Magdeburg will kinderfreundlicher werden
Arbeitsgruppe "Spielraum Stadt" erweitert
Magdeburg.
Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt will eine kinder- und familienfreundliche Stadt sein. Deshalb hat der Oberbürgermeister die Dienstanweisung zur "Kinderfreundlichkeitsprüfung innerhalb der Organisationseinheiten der Landeshauptstadt Magdeburg" überarbeitet. Darüber hinaus wurde die Ämter übergreifende Arbeitsgruppe "Spielraum Stadt" erweitert. In ihr sind jetzt 13 städtische Ämter sowie die Kinderbeauftragte und der Magdeburger Stadtgartenbetrieb vertreten.
"Sicherlich sind die Vorstellungen darüber, was kinderfreundlich ist, sehr vielfältig und wir werden nicht jeden Wunsch erfüllen können", macht Magdeburgs Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit, Beate Bröcker klar, dass eine Stadtverwaltung nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Lebensumstände für Kinder und Familien verbessern kann. "Aus der Perspektive kommunaler Politik heißt kinderfreundlich zu sein vor allem, die Lebenswelten der Kinder zu berücksichtigen, Kinder und Jugendliche zu den sie betreffenden Angelegenheiten anzuhören, sie in Planungen einzubeziehen und ihre Vorstellungen und Bedürfnisse in Vorhaben einfließen zu lassen", fasst Magdeburgs Sozialbeigeordnete zusammen.
Bereits 1995 bekannte sich der Magdeburger Stadtrat zum Leitsatz "Landeshauptstadt Magdeburg - eine kinderfreundliche Stadt" und zur Umsetzung einer Kinderfreundlichkeitsprüfung. Dazu wurde 1996 ein Aufgabenkatalog als Arbeitsgrundlage für die Ämter der Verwaltung formuliert.
Ein erster Schritt hin zu mehr Kinderfreundlichkeit war im Oktober 1995 die Einstellung einer hauptamtlichen Kinderbeauftragten innerhalb der Stadtverwaltung. Drei Jahre später initiierten Jugendamt und Kinderbeauftragte das Projekt "Spielen in Magdeburg" und riefen die Kinder der Stadt auf, ihre Ideen zur Gestaltung der Spielplätze und Freiflächen auf´s Papier zu bringen. Rund 1.500 Kinder beteiligten sich an dem Malwettbewerb. Die Sieger wurden von einer Kinderjury gekürt und bei einem Kinderfest im Cinemaxx ausgezeichnet.
"Seitdem fließen die Ideen der Kinder in die Neugestaltung und Sanierung unserer kommunalen Spielplätze ein", erklärt Heike Klinkerfuß, im Stadtgartenbetrieb u.a. zuständig für die kommunalen Spielplätze, das Verfahren. "Wenn ein städtischer Spielplatz neu entsteht oder saniert werden muss, bitten wir die Kinder aus den umliegenden Wohngebieten – meist über die Schulen – ihre Ideen zu zeichnen, zu basteln oder aufzuschreiben. Schließlich wollen wir, dass die Spielplätze bei ihren Nutzern gut ankommen."
Zwischenbilanz
Auf diese Weise wurden in den zurück liegenden Jahren u.a. die Spielplätze am Neuber in Diesdorf, in der St-Josef-Straße in Neu-Olvenstedt, im Neuen Sülzeweg, im Langen Weg und auf dem Pechauer Platz neu gestaltet. Für das BUGA-Spielhaus – ein Gemeinschaftsprojekt von Stadtverwaltung und Fachhochschule – entwickelten Kinder aus Cracauer Schulen in Zukunftswerkstätten Ideen.
Inzwischen führt die Kreativität der jüngsten Magdeburger dazu, dass Spielplätze unter ein Motto gestellt werden. Für den Spielplatz in der Victor-Jara-Straße, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Zoo, haben Schüler "tierische Spielgeräte" entworfen, die nun gebaut und in den nächsten Monaten installiert werden. Auch auf dem Spielplatz in der Telemann-Straße und auf dem Scherbelsberg im Rotehornpark wird derzeit gebaut. Mit Kletternetzen, Kosmodrom und Space-Rampe entsteht in der Telemann-Straße die "Stadt der Zukunft", die nach den Sommerferien ihre Tore öffnen wird. Und auf dem Scherbelsberg wird im Sommer ein überdimensionaler, sehr kinderfreundlicher Drachen landen, er darf bestiegen und erklettert werden.
"Die Einbeziehung der Kinder in die Gestaltung der Spielplätze ist das sichtbarste Ergebnis unserer Bemühungen um mehr Kinderfreundlichkeit", fasst Magdeburgs Kinderbeauftragte Katrin Thäger die Entwicklung seit 1995 zusammen. "Dies entspricht den immer wieder geäußerten Wünschen unserer jungen Mitbürger, die wir mehrfach erfragt haben." Beispielsweise beim "Tag der offenen Tür im Rathaus", zu dem am Weltkindertag 1998 Kinder Gelegenheit hatten, im Rathaus ihre Wünsche und Kritiken zu äußern. Im Jahr 2000 hatte die Verwaltung eine Wunschbriefkasten-Tour durch Magdeburger Schulen organisiert, wo Kinder ihre Kümmernisse und Ideen dem Wunschbriefkasten "Egon" anvertrauen konnten. Ausgewertet wurden die Zuschriften bei einem Kinderforum im Rathaus. Höhepunkt der Beteiligung war die Sitzung "Jugend im Stadtrat" im September 1998, auf der Kinder und Jugendliche Anträge an den Stadtrat und die Verwaltung stellen konnten, die wie Arbeitsaufträge des Stadtrates behandelt wurden.
