Presseinformationen der Landeshauptstadt Magdeburg
 
[Alle Meldungen]
[Medienarchiv]
[E-Mail-Abo]
[Suche]

[Druckansicht]

Magdeburg, 11. März 2002
Konservatorium präsentiert Beethovens WErke für Cello und Klavier

Magdeburg. Auf den Tag genau 175 Jahre nach dem Tod Ludwig van Beethovens (26. März 1827) findet am Dienstag, dem 26. März 2002 um 19.00 Uhr im Konzertsaal des Magdeburger Konservatoriums das erste Konzert eines Zykluss statt, in dem sämtliche Werke Beethovens für Violoncello und Klavier erklingen. Ausführende sind Bård Henrik Bosrup (Violoncello) und Helmut Keller (Klavier).

Auf dem Programm stehen die Sonate für Violoncello und Klavier g-moll op. 5/2, die Sonate für Violoncello und Klavier D-Dur op. 102/2, die 12 Variationen F-Dur op. 66 über "Ein Mädchen oder Weibchen" aus der "Zauberflöte" sowie die 7 Variationen Es-Dur über "Bei Männern, welche Liebe fühlen" aus der "Zauberflöte" von Mozart WoO 46.

Zu den Werken: Während Beethoven in allen anderen bedeutenden Genres seines Werkes grandiose Vorgänger hatte, betritt er mit seinen fünf Sonaten für Klavier und Violoncello Neuland: Diese Sonaten sind die ersten Beiträge zu dieser Kammermusikform. Als entfernten Anknüpfungspunkt könnte man vielleicht die drei um 1720 entstandenen Sonaten für Cembalo und Viola da Gamba von J. S. Bach (BWV 1027-1029) nennen, die allerdings sowohl instrumental als auch stilistisch und formal völlig anderen Prinzipien folgen. Somit kann man Beethoven mit Fug und Recht als den Schöpfer dieser in der Folge von vielen bedeutenden Komponisten mit gewichtigen Werken bedachten Kammermusikgattung betrachten.

Für alle fünf Sonaten ist eine selbst bei Beethoven nicht alltägliche Freiheit im Umgang mit dem überlieferten Formenkanon bezeichnend: In dieser Hinsicht sind sie durchweg "revolutionärer" als etwa die Schwesterwerke für Klavier und Violine. Gleich die ersten beiden Sonaten der Serie, die Beethoven im Juni 1796 in Berlin für König Friedrich Wilhelm II und dessen Cellisten Duport schrieb, sind ein Kompendium genia-li-scher "Sturm und Drang"-Ideen - und man täte Beethoven wohl unrecht, wenn man diese Experimentierlust nur dem Wunsch zuschriebe, den königlichen Widmungsträger recht nachhaltig beeindrucken zu wollen: Eine dieser beiden Werke ist die Sonate in g-moll opus 5/2.

Unangefochtener Gipfelpunkt dieser einzigartigen Werkreihe ist aber trotz allem die am 26. März ebenfalls zur Aufführung gelangende letzte Sonate op.102/2: Es dürfte nicht leicht sein, in der gesamten Kammermusikliteratur ein Werk zu finden, das diesen Geniestreich an Kühnheit, Konzentration und Klarheit, an Empfindungstiefe und Geistesschärfe überträfe.

Das eröffnende Allegro con brio weckt gleich mit seinem energisch-stolzen Anfangsmotiv, das schon in den ersten beiden Takten die metrische Ordnung unbekümmert über den Haufen wirft, die Erwartung nach einer fugierenden Antwort, die aber erst im letzten Satz - aber wie! - erfüllt wird. Dieser kraftvolle Impuls zieht eine Entwicklung nach sich, die auf ganz ungekünstelte und organische Weise das paradoxe Kunststück zustande bringt, gleichzeitig kleingliedrig und großräumig zu sein. Der Motor dieser Entwicklung ist eine atemberaubend kunstvolle motivische Verflechtung über schroffe Charaktergegensätze hinweg. Der ganze Satz ist zudem ein Wunderwerk an Verknappung, der sicher auch einen Großmeister der Komprimierung wie etwa Anton von Webern mit Bewunderung erfüllt hat - Einen solchen Kosmos an Ideen und Stimmungen auf gerade 147 Takten hat es wohl in der Musikgeschichte nur selten gegeben.

