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Mehr Respekt vor Kindern; Bundestag beschliesst Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung
Borken - 07. Februar 2001. Für die meisten Kinder ist das Elternhaus ein sicherer Ort. Aber leider nicht für alle. Die körperliche Bestrafung von Kindern ist-wie Umfragen der letzten Jahre zeigen-in Deutschland noch erschreckend weit verbreitet.
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die ernüchternde Bilanz, dass ein hoher Prozentanteil der Kinder und Jugendlichen von ihren Eltern geohrfeigt wird.
Über eine Millionen Kinder werden körperlich misshandelt, ein relativ großer Prozentanteil sogar häufig. Gleichzeitig belegen wissenschaftliche Untersuchungen, dass Kinder, die Opfer elterlicher Gewalt wurden, später selbst vermehrt Gewalt anwenden.
Schläge sind, das ist ganz offensichtlich, kein geeignetes Erziehungsmittel. Statt dessen sollten Kinder gefördert und mit Fürsorge und Respekt behandelt werden.
Um die Anwendung von Gewalt in der Erziehung zurückzudrängen und ein neues Leitbild der Erziehung im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern, fordert der Bundestag auf Gewalt in der Erziehung gänzlich zu verzichten.
Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Eltern dürfen nicht zu körperlichen Bestrafungen, seelischen Verletzungen oder anderen entwürdigenden Erziehungsmaßnahmen greifen.
Ziel des vom Bundestag im vergangenen Herbst erlassenen "Gesetzes zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung" ist nicht die vermehrte Kontrolle oder gar Kriminalisierung der Eltern, sondern eine Auseinandersetzung und öffentliche Diskussion über eine gewaltfreie Erziehung. Den betroffenen Kindern, Jugendlichen und Eltern sollen Hilfen angeboten werden.
"Und genau hier beginnt die Arbeit für die örtlichen Träger der Jugendhilfe und Familienarbeit, die Beratungsmöglichkeiten und Hilfen zur Erziehung anbieten. Und zwar immer dann, wenn Konfliktsituationen entstehen bzw. wenn Erziehung schwierig wird", erklären Monika Nagel und Sven Werk vom städtischen Amt für Jugend und Familie.
In Borken seien das hauptsächlich der Allgemeine Soziale Dienst des Amtes für Jugend und Familie und die Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbandes Borken.
Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend habe mit einer Öffentlichkeitskampagne den Kampf für "Mehr Respekt vor Kindern" aufgenommen.
"Zur Zeit laufen Werbespots in Kinos, es erscheinen Anzeigen in Zeitungen und Plakate mit Kindern und Sprüchen wie "Niete, Trottel, Versager" oder "Worte können Kinder schlagen" und viele mehr", so Werk.
Für Borken füge sich diese Kampagne als ein weiterer Baustein in die Angebotspalette zur Gewaltprävention ein, die das Amt für Jugend und Familie mit verschiedenen Partnern wie der Kreispolizeibehörde, den Schulen und den Kindergärten im vergangenen Jahr durchgeführt hat und in 2001 weiter fortsetzen wird.
Bei Fragen zu den einzelnen Bausteinen gewaltpräventiver Angebote, wie dem Beratungsführer, dem Streitschlichterprogramm, der Materialsammlung für Multiplikatoren oder der Informationsbroschüre für Eltern zur gewaltfreien Erziehung, gibt Sven Werk vom Amt für Jugend und Familie (Telefon:02861/939 293) Auskunft.
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