Bocholt, 09. März 2001
Sally Perel in Bocholt
Bocholt (pd).
Am Mittwoch, 14.3.2001 laden die Deutsch-Israelische Gesellschaft Niederrhein/ Westmünsterland e.V., die Stadtbibliothek Bocholt und die Volkshochschule Bocholt-Rhede-Isselburg zu einer Autorenleseung in die Stadtbibliothek, Hindenburgstr. 5, ein. Der bekannte Autor und Zeitzeuge Sally Perel wird aus seiner Autobiographie "Ich war Hitlerjunge Salomon" lesen und über sein Leben berichten.
Sally Perel, 1925 in Peine geboren, emigrierte 1935 vor den Nazis nach Polen. Als 1939 die Deutschen Polen überfielen und damit den Zweiten Weltkrieg anzettelten, wurden seine Eltern in das Ghetto von Lodz verschleppt. Sally floh zusammen mit seinem älteren Bruder Isaak nach Russland, wo er in Grodno in einem Waisenhaus Unterschlupf fand. 1941, als die Deutschen die Sowjetunion angriffen, fiel der 16-jährige im weißrussischen Minsk den deutschen Soldaten in die Hände. Da es ihm gelang, sich als "Volksdeutscher" auszugeben, konnte er bis zum Kriegsende in der Uniform der Feinde an der Front und in einer elitären Braunschweiger HJ-Schule unter dem Namen Jupp Perjell seine jüdische Identität verbergen und so dem Holocaust entkommen. Heute lebt Sally Perel in Israel.
Erst nach über 40 Jahren hat Sally Perel seine unglaublichen Erlebnisse als "Hitlerjunge Salomon" aufgeschrieben: "Ich habe mir vorgenommen die ganze Wahrheit zu schreiben, ohne Rücksicht darauf, wie man sie interpretieren wird". In bewegenden Szenen schildert er die immer währende Furcht vor Enttarnung und die Schrecken der ständigen Lebensbedrohung. Eindringlich macht er seine innere Zerrissenheit und erzwungene Selbstentfremdung deutlich und erzählt von seinem permanenten Kampf ums Überleben, zuweilen in aberwitzigen Situationen. Auch als Film unter der Regie von Agnieszka Holland fand seine Lebensgeschichte eine große Resonanz.
1999 erhielt Sally Perel das Bundesverdienstkreuz für seine Bemühungen um die Verständigung zwischen Deutschen und Israelis, für die er sich seit Jahren unermüdlich einsetzt. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei der Jugend, um in Gesprächen und Diskussionen die Gedanken von Aussöhnung, Toleranz und Mitmenschlichkeit zu vermitteln. "Unser Gedächtnis ist das wirkungsvollste Bollwerk gegen die braune Gefahr" sagt Sally Perel und versucht durch seine Erinnerungsarbeit, dem Vergessen und dem neu aufkeimenden Neonazismus entgegenzuwirken. Da ihm der Dialog mit jungen Menschen ein wichtiges Anliegen ist, wird Sally Perel am Mittwoch Vormittag im St.-Georg-Gymnasium zu Gast sein und mit ca. 200 Schülerinnen und Schülern der Bocholter Schulen diskutieren.
Nach dieser schulinternen Begegnung haben am Abend in der Stadtbibliothek alle Interessierten die Möglichkeit, Sally Perel in einer öffentlichen Lesung (Entgelt: DM 5,-/3,-) mit anschließendem Meinungsaustausch zu erleben; über eine rege Teilnahme würden sich die Veranstalter sehr freuen.