Nr. 344 Kreis Steinfurt, 13. Oktober 2026
Kreis Steinfurt. Schule ist weit mehr als ein Ort des Lernens. Für Kinder, die Gewalt oder belastende Situationen im häuslichen Umfeld erleben, kann sie ein wichtiger Ort von Sicherheit, Stabilität und Verlässlichkeit sein. Wie Schulen betroffene Kinder erkennen, unterstützen und schützen können, stand im Mittelpunkt eines Fachimpulses des Regionalen Bildungsnetzwerks Kreis Steinfurt. Mehr als 40 Teilnehmende aus unterschiedlichen Professionen im Grundschulbereich kamen dafür im Großen Sitzungssaal des Kreishauses in Steinfurt zusammen.
Die Ausgangslage ist ernst: Die Zahlen der Kindeswohlgefährdungen und der Fälle häuslicher Gewalt in Deutschland steigen seit Jahren deutlich. Hinter dieser Statistik stehen betroffene Kinder, die ihre Erlebnisse meist nicht offen ansprechen können.
Zur Eröffnung der Veranstaltung betonte Andrea Konjer vom Regionalen Bildungsnetzwerk (RBN), dass wirksamer Kinderschutz neben Aufmerksamkeit und Fachwissen insbesondere das koordinierte Zusammenwirken verschiedener Fachkräfte voraussetzt. Genau darauf setzte die Veranstaltung. Neben den Referentinnen Leonie Stauf und Karen Vestring von der Schulpsychologischen Beratungsstelle Kreis Steinfurt, waren weitere Mitglieder des RBN-Arbeitskreises Gewaltprävention/Krisenintervention, Guido Wilke (Kreispolizeibehörde), Svenja Stermann (Koordination Netzwerk Kinderschutz) und Sabrina Veer (Runder Tisch gegen Gewalt) beteiligt.
Einen eindrucksvollen Einstieg gab Claudia Schmidtfrerick mit ihrem Gedicht „unschlagbar“. Als Erzieherin und Traumapädagogin im Frauenhaus Rheine kennt sie die Lebenswelt von Kindern, die häusliche Gewalt erleben, aus ihrer täglichen Arbeit.
Im anschließenden Vortrag beleuchteten Leonie Stauf und Karen Vestring typische Belastungsanzeichen bei Kindern, wie Rückzug, Konzentrationsprobleme oder auffälliges Verhalten. Kinder, die häusliche Gewalt erleben, können häufig und wiederholt Situationen ausgesetzt sein, die die psychologische Definition eines Traumas erfüllen. Der Vortrag gab deshalb einen Überblick über Definitionen, verschiedene Formen und mögliche Reaktionen auf Traumata. Die Referentinnen leiteten daraus konkrete Hinweise für eine traumasensible Gestaltung des Schulalltags ab. Ein sensibler Blick und verlässliche Strukturen seien demnach entscheidend: Feste Ansprechpersonen, klare Abläufe und stabile Beziehungen helfen Kindern, sich gesehen und ernst genommen zu fühlen.
Am Ende des Nachmittags stand weniger eine einzelne Handlungsempfehlung als vielmehr eine gemeinsame Haltung: Kinder brauchen Erwachsene, die hinsehen, zuhören und verlässlich handeln. Schule kann für Kinder, die zu Hause Gewalt erleben, ein wichtiger Schutzraum sein – ein Ort, an dem sie Sicherheit, Stabilität und Vertrauen erfahren. Denn manchmal sind es ein verlässlicher Ort und ein Mensch, auf den sich ein Kind verlassen kann, die einen entscheidenden Unterschied machen.
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