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"Wo kein Raum und Ort vorhanden ..."

Stadtmuseum eröffnet Fotoausstellung besonderer Art

Borken - 24. Oktober 2001. Fachleute bescheinigen ihm, ein neugieriger und überdies exakter Beobachter zu sein und eine besondere "Nase" für Bedeutsames zu haben.

Die Rede ist von dem münsterschen Fotografen Ralf Emmerich, der das Stadtgebiet Borken im Auftrag des Stadtmuseums seit April ausgiebig fotografisch erkundet hat, um zum Ausklang des Jubiläumsjahrs 2001 eine Ausstellung besonderer Art zu präsentie-ren. Eine nachdrückliche Empfehlung hatte er mit beeindruckenden fotografischen Reisedokumenten geliefert, die im Museum im vergangenen Jahr unter dem Titel "Engel und Tänzer" zu sehen waren.

Nicht gerade ein allseits gefälliges, marketingfähiges Stadtporträt sollte aus dem neuen Projekt hervorgehen. Gewünscht waren vielmehr neue Zugänge zu gewohnten und bekannten, aber auch zu weniger bekannten und unbeachteten Zügen unserer Stadt, zu ihren erfreulichen und auch weniger erfreulichen Seiten.

Diese Grundgedanken hat Ralf Emmerich auf höchst interessante Weise umgesetzt. Durchgängig hat er eine Panorama-Kamera verwendet, die ein ungewohntes Bildformat liefert und vorzugsweise für die fotografische "Dokumentation" unbewegter Motive geeignet ist - für innehaltende Personen und Gruppen, für Orte und "Unorte". Er besuchte im Laufe der Monate die Polizei, die Schönstätter Marienschwestern mitsamt der Mädchenrealschule, die Bewohner des Hauses "Ein Dach über dem Kopf" und ein Fußball-Ferienprojekt.

Bei seinen Erkundungen entdeckte er "ländliche Treffs" und triste Orte, dokumentierte den "Sonntagsclub", die beziehungsreiche Tafel "Imagine" auf dem Marktplatz und die Besamungsstation in Hoxfeld.

Zugleich fokussierte er seine Kamera mehr und mehr auf unbewegte Motive, die sich seinem aufmerksamen Auge als eigentümlich und typisch für unsere Stadt erschlossen. Sein Borken-Panorama ist gleichsam das Ergebnis einer Gradwanderung - derjenigen zwischen der Objektivität des Vorhandenen und der Subjektivität des Wiedergegebenen. Dem Anspruch auf allseitige Ausgewogenheit hat er sich dabei bewusst entzogen. Dass er mit seiner Ausstellung persönliche, von Empathie, Entdeckungslust und mancher Nachdenklichkeit geprägte Eindrücke präsentiert und mit ihnen zur gedanklichen Auseinandersetzung anregen möchte, macht er nicht zuletzt durch den Titel der Ausstellung deutlich, die einem Epigramm des Barockdichters Friedrich von Logau entnommen ist: "Wo kein Raum und Ort vorhanden, wird auch nichts nicht sein und bleiben."

Entstanden ist ein Beitrag zum Jubiläumsjahr "775 Jahre Borkener Stadtrechte", der die vom Stadtmuseum im Frühjahr präsentierte Ausstellung "Vorwärts gelebt und rückwärts verstanden" und den laufenden Schreibwettbewerb "Mit breiter und mit spitzer Feder" auf anspruchsvolle Weise ergänzt. Emmerichs Ausstellung, zu der auch ein Katalog erscheint, wird am kommenden Sonntag um 11.00 Uhr im Stadtmuseum eröffnet.

Museumsleiter Dr. Norbert Fasse wird in das fotografische Panorama einführen, die Flötistin Gudula Rosa die Matinée musikalisch mit einem Stück des japanischen Komponisten Maki Ishii gestalten.


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