Pressemeldung der Stadt Bocholt

Bocholt, 04. April 2001

Mädchenarbeitslosigkeit – Fakten und Hintergründe

Arbeitskreis Gleichstellung tagte

Bocholt (pd).

Ursachen und Hintergründe für die Arbeitslosigkeit von Mädchen beschäftigten den Arbeitskreis für Fragen der Gleichstellung von Frau und Mann der Stadt Bocholt in seiner jüngsten Sitzung. Karin Hartmann, Beauftragte für Frauenbelange bei Arbeitsamt Coesfeld, informierte umfassend über die jeweiligen Ansätze - Berufsberatung mit der Zielrichtung einer beruflichen Ausbildung sowie der Arbeitsvermittlung - für diesen Personenkreis. Auf den ersten Blick scheint die Situation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt für Jugendliche sehr entspannt. So stehen den insgesamt Ende März 2001 noch nicht vermittelten 746 Bewerberinnen und Bewerbern um einen Ausbildungsplatz im hiesigen Arbeitsamtsbezirk rund 1273 noch offene Ausbildungsplätze gegenüber. Hinsichtlich der Jugendarbeitslosenquote belegten die Kreise Borken und Coesfeld mit 5,1 % im Jahr 2000 den niedrigsten Platz in NRW.

Diskrepanzen ergeben sich jedoch hinsichtlich der Berufswünsche. Ein großer Teil der Mädchen konzentriert sich noch immer auf wenige Berufsfelder wie Arzthelferin, Bürokauffrau, oder Einzelhandelskauffrau in der Modebranche. Technische Berufe sind nach wie vor bei den Mädchen wenig beliebt. Gerade in den "typischen Mädchenberufen" wird jedoch von vielen Arbeitgebern der Realschulabschluss bzw. der 10B-Abschluss der Hauptschule vorausgesetzt. Bei Jungen sieht man, z. B. im handwerklichen Bereich, oft über die Schulnoten hinweg. Mädchen mit einem - womöglich schlechten - 10A-Abschluss haben jedoch kaum Chancen, einen der begehrten Ausbildungsberufe zu ergreifen. Neben den Handlungsalterna-tiven des weitergehenden Schulbesuches, der direkten Aufnahme einer ungelernten Tätigkeit oder des Akzeptierens alternativer Ausbildungsgänge gibt es diverse weiterführende Ange-bote für Jugendliche. So werden in Bocholt verschiedene Maßnahmen nach dem Jugendson-derprogramm u. a. in Zusammenarbeit mit der Berufsbildungsstätte Westmünsterland, der Kreishandwerkerschaft und der EWIBO angeboten.

Möglich ist beispielsweise neben der Ableistung eines Ausbildungsjahres in überbetrieblicher Ausbildung auch das Nachholen des Hauptschulabschlusses, die Durchführung einer qualifizierenden Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, das Angebot von Arbeit und Qualifizierung (noch) nicht ausbildungsgeeigneter Jugendlicher und die soziale Betreuung zur Hinführung an Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Die Angebote stehen Jungen und Mädchen gleichermaßen zur Verfügung.

Heikel ist die Situation insbesondere für junge Mädchen, die noch während der Schul- bzw. weiterführenden Ausbildung schwanger werden. Diese treten nach einiger Zeit als Wie-dereinsteigerinnen beim Arbeitsamt in Erscheinung. Probleme bereiten neben der oft schwierigen persönlichen und finanziellen Situation auch die Frage der Kinderbetreuung und des Angebotes an geeigneten Teilzeitarbeitsplätzen. Frau Hartmann wies an dieser Stelle auch auf die unter bestimmten Voraussetzungen möglichen Eingliederungszuschüsse hin, die ein Arbeitgeber bei Einstellung einer Wiedereinsteigerin beantragen könne.

Neben der direkten Vermittlung in Arbeit gibt es speziell auch für diesen Personenkreis konzipierte Weiterbildungsmaßnahmen in Teilzeitform. Die Erfolgsquoten bei Wiedereinsteigerinnen, die eine weiterbildende Maßnahmen besuchen, sind gut. Neben einer Abbruchquote von 15 – 20 % in den ersten Monaten, die häufig auf Überforderung zurückzuführen ist, beenden die verbliebenen Frauen die Maßnahmen und die weitaus meisten von ihnen bestehen auch die Prüfung. Frau Hartmann appellierte daher an den Arbeitskreis, Frauen darauf hinzu-weisen, sich beim Wunsch nach Arbeitsaufnahme arbeitssuchend zu melden, auch wenn keine Ansprüche auf Leistungen bestehen. Nur so könnten für diese "stille Reserve" entsprechende Maßnahmen geplant und Mittel bereit gestellt werden.

Der Arbeitskreis wies in der anschließenden Diskussion auf den Fachkräftemangel in verschiedenen Branchen und die damit verbundene Verantwortung der Wirtschaft hin, voraus-schauend entsprechende Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.