Das Herzstück des Satzes ist das folgende Adagio con molto sentimento in d-moll: Gläubige Hingabe und verhaltener Zweifel, schmerzliche Beklommenheit und beseeligende Gelöstheit sind hier auf das Innigste verwoben und in ein auf unnennbare Weise berührendes Gleichgewicht gebracht. Mit kühnen, aber nahezu absichtslos anmutenden Modulationen öffnet sich der Satz zur unmittelbar anschließenden Schlussfuge: Über Generationen hinweg hat dieser Satz gleichermaßen bewunderndes wie verständnisloses Kopfschütteln ausgelöst - Beethovens Zuversicht, dass die Zeit auch für solch einen Satz einmal reif sein würde, hat sich bis zum heutigen Tag nur sehr unvollkommen bestätigt. Gewiss, das Ohr des modernen Hörers ist durch ein Stahlbad an Härten gegangen, das es ihm ermöglicht, die Kühnheiten Beethovens ungerührt zu überstehen. Aber Verständnis?

Wie viele heutige Hörer würden sich nicht der Meinung des Berliner Beethoven-Apostels Adolf Bernhard Marx anschließen, der 1824 schrieb: "Eine Fuge wie diese vorliegende aber wird schwerlich Jemandem gefallen können. Sie klingt erstens nicht und zweitens erweckt sie keine bestimmte Empfindung. Das Thema ist für eine so ernste Durchführung zu lustig und kontrastiert auch deshalb mit den beiden vorigen Sätzen zu grell. Wie viel lieber hätten wir statt dieser Fuge einen andern Satz, ein Beethovensches Finale gehört!..."

Eine Fuge hätte ja demnach, wenn sie sich schon unter ein aufgeklärtes Publikum wagt, in feierlicher Staatsrobe zu erscheinen. Sollten wir aber Beethoven nicht dankbar sein dafür, dass er uns im polyphonen Höhenflug dieser wenigen Minuten über die gutbewachten Grenzen unserer wohlgeordneten Ästhetik hinwegträgt?

Die Ausführenden:

Bård Henrik Bosrup wurde in Porsgrunn (Norwegen) geboren und spielt seit seinem 5. Lebensjahr Violoncello. Nach Studien am Edsberg Musikinstitut Stockholm bei Frans Helmerson folgte das Solistendiplom an der Hochschule in Oslo. Ein Stipendium der University of Southern California ermöglichte ihm ein Studium beim weltberühmten Cellisten Lynn Harrel. Bereits seit 1995 ist er nunmehr erster Solocellist der Magdeburgischen Philharmonie. Darüber hinaus tritt er auch häufig außerhalb Magdeburgs als gefragter Solist (u. a. zusammen mit der Kammerphilharmonie Schönebeck und dem Radio-Symphonieorchester Oslo) sowie als Kammermusiker in unterschiedlichen Formationen auf. Er ist seit kurzem auch Dozent am Magdeburger Konservatorium.

Dr. Helmut Keller, 1948 in Graz geboren, absolvierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz Studiengänge in den Hauptfächern Klavier, Oboe (1974 Diplom mit Auszeichnung) und Dirigieren (u. a. bei Milan Horvat, Diplom 1975). Der österreichische Staatspreis, Lehraufträge an den Musikhochschulen in Graz und Mannheim-Heidelberg sowie ein vierjähriges Engagement am Nationaltheater Mannheim waren weitere Stationen seiner Laufbahn. Zahlreiche Konzerte und Konzerttourneen als Dirigent und als Kammermusikpianist (u. a. mit dem verstorbenen ungarischen Weltklassegeiger Albert Kocsis) führten ihn nach Österreich, Italien und Ungarn. Seit dem 1. Februar 1996 leitet er das Konservatorium Georg-Philipp-Telemann in Magdeburg, zuvor war er Musikschuldirektor in Kassel (1982-1992) und in Ludwigshafen/Rhein (1992 -1996).

[Zurück]


Stadt Magdeburg
Frau Dr. Cornelia Poenicke
Büro des Oberbürgermeisters
Teamleiter Öffentlichkeitsarbeit und Bürgeranliegen, Pressesprecherin
Alter Markt 6
39104 Magdeburg
Telefon: (03 91) 5 40 27 69
FAX: (03 91) 5 40 21 27
E-Mail: presse@magdeburg.de
URL: www.magdeburg.de

Die Pressestelle "Landeshauptstadt Magdeburg" ist Mitglied bei presse-service.de [http://213.179.128.119/]. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren. presse-service.de