"Die Sensibilität für die Bedürfnisse der Kinder hat in der Verwaltung deutlich zugenommen", schätzt Magdeburgs Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit zusammenfassend ein. "Damit ist ein wichtiges Anliegen der Kinderfreundlichkeitsprüfung erreicht. Allerdings wollen wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen, sondern noch mehr für Kinder und Familien in unserer Stadt tun."
Weitere Vorhaben
Deshalb wurde im vergangenen Jahr Bilanz gezogen und die Ergebnisse der bisherigen Arbeit reflektiert. Im Ergebnis wurde die Dienstanweisung des Oberbürgermeisters zur "Kinderfreundlichkeitsprüfung innerhalb der Organisationseinheiten der Landeshauptstadt Magdeburg" überarbeitet. Außerdem wurde die Ämter übergreifende Arbeitsgruppe "Spielraum Stadt", die seit 1998 existiert und bisher aus drei Ämtern der Verwaltung und dem Stadtgartenbetrieb bestand, erweitert.
In ihr sind jetzt neben der Kinderbeauftragten und dem Magdeburger Stadtgartenbetrieb insgesamt 13 städtische Ämter vertreten. "Darunter sind beispielsweise auch das Liegenschaftsamt, das Bauordnungsamt und das Amt für Baurecht, die man in einer solchen Arbeitsgruppe vielleicht nicht unbedingt erwartet", beschreibt Magdeburgs Sozialbeigeordnete die Erweiterung. Der Grund dafür: "Wir wollen eine ganzheitliche Sichtweise erreichen. Deshalb sollen beispielsweise auch Mitarbeiter, die Baugenehmigungen erteilen oder Erschließungsverträge aushandeln für die Bedürfnisse von Kindern und Familien sensibilisiert werden." In der Arbeitsgruppe vertreten sind außerdem das Jugendamt, das Sozial- und Wohnungsamt, das Sport- und Schulverwaltungsamt, das Gesundheits- und Veterinäramt das Stadtplanungsamt, Hoch- und Tiefbauamt, Kulturamt sowie Ordnungsamt und Umweltamt.
Anders als in der Vergangenheit, wo Kinderfreundlichkeit an recht allgemeinen Kriterien gemessen wurde, soll künftig der "Vorhaben bezogene Dialog" das praktizierte Verfahren sein. Bezogen auf konkrete Vorhaben will die Verwaltung zunächst Ämter übergreifend in der Arbeitsgruppe "Spielraum Stadt" über deren kindgerechte bzw. kinderfreundliche Realisierung diskutieren. Parallel dazu wird der Dialog mit den Kindern und Jugendlichen sowie ihren Eltern, Lehrern und Erziehern einerseits und mit den Politikern im Stadtrat andererseits geführt. "Im Ergebnis wollen wir festlegen, welche kinderfreundlichen Maßnahmen im Zusammenhang mit einem konkreten Vorhaben umgesetzt werden sollen", erläutert die zuständige Beigeordnete. "Dieses Verfahren ist nicht nur konkreter, sondern auch transparenter und am Ende abrechenbar."
Und wie funktioniert es in der Praxis? Ein Beispiel wird in den nächsten Monaten im Nordabschnitt des Breiten Weges erlebbar. Dort wird es künftig nicht nur "Kunst im öffentlichen Raum" sondern auch "Spielen im öffentlichen Raum" geben – ein Vorschlag der AG "Spielraum Stadt", den das Planungsbüro und die Verwaltung aufgegriffen haben und demnächst umsetzen werden.
Weitere Vorhaben im aktuellen Jahr sind:
- die Gewinnung von weiteren Spielplatz-Paten, die dafür sorgen, dass "ihr" Spielplatz sauber und intakt ist
- die Neugestaltung des Spielplatzes am Schellheimer-Platz unter Einbeziehung der Kinder
- die Beteiligung von Kindern beim Planungsverfahren zur Umgestaltung der Außenfläche des Hauses der offen Tür in Buckau (im Rahmen der Urban 21-Förderung)
- die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei der Planung zur Sanierung der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung "Werder",
- die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei der Planung von Kinder- und Jugendeinrichtungen in Rothensee in Verbindung mit der Objektplanung der Kindertageseinrichtung "Badeteichstraße"
"Ich bin optimistisch, dass das neue Verfahren des Vorhaben bezogenen Dialogs uns hilft, die Wünsche und Bedürfnisse von Kindern und Familien noch besser zu erkennen und bei kommunalpolitischen Entscheidungen zu berücksichtigen", blickt Magdeburgs Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit in die Zukunft. "Allerdings brauchen wir dafür auch die Mitwirkung der Kinder und Jugendlichen selbst. Deshalb wird es auch eine Neuauflage von ‚Jugend im Stadtrat‘ geben."
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