"Heiliges Reich" kommt in saniertes Museum
Magdeburg.
"Das heilige Reich. Von deutschen Königen und römischen Kaisern 962 bis 1806" lautet der Arbeitstitel einer Ausstellung, die das Kulturhistorische Museum der Landeshauptstadt Magdeburg in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum Berlin 2006 ausrichten will. Eine entsprechende Vorlage, die das Konzept der Ausstellung skizziert, wurde gestern in der Dienstberatung des Oberbürgermeisters bestätigt. Bereits am 20. Juni hatte Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper bei einem Treffen mit dem Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums, Dr. Hans Ottomeyer, die Kooperation vereinbart.
Inhaltlich knüpft die Ausstellung "Das heilige Reich. Von deutschen Königen und römischen Kaisern 962 bis 1806" unmittelbar an "Otto der Große, Magdeburg und Europa" an. Die Europarats- und Landesausstellung mit 400 Originalen des 10. Jahrhunderts hatten im vergangenen Jahr 300.000 Gäste aus Deutschland und der ganzen Welt besucht.
Die Kaiserkrönung Ottos des Großen 962 in Rom markiert den Beginn einer staatlichen Organisation, die als "Heiliges Römisches Reich" in die Geschichte einging und erst 1806 endete. Das Heilige Reich verband über geographische, ethnische und konfessionelle Grenzen hinweg große Teile des heutigen Europas (Deutschland, Italien, Frankreich, Schweiz, Tschechien, Österreich, Niederlande), beeinflusste seine Entwicklung und wirkt in Traditionslinien bis heute nach.
Das 200. Jubiläum des Endes dieses Reiches zum Anlass nehmend, kooperieren das Deutsche Historische Museum Berlin und das Kulturhistorische Museum Magdeburg bei einem Ausstellungsprojekt, das die vom Heiligen Reich ausgehenden geschichtlichen und kulturellen Prägungen dokumentieren soll.
In zwei ersten großen Ausstellungskapiteln werden die Epochen "Von den Ottonen bis zu den Staufern (10. bis 13. Jahrhundert)" und "Spätes Mittelalter – Reich und territoriale Gewalten (13.-15. Jh.)" in Magdeburg präsentiert. Der Standort ist dadurch legitimiert, dass mit Kaiser Otto dem Großen sozusagen der "Gründer" des Heiligen Reichs in Magdeburg seine Grablege fand und sich die Stadt während ihrer mittelalterlichen Geschichte stets als freie Reichsstadt verstand.
Zwei weitere Kapitel zu den Epochen "Reichsreform und konfessionelles Zeitalter (15.-17. Jh.)" und "Vom Westfälischen Frieden bis zum Ende des Reiches (1648-1806)" werden zeitgleich im Deutschen Historischen Museum Berlin präsentiert.
Mit der Ausstellung "Das Heilige Reich. Von deutschen Königen und römischen Kaisern 962 bis 1806" wird wiederum ein Thema von europäischem Rang dargestellt, in dem Magdeburg eine zentrale Rolle spielte und das enorme Bedeutung für das Geschichts- und Selbstbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger der Landeshauptstadt und Sachsen-Anhalts hat. Die Kooperation mit dem wichtigsten historischen Museum Deutschlands weitet die Bezüge und unterstreicht den Rang einer Ausstellung, die im Jahr 2006 zu einem kulturellen Anziehungspunkt erster Ordnung werden dürfte.
Die sich komplementär aufeinander beziehenden Ausstellungen in Berlin und Magdeburg werden chronologisch strukturiert. Magdeburg bietet sich als Ort für die mittelalterlichen Kapitel an, da der Reichsgründer Otto der Große in den Mauern der Stadt begraben ist. Berlin bietet sich als Austragungsort für den neuhistorischen Teil der Ausstellung an, weil sich der Aufstieg der Stadt zur deutschen Metropole in der Neuzeit vollzogen hat und die Stadt mit dem Deutschen Historischen Museum das einzige Museums besitzt, das sich vorrangig mit deutscher Geschichte befasst.
Die Ausstellung "Das Heilige Reich. Von deutschen Königen und römischen Kaisern 962-1806" wird ca. 8 Mio. Euro kosten, die je zur Hälfte von den beiden ausrichtenden Museen getragen werden. Die Stadt Magdeburg hofft auf die finanzielle Unterstützung des Landes und wird darüber hinaus Sponsorengelder einwerben.
In Vorbereitung der Ausstellung wird die Sanierung des Kulturhistorischen Museums fortgesetzt. Bis zum Stadtjubiläum 2005 sollen zunächst der Nord- und der Ostflügel sowie der Aufgang in das Obergeschoss erneuert werden. Im Obergeschoss wird 2005 die neue stadthistorische Ausstellung dauerhaft Platz finden. Sie schlägt den Bogen von der ersten Erwähnung Magdeburgs bis ins 21. Jahrhundert.
Nach dem Auszug des Museums für Naturkunde sollen 2006 bis 2008 in einem weiteren Bauabschnitt die Räume der jetzigen naturkundlichen Sammlung sowie noch nicht sanierte Magazine erneuert werden. Insgesamt müssen nochmals 7,6 Mio. Euro fließen, um die Rekonstruktion und Modernisierung des 1906 errichteten Museums abzuschließen. Die Stadt wird für das Bauvorhaben Fördermittel beantragen.
Beide Drucksachen werden derzeit in den politischen Gremien diskutiert und liegen dem Stadtrat im August (Sanierung des Museums) bzw. September (Ausstellung über das Heilige Reich) zur Beschlussfassung vor.
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