Meldungsdatum: 08.10.2026
Im Herbst 2026 werden im nördlichen Münsterland und am angrenzenden Niederrhein seismische Messungen – also Untersuchungen der geologischen Strukturen im Untergrund – durchgeführt. Das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen hat den Geologischen Dienst NRW mit den Untersuchungen im Rahmen des Explorations- und Bohrprogramms „Geowärme – Wir erkunden NRW.“ beauftragt. Die Messkampagne wird von der DMT GmbH & Co. KG durchgeführt und führt auch durch das Stadtgebiet von Borken, darauf weist die Stadtverwaltung nun hin.
Geplant sind drei Messlinien mit rund 180 Kilometern Gesamtlänge zwischen Geldern und Legden, Ahaus und Hopsten sowie Hopsten und Westerkappeln. Borken liegt auf der Strecke zwischen Geldern und Legden. Die Messfahrzeuge, sogenannte „Vibro-Trucks“, werden die einzelnen Kommunen jeweils für einen begrenzten Zeitraum durchfahren. Ein genauer Zeitraum für die Messungen im Borkener Stadtgebiet ist aktuell noch nicht benannt. Die Stadt Borken wird informieren, sobald die Verantwortlichen einen Zeitraum für die Messungen in Borken mitteilen. Die gesamte Messkampagne im nördlichen Münsterland und im angrenzenden Niederrhein startet laut Geologischem Dienst in der ersten Oktoberhälfte 2026 und dauert im gesamten Untersuchungsgebiet voraussichtlich sieben bis neun Wochen.
Interessierte können sich aber bereits am Donnerstag, 15. Oktober 2026, von 13 bis 18 Uhr auf dem Borkener Feierabendmarkt über die geplanten Messungen informieren. Fachleute des Geologischen Dienstes NRW stehen für Fragen rund um die Messkampagne und das Thema Geothermie auf dem Marktplatz zur Verfügung. Zudem wird vor Ort ein „Vibro-Truck“ präsentiert.
Weitere Informationen zur Messkampagne und zum Thema Geothermie gibt es beim Geologischen Dienst NRW unter www.geowaerme.nrw.de.
So funktionieren die Messungen:
Bei der sogenannten 2D-Seismik fahren drei „Vibro-Trucks“ in einem Konvoi mit zwei Begleitfahrzeugen entlang festgelegter Messlinien durch das Untersuchungsgebiet. Der Konvoi ist insgesamt rund 50 Meter lang. Das Team sichert den Ablauf ab und informiert Anliegerinnen und Anlieger über die Durchführung. Die speziellen Messfahrzeuge halten etwa alle 30 Meter an. Hydraulisch absenkbare Rüttelplatten unter den Fahrzeugen erzeugen für ein bis drei Minuten Schwingungen, die sich wellenartig im Untergrund ausbreiten. Die Schallwellen werden von den verschiedenen Gesteinsschichten unterschiedlich stark reflektiert und von kleinen Messgeräten, den sogenannten Geophonen, aufgezeichnet.
Die Messungen mit den „Vibro-Trucks“ finden ausschließlich auf befestigten Straßen statt. Da sich der Konvoi nur langsam bewegt, kann es zu kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen oder Straßensperrungen kommen. Um den Verkehr nicht übermäßig zu belasten, sind die Messungen überwiegend in den Nachtstunden vorgesehen. Durch das ruhigere Umfeld in den Nachtstunden verbessert sich auch die Datenqualität.
Während der Messvorgänge sind die Motorengeräusche der Fahrzeuge stärker hörbar. Im unmittelbaren Umfeld können zudem Vibrationen wahrgenommen werden. Mitarbeitende des durchführenden Unternehmens überwachen die Bodenschwingungen mit Kontrollmessungen. Dabei wird auf die Einhaltung festgelegter Schwellenwerte geachtet, die unterhalb der einschlägigen DIN-Grenzwerte liegen. Bei der Planung der Messroute wurden neben der Verkehrssicherheit und der Belastbarkeit der Straßen auch die Belange des Naturschutzes berücksichtigt.
Zum Hintergrund:
Grundlage der seismischen Messungen ist der „Masterplan Geothermie NRW“. Mit dem Masterplan verfolgt das Land das Ziel, die in der Tiefe vorhandenen Wärmevorkommen umfassend zu nutzen und somit die Geothermie, also die Erdwärme, als unerschöpfliche und klimafreundliche Energiequelle für die Wärmeversorgung weiter voranzubringen. Im Fokus der Messungen stehen Untersuchungen von tiefliegenden Sandstein- und Kalksteinhorizonten aus unterschiedlichen Erdzeitaltern. Im Fokus stehen insbesondere Sandsteine, die in 1.000 bis 3.000 Metern Tiefe erwartet werden. Diese Gesteinsschichten werden oft von natürlichen Spalten, Rissen und Hohlräume durchzogen, die als Fließwege für warmes bis heißes Tiefenwasser dienen. Dieses Wasser könnte grundsätzlich für eine nachhaltige Wärmeversorgung genutzt werden.
Nach Abschluss der Messungen werden die aufgezeichneten Daten ausgewertet. Daraus entsteht ein detailliertes, zweidimensionales Abbild des Untergrundes – ähnlich wie ein Ultraschallbild für die Erde. Hierdurch wird sichtbar, in welcher Tiefe und Mächtigkeit die unterschiedlichen Gesteinsschichten angeordnet sind und wo sich geeignete Strukturen mit wasserführenden Schichten befinden können.
Nach der Auswertung stehen die Daten kostenfrei zur Verfügung. Diese können für Kommunen in Nordrhein-Westfalen eine Grundlage für die Wärmeplanung sowie für Geothermie-Projekte von Energieversorgern und Unternehmen sein.
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