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Magdeburg, 22. Juli 2002
Stadtbibliothek - in Zukunft noch mehr Bücher zum Hören
Ein Bericht von Nora Höft

Die Stadtbibliothek konnte mit Fördermitteln von Land und Bund das Angebot für Sehbehinderte erweitern. Im Rahmen eines Sonderförderprogramms standen der Einrichtung seit 2001 Sondermittel im Gesamtumfang von 40.000 DM für den Bestandsaufbau zur Verfügung. Dabei kommen 30.000 vom Land Sachsen-Anhalt und vom Bund, die restlichen 10.000 DM stammen aus Eigenmitteln der Stadtbibliothek. Das gewachsene Medienangebot findet jetzt seine intensive Nutzung.

Das Augenmerk bei der Neuanschaffung liegt dabei auf Medien, die sehbehinderte Nutzer komfortabel nutzen können, wie Hörbücher auf Kassette und CD, Großdruckliteratur und DVDs. Während im Jahr 2000 nur 790 Medien für Sehbehinderte angeschafft worden waren, damit insgesamt gut 1650 Hörbücher zur Verfügung stehen, wird es vor allem durch den Ankauf im Jahr 2001, in diesem Jahr einen Quantitätssprung bei der Ausleihe dieser Medien geben, so der zuständige Fachlektor, Sachgebietsleiter Dieter Drewitz.

Seh- und Hörgeschädigten standen vor 1989 hauptsächlich Großdruckbücher zur Verfügung. Diese stehen auch heute, jedoch in einem viel größeren und breitgefächerten Umfang in der Bibliothek und können mit vorhandenen Leselupen in allen städtischen Bibliotheken oder einem Speziallesegerät im Lesesaal der Zentralbibliothek genutzt werden. Seit 1989 haben sich die Anschaffungsmöglichkeiten und das Angebot stark verbessert, so der Bibliothekar Drewitz, und das nicht nur auf dem Gebiet der Großdruckliteratur, sondern vor allem in den letzten Jahren bei den Hörbüchern. Damit kann die Stadtbibliothek zur Zeit einen attraktiven Medienbestand anbieten.

Im Zuge eines 'Hörbuch-Booms' erscheinen heute zu Kino-Kassenschlagern wie "Harry Potter" zeitgleich Hörbücher. Es gibt sie aber auch von Bestsellern eines John Grisham oder zu den literarischen Klassikern wie Thomas Manns "Zauberberg".

Der Reiz eines Hörbuchs liegt neben der Interpretation und Gestaltung der Sprecher darin, dass diese oft Prominente sind, so dass man die Stimmen bekannter Schauspieler oder die Originalstimme eines Autors, wie etwa Hermann Hesse hören kann.

Beinahe jeder Geschmack könne bedient werden, berichtet Dieter Drewitz. "Wir führen Hörbücher zu Sachthemen wie Kunst, Musik, Geschichte, Gesundheit ebenso wie Belletristik- und Lyrik-Hörbücher oder auch Entspannungs-CDs." Ähnlich verhält es sich bei den DVDs: zu Kunst, Geschichte, Musik, Natur kann man sich informieren. Natürlich gibt es auch vielfältige Filme zu sehen, vom Klassiker à la "Casablanca" und "Vom Winde verweht", über die romantische Hollywood-Komödie bis zum oscarprämierten "Das Leben ist schön".

Die Nachfrage nach diesen Medien bestätigt die Bemühungen der Bibliotheksmitarbeiter. Der große Vorteil von DVD und Hörbuch liegt darin, dass nicht nur behinderte sondern alle Nutzer etwas davon haben. Zwischen dreißig und vierzig Prozent der Audiobücher sind meist entliehen, ähnlich verhält es sich mit den gut 450 DVDs, die angeboten werden, dort sind sogar zwei Drittel ständig ausgeliehen. Die Ausleihrate bei DVDs sei viel höher als bei Büchern, so Drewitz, etwa 50 Mal wird eine DVD in einem halben Jahr ausgeliehen. Dabei nahm die Stadtbibliothek erst im vergangenen Jahr die DVD in den ausleihbaren Medienbestand auf. Insgesamt sei eine Verschiebung zugunsten der audiovisuellen Medien zu beobachten - 28% der entliehenen Medien sind DVDs und Hörbücher - Bücher werden jedoch immer noch am meisten entliehen. Das hängt neben der großen Nachfrage auch mit der Leihfrist zusammen: bei DVDs beträgt sie 3 Tage, Hörbücher kann der Nutzer 2 bis 4 Wochen behalten. Genutzt werden diese Medien durch alle Alterklassen, Schüler fragen nach Lessings "Nathan der Weise" und ältere Semestern nach Loriot. Für Kinder bietet die Bibliothek seit langem ein umfangreiches Hörbuchangebot. Handelt es sich hier doch um eine sinnvolle Ergänzung zum Erlernen und Trainieren des Lesevermögens. Hörbücher erfordern ein gutes Zuhörvermögen und die Konzentration auf ein Thema. Gutes Zuhören schult die bessere Erfassung von Inhalten, die als Lesetechnik oft noch mangelhaft ausgebildet ist.

Die DVD bietet Möglichkeiten, die für Seh- und Hörgeschädigte und blinde Menschen gleichermaßen interessant sind, es ist ein Untertitel ebenso wählbar wie ein Kommentar, der Dialoge, Erläuterungen und Filmgeräusche wiedergibt.

Sehgeschädigte erhalten bei der Suche nach geeignetem literarischen Stoff die Unterstützung der Mitarbeiter auf allen Etagen des Hauses. Oder die Interessenten geben in den elektronischen Bibliothekskatalog zum Beispiel das Schlagwort 'Sehgeschädigte' oder ‚Hörbuch‘ ein, dann erscheinen alle Medieneinheiten, die den entsprechenden Hinweis tragen. Neben dem neuen Angebot an DVDs können selbstverständlich weiterhin die vorhandenen Videofilme ausgeliehen werden. Findet man etwa ein Hörbuch, das interessant erscheint, besteht die Möglichkeit, in der Bibliothek an Abhörplätzen 'mal reinzuhören'. Noch ist diese erfreuliche Verbesserung für behinderte Mitmenschen in Magdeburg nicht im Behindertenführer der Landeshauptstadt ausgewiesen. Bekannt und genutzt wird das erweiterte, attraktive Angebot sicher schnell.

Ein Fördermittelantrag zur Fortsetzung des Projektes ist gestellt. Das Land hat signalisiert auch 2002 Mittel für den Ankauf von Hörbüchern und DVDs bereitzustellen. Der Buchetat der Stadtbibliothek reicht bisher allerdings für die erforderlichen Eigenmittel nicht aus.

Die Ausleihe in allen Einrichtungen der Stadtbibliothek ist für Schwerbehinderte, Kinder, Jugendliche bis 18 Jahre, Schüler, Studenten, Wehr- und Ersatzdienstleistende und Inhaber des Magdeburg-Passes zu einem ermäßigten Jahresbeitrag von 5 Euro, ansonsten für 10 Euro möglich.

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Stadt Magdeburg
Frau Dr. Cornelia Poenicke
Büro des Oberbürgermeisters
Teamleiter Öffentlichkeitsarbeit und Bürgeranliegen, Pressesprecherin
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