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Die artline 5 hat ihre Tore geschlossen. Ein Resumé
Borken - 06. Juli 2001. Am 2. Juli gegen 13 Uhr verließen die letzten Besucher die Ausstellungsräume. Es war eine Schulklasse aus dem Münsterland. Das verwundert nicht, war der letzte Tag ein offener speziell für die Schulen. Dennoch zeigt sich hier, was schon in den 6 Wochen offenkundig wurde: Der artline ist es gelungen, nicht nur die Kenner, die dadurch notwendigerweise Älteren anzusprechen, sondern alle Altersgruppen.
Der zweite wichtige Aspekt liegt in der Tatsache, dass bei den Besucherzahlen die auswärtigen Besucher und die Borkener Bürger etwa gleich vertreten waren. Über 9000 Besucher, mit Dauerkarten und Mehrfachbesuchern wohl weit über 10000, sind sehr gut für eine Ausstellung, die nicht wie das Museum Ludwig gleich in der Fußgängerzone einer Milllionenstadt liegt.
Die Reaktionen der auswärtigen Besucher, die auch aus den Kunstmetropolen Frankfurt, München oder Berlin anreisten, waren überaus positiv. Jan Hoets Zielsetzung, die Ausstellung neben den Großstädten stattfinden zu lassen, um gerade die nötige Ruhe zu gewährleisten, konnte besonders von diesen Besuchern nachvollzogen werden.
Woran eine Ausstellung unabhängig vom Ort aber immer gemessen wird, ist die Qualität ihrer Exponate und die Art der Präsentation. Derjenige, der dafür verantwortlich zeichnet, ist der Kurator. Und Borken hatte einen Kurator, der von der internationalen Fachwelt als einer der besten Ausstellungsmacher überhaupt angesehen wird.
Das Konzept Jan Hoets, die artline künstlerisch gewissermaßen zweizuteilen, brachte mit Werken von Joseph Beuys, Richard Long, Bruce Naumans und vielen anderen die großen Namen und die wichtigen Werke aus dem SMAK in Gent nach Borken. Eine Ausstellung großer, etablierter Kunst alleine wirkt aber oft - und damit haben auch die Kunstmetropolen ihre Erfahrungen gemacht - blutleer und auf die Museumsörtlichkeiten beschränkt. Das widerspricht aber dem Anliegen Hoets, die Kunst gerade aus diesem Kontext zu lösen. Seine Einladung an 17 Künstler, in Borken zu arbeiten, auf die Stadt und ihre Umgebung zu reagieren, ist unmittelbarer Ausdruck seines Grundkonzeptes : "Interaktionen: Natur und Architektur".
Die Ergebnisse, die in den Wochen vor der Artline und noch in die Ausstellungszeit hinein entwickelt wurden, sind so spannend, dass die etablierten Kunstwerke trotz erstklassiger Qualität vor allem zum Bezugsrahmen wurden, zur Verdeutlichung des Ursprungs grundlegender künstlerischer Konzepte. Die Einbeziehung des gesamten Stadtgebietes erreichte die Öffnung der Ausstellung, die Öffnung zu den Bürgern der Stadt, die teilweise erstmalig "live" mit zeitgenössischer Kunst konfrontiert wurden und die Öffnung zur (Kunst)welt.
Die Reaktionen aus beiden Lagern zeigen, das Beuys wohl recht hatte mit seiner Forderung, der Kunstbetrachter möge die Kunst weder konsumieren noch vollständig erklären wollen, sondern er solle seine Gegenbilder entwickeln, solle sich an der Kunst reiben. Eine Reihe von Künstlern aus der Region nahm die Ausstellung zum Anlass, durch kleine Installationen am Rande ihre Position darzustellen, einige Bürger riefen die Polizei, weil sie die Stimmen aus den Gullis der Künstlerin Christine Clinckx für authentisch hielten. Die artline 5 hat niemanden im Kreis Borken gleichgültig gelassen, sie war Anlass stetiger Diskussionen, hat polarisiert und genau das muss zeitgenössische Kunst unbedingt tun. Die Zeiten, in denen Kunst vor allem dekorativen Zwecken diente, sind Kunstgeschichte.
Die Artline 5 war von den Anforderungen an Budget und Organisation ein Quantensprung für die Stadt, es spricht für die Visionen der verantwortlichen Entscheidungsträger, den Schritt dennoch getan zu haben. Die Ausstellung hat in der Region etwas angestoßen, das verbreitet und fortgeführt werden muss. Kulturevents dieser Kategorie sind ein Stück Identitätsfindung neben den großen Metropolen und es zeigt sich, dass sowohl die konzeptionellen Kräfte wie etwa die Kuratoren Jan Hoet und Michel Dewilde einen Blick für das vorhandene Potential haben, wie auch die Organisation problemlos funktioniert hat. Besonders die enge Zusammenarbeit mit den Künstlern, die teilweise mehrere Wochen in der Stadt ihre Installationen eingerichtet haben, war von großer Weltoffenheit bestimmt. Hier wurde mancher Dialog mit den Bürgern der Stadt geführt.
Außerdem besitzt Borken mit dem "Depot" neben den anderen interessanten Ausstellungsräumen ein Highlight an Atmosphäre und Ausstrahlung. Am Rande der Finissage wurde Bürgermeister Rolf Lührmann darum auch von vielen auswärtigen Besuchern zum einen beneidet, zum anderen darin bestärkt, dies Gebäude für kulturelle Zwecke zu erhalten. Nach der artline ist vor der artline. Diesem Grundsatz, der angesichts des Zweijahresrhythmusses der Ausstellung immer galt, kommt wegen der Qualität der 5. Ausgabe eine besonders hohe Bedeutung zu. Wenn Jan Hoet eine Ausstellung macht, ist danach nichts mehr so wie vorher. Die Prozesse, die in Gang gekommen sind, sind Teil der Entwicklung jedes Einzelnen und unumkehrbar.
Die artline 6. wird von allen, nicht nur kulturinteressierten in der Region und weit darüber hinaus mit besonderem Interesse erwartet werden.
artline / 5
Kurator: Dr. Jan Hoet, Leiter des Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (S.M.A.K.) Gent
Gast-Kurator: Michel Dewilde, Stadt Brügge
Projektleitung: Monika Böing, Stadt Borken
Technische Leitung, Stadt Borken: Klaus Schonnebeck und das Baubetriebshof Team
Presse und weitere Informationen zu den einzelnen Künstlern: Peter Liffers, Agentur Himmel und Erde, Bochum, mobil 0177 8347420
Marketing: Meuter & Team, Borken
Katalog (2 teilig): 3-sprachig (Deutsch, Niederländisch, Englisch) 10,00 DM
Stadt Borken Infobüro: artline / 5, Am Kuhm 40, D- 46325 Borken/NRW, Tel.: 00.49.2861.908.606 Fax: 00.49.2861.908.608 E-Mail: monika.boeing@borken.de
Presseinformationen: artline / 5 mobil 0177 8347420 Tel.: 00.49.2861.908.606 Fax: 00.49.2861.908.608 E-Mail: kolpt@liffers.de
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