16. Magdeburger Telemann-Festtage mit Familienprogramm
Magdeburg.
Auch Veranstaltungen für die ganze Familie werden im Rahmen der diesjährigen 16. Magdeburger Telemann-Festtage im März zur Aufführung gebracht. Es handelt sich hierbei um ein Jugendprojekt aus der Veranstaltungsreihe "Telemann für Schüler", mit der die Telemann-Festtage verstärkt versuchen, ein junges Publikum mit Musik aus der Barockzeit vertraut zu machen. Person und Werk G. Ph. Telemanns stehen dabei im Vordergrund.
Es wird die Serenata "Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho" von dem Schweizer Theater "Il Teatro Amoroso" vorgestellt. Bereits im vergangenen Jahr erfreute sich eine Inszenierung der Geschichte um den Ritter Don Quichotte und seinem Knappen Sancho Pansa in Hamburg insbesondere beim jungen Publikum großer Beliebtheit. Die stimmungsvolle und kurzweilige Interpretation der Don-Quichotte-Serenata verspricht ein ähnlich begeisterndes Erlebnis zu werden. Geplant sind zehn Veranstaltungen zwischen dem 11. Und 15. März in der Stadt und Region Magdeburg. Am Sonnabend, dem 16. März wird "Don Quichotte" dann auch im Rahmen des Festivals um 11.00 Uhr im Festsaal des Rathauses Magdeburg für die ganze Familie zu erleben sein.
Don Quichotte
Georg Philipp Telemann:
Serenata Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho TWV 21:32 (szenische Aufführung)
Text: Daniel Schiebeler
Festsaal des Rathauses
Sonnabend, 16. März 2002, 11.00 Uhr
Weitere Aufführungen für Schüler vom 5.- 15. März 2002 in Schulen der Stadt und Region Magdeburg
Il Teatro Amoroso (Basel)
Tanz, Choreographie: Barbara Leitherer, Bernhard Gertsch (Basel)
Kostüme: Gigliola Vinci (La Scala, Mailand)
Bühnenbild: Michael Hein (Theater Basel)
Gesamtleitung und Regie: Thilo Hirsch (Basel)
Das Werk
Dass der 80jährige Telemann mit Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho das Libretto eines um 60 Jahre jüngeren Dichters vertonte, ist das extremste Beispiel für eine besonders eigentümliche Tendenz seines Spätwerks: die Auseinandersetzung mit Texten einer wesentlich jüngeren Dichtergeneration, deren neuartige poetische Verfahren Telemann begeisterten.
Für die kleine Serenata griff Telemann auf eine Dichtung seines Hamburger Schülers Daniel Schiebeler zurück, die eine Episode aus dem bekannten Cervantes-Roman über den abenteuerlustigen Don Qui-chotte und seinen Diener Sancho Pansa behandelt. Das heitere Spätwerk Telemanns überrascht in erster Linie durch seine bezaubernde musikalische Frische und Vitalität, durch deutsche Singpiel-intona-tionen und durch volkstümliche Derbheit.
Die Wahl des Sujets und dessen ebenso empfindsam wie rationalistisch akzentuierten Bearbeitung sowie die äußerst bühnenwirksamen Szenen legen eine bestimmte Intention von Komponist und Librettist nahe: Mit Don Quichotte griffen Schiebeler und Telemann auf höchst eigenständige Art und Weise in die um die Jahrhundertmitte besonders kontrovers diskutierten Bestrebungen zur Schaffung einer deutschen Nationaloper ein. Telemanns Musik ist mit ihrer komplexen Mischung aus kunstvollen und naiven Elementen, mit ihrem ebenso subtilen wie derben Humor den meisten zeitgenössischen Singspielpartituren weit überlegen: Die parodistisch gefärbten Arien in pseudoheroischer Seriamanier, die Don Quichotte zugewiesen sind, kontrastieren darin wirkungsvoll mit den volksliedhaft-einfachen Chören und Gesängen der Schäfer, aber auch mit dem derb-drastischen Humor der Sancho-Partie.
Die Serenata behandelt die Liebe zweier junger Menschen zueinander, die gegen den Willen des Brautvaters, der seine Tochter lieber mit einem reichen und gut situierten älteren Herrn vermählen möchte, heiraten wollen. Don Quichotte mischt sich ein und wendet - im Stile der barocken Oper als Deus ex machina - alles zum Guten.
Die frech-amüsante Inszenierung Thilo Hirschs läßt den geistvoll-spritzigen Charakter dieses Stückes lebendig werden.
Il teatro amoroso
Il teatro amoroso ist ein junges, professionelles, in der Grundbesetzung aus fünf Sänger-, Musiker- und TänzerInnen bestehendes Cammermusik-Tanztheater Ensemble. Es wurde 1996 von Thilo Hirsch mit dem Ziel gegründet die Musik der Renaissance und des Barock in ihrem ursprünglichen Sinne einer "theatralischen Unterhaltung" aufzuführen.
Durch die Verbindung von Theater, Musik, Tanz, Kostümen, Bühnenbild und Elementen der Commedia dell' arte soll sich der Zauber des goldenen Zeitalters wieder entfalten. Der Erfolg dieses Konzepts zeigte sich in den zahlreichen Aufführungen seit 1996 und den hervorragenden Kritiken. So schrieb z.B. die Basler Zeitung über die Produktion Liebes Lust und Saitensprünge, welche 1999 anlässlich des Ekhof-Festivals auch vom Bayerischen Fernsehen mitgeschnitten wurde: "Ein sinnbetörendes Stück Theater pur, das unter der Leitung von Thilo Hirsch vor tänzerischen, pantomimischen und gesanglichen Entdeckungswerten nur so sprühte."
Voraussetzung für Aufführungen dieser Art ist die heute so seltene, für die damalige Zeit jedoch viel selbstverständlichere Doppelbegabung der Ensemblemitglieder. Hier ist besonders die seltene Kunst des "cantar alla viola" - des "Singens zur Viola da gamba" - zu erwähnen, durch welche schon Orpheus die wilden Tiere der Unterwelt besänftigt haben soll. Baldassare Castiglione hebt dies in seinem Buch Il Cortegiano als eine der erlesensten Kunstgepflogenheiten der Renaissancekultur hervor, durch welche dem Text "eine geradezu wunderbare Schönheit und Wirksamkeit verliehen werde".
Thilo Hirsch
In München geboren, begann Thilo Hirsch seine musikalische Ausbildung am Richard Strauss Konservatorium München mit einem Musikstudium in den Fächern Waldhorn und Viola da gamba. Nach dem Diplom wechselte er an die Schola Cantorum Basel, um dort im Rahmen eines Aufbaustudiums Viola da gamba bei Christoph Coin (Diplom 1995, Diplomarbeit: Das "cantar alla viola" im 16. Jahrhundert) und Gesang als Hauptfach bei R. Levitt und Kurt Widmer zu studieren. Dort besuchte er auch die Opernklasse und wirkte in Konzerten und Theaterproduktionen von Anthony Rooley, Joshua Rifkin und Rene Jacobs als Gesangsolist und Gambist mit. 1991 gründete Thilo Hirsch das Continuo-Ensemble l'arcata, 1996 Il teatro amoroso. Seit 1992 wurde er für zahlreiche Konzerte, CD- und Rundfunkaufnahmen unter anderem von Michel Corboz (Ensemble Vocal de Lausanne), Ensemble TURICUM, Parthenia Vocal, Basler Madrigalisten, Tölzer Knabenchor und dem Gulbenkian Choir/Lissabon verpflichtet.
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