse, Nicolas Delorme, Jakob Dirkes, Lukas Gerbaulet, Anna Görnitz, Justin Hanuschik, Luise John, Kristina Reispich.
Entstehung des Projekts
In Vorbereitung auf die Ausstellung beschäftigten sich die Studierenden in einem Seminar im Wintersemester 2025/2026 zunächst mit der Manufaktur Stobwasser und ihren Produkten. Neben einer historischen Einführung besuchten sie verschiedene Stobwasser-Sammlungen in Braunschweig. Dabei ging es nicht nur darum, einen unmittelbaren Eindruck von den historischen Objekten zu gewinnen, sondern auch darum, die kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ihrer Entstehung kennenzulernen.
Ergänzend fand im November und Dezember 2025 eine öffentliche Vortragsreihe im Städtischen Museum Braunschweig statt. In vier Vorträgen beleuchteten Expertinnen und Experten unterschiedliche Aspekte der Manufaktur, ihrer Geschichte und Produktion und stellten Bezüge zu aktuellen Fragestellungen her. In einem praktischen Workshop konnten die Studierenden zudem den historischen Herstellungsprozess der Lackdosen nachvollziehen und eigene Erfahrungen mit den historischen Techniken sammeln.
Im Sommersemester 2026 lag der Seminarschwerpunkt auf der Entwicklung und Realisierung der studentischen Arbeiten sowie auf der Konzeption und Umsetzung der Ausstellung. Dabei setzten sich die Studierenden mit den verschiedenen Bereichen des Ausstellens in einer Institution auseinander – von der inhaltlichen und räumlichen Planung über die Installation und das Verfassen von Ausstellungstexten bis hin zur Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit.
Geschichte der Lackwarenmanufaktur Stowasser
Die Lackwarenmanufaktur Stowasser wurde 1763 in Braunschweig gegründet. Dank innovativer Produktions- und Marketingstrategien entwickelte sie sich zum Marktführer. Die Manufaktur produzierte in großer Menge Artikel des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel lackierte Pfeifenköpfe, stellte jedoch auch kunsthandwerkliche Arbeiten und Luxusgüter her. Die meisten Gegenstände waren aus Pappmaché, aber auch Blech und Holz kamen zum Einsatz und wurden nach einem komplizierten Verfahren lackiert.
Für die Bemalung wurden bekannte Künstler wie Pascha Weitsch (1723 – 1803) und dessen Sohn Friedrich Georg Weitsch (1758 – 1828), aber auch Christian Tunica (1795 – 1868), Georg Heinrich Brandes (1803 – 1868) und Carl Schröder (1802 – 1867) beschäftigt. Sie verzierten die Produkte mit Landschaften, Porträts berühmter Persönlichkeiten, Genredarstellungen, Szenen aus der Mythologie, religiösen Themen, aber auch mit erotischen Motiven.
Der Ruf der Lackwaren, „Stobwasser-Arbeiten“ genannt, verbreitete sich schnell in ganz Europa, so dass die Familie 1773 eine Filiale in Berlin eröffnete. Angebote für eine Übersiedlung nach Kassel, Dresden und Berlin lehnte Stobwasser aber ab und blieb in Braunschweig. 1776 starb der Vater und Johann Heinrich Stobwasser übernahm die Leitung der Manufaktur, die sie bis dahin gemeinsam geführt hatten.
Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert führte unter der nächsten Generation zu einem Absatzrückgang, so dass das Braunschweiger Stammhaus 1863 aufgelöst wurde. Die Berliner Filiale konnte sich mit veränderter Produktpalette noch einige Jahrzehnte länger am Markt halten.
Infos zum Städtischen Museum
Öffnungszeiten: Di – So 11 – 17 Uhr, Städtisches Museum Braunschweig, Haus am Löwenwall, Steintorwall 14, 38100 Braunschweig, Tel.: (0531) 470 4521, E-Mail: staedtisches.museum@braunschweig.de, www.braunschweig.de/museum.
Eintritt: Erwachsene 5,00 €; Ermäßigung (für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, Menschen mit Behinderung, Rentnerinnen und Rentner sowie Inhaberinnen und Inhaber des „Braunschweig Passes“) 2,50 €; Kinder von 6 – 16 Jahre 2,00 €; Schulklassen und Kinder bis 6 Jahre freier Eintritt. Das Städtische Museum ist uneingeschränkt barrierefrei.
Das Städtische Museum nimmt teil an der MuseumsCard der Braunschweiger Museen. Sie ermöglich einmalig freien Eintritt sowie dauerhaft ermäßigten Eintritt bei Folgebesuchen für ein Jahr in den sieben größten Museen Braunschweigs. Die Museumscard kostet 22 Euro und ist auch im Städtischen Museum erhältlich. Alle Infos unter www.braunschweig.de/museumscard.
Rebekka Beischall: Verborgenes, 2026, Dosen (H×B×T): 2× 2,9×9,5×9,5cm, 3,1×9,9×9,9cm, 3,5×11×7,6cm, 3,6×13,5×8,5cm, Installation mit Schreibkommode mit Aufsatz: Ensemble von fünf Dosen aus Pappe und Trickfilm in Stop-Motion-Technik: Pappe, Acrylfarbe, Öl- und Pastellkreide, Fineliner, Papier, Karton, Minitablet Dose 1 außen
Rebekka Beischall: Verborgenes, 2026, Dosen (H×B×T): 2× 2,9×9,5×9,5cm, 3,1×9,9×9,9cm, 3,5×11×7,6cm, 3,6×13,5×8,5cm, Installation mit Schreibkommode mit Aufsatz: Ensemble von fünf Dosen aus Pappe und Trickfilm in Stop-Motion-Technik: Pappe, Acrylfarbe, Öl- und Pastellkreide, Fineliner, Papier, Karton, Minitablet Dose 1 innen
Verborgenes, 2026, Dosen (H×B×T): 2× 2,9×9,5×9,5cm, 3,1×9,9×9,9cm, 3,5×11×7,6cm, 3,6×13,5×8,5cm, Installation mit Schreibkommode mit Aufsatz: Ensemble von fünf Dosen aus Pappe und Trickfilm in Stop-Motion-Technik: Pappe, Acrylfarbe, Öl- und Pastellkreide, Fineliner, Papier, Karton, Minitablet Dose 5 außen
Jakob Dirkes: Ohne Titel, Verzinkter Stahl, Öl auf Polypropylen, MDF, Papier und Finnpappe, Hocker, 250×250×80cm, 2026
Genady Arkhipau: Vier Säulen der Russischen Demokratie, 2026 Handbemalte Holzpuppen, Gouache, Lack, Salz, MSG, Propylenglykol, Weißöl
Genady Arkhipau: Tabaksdosen: "Herr Kommissar", "Microdose", "M&M's", 2026 Eine Serie von drei Dosen aus Tabak-Papiermaché und Epoxidharz, Ø 10 cm × 2 cm
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