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| Magdeburg, 24. Oktober 2002 |
Zwei der drei Elefanten des Magdeburger Zoos bleiben in der Elbestadt
Magdeburg.
Über die nach den heutigen Auffassungen zur Elefantenhaltung im Zoo Magdeburg ungenügendenden Bedingungen für die Elefanten sowie über die fehlenden Sicherheitsvorkehrungen für die sie betreuenden Tierpfleger wurde bereits ausführlich berichtet. Ein vor kurzem erfolgter Angriff einer der drei Elefanten auf einen der Tierpfleger führte die latente Gefahr unter den gegebenen Haltungsbedingungen deutlich als akute Gefahr ins Bewusstsein und veranlasste den Zoodirektor, sich nun für möglichst schnelle Abhilfemaßnahmen zu entscheiden. Solange die bauliche Situation im und durch das vorhandene Dickhäuterhaus unseres Zoos noch besteht, solange kann es jederzeit wieder zu einem Angriff von Elefanten auf Pfleger kommen, ohne dass sich die Tierpfleger effektiv davor schützen können. Elefanten sind Wildtiere, noch dazu sehr schwere und kräftige. Sie gehören offiziell zu den gefährlichen Zootieren, auch wenn das für viele Zoobesucher nicht augenscheinlich ist. Die Haltung und Pflege kann - wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft - lange Zeit völlig problemlos ohne Zwischenfälle verlaufen. Aber genauso schnell kann es andererseits zu schwerwiegenden Unfällen kommen. Nicht immer gehen solche Angriffe glimpflich aus, wie im vergangenen Fall. Hier spielte der Zufall eine Rolle. Der Vorfall selbst war jedoch ein deutlicher, die Augen öffnender Warnschuss! In mehreren Zoos, wo Elefanten wie hier in Magdeburg im direkten Kontakt mit dem Pfleger gehalten werden passieren leider jedes Jahr schwerwiegende Unfälle. Die Elefanten, die den Unfall herbeiführten werden in der Regel an andere Haltungen abgegeben, die andere, meist bessere Unterbringungsmöglichkeiten haben. In schweren, weiteren Fällen wurden die Elefanten auch getötet, um zukünftige Gefahren auszuschließen. Dazu darf es jedoch für die Magdeburger Elefanten keinesfalls kommen.
Die Verantwortung für den weitgehend gefahrlosen Umgang und letztlich die körperliche Unversehrtheit der Elefantenpfleger trägt in jedem Fall der Zoodirektor. Sie kann und wird ihm keiner abnehmen. Und daher bleibt auch nur ihm die Entscheidung über die Vorgehensweise zur Vermeidung von Unfällen mit den Elefanten.
Die unter den gegebenen baulichen und haltungstechnischen Umständen im Zoo Magdeburg zunächst getroffene Entscheidung zur Abgabe aller drei hier lebenden Elefanten ist daher fachlich weiterhin korrekt, wenn nicht sofortige andere Maßnahmen greifen können. Der Bau eines neuen, größeren und haltungstechnisch moderneren Elefantenhauses befindet sich in der Planung. Es werden aber noch einige Jahre bis zur Fertigstellung vergehen. Erst mit dem Umzug der Elefanten kann dann von einer deutlichen Gefahrenminderung für die betreuenden Pfleger gesprochen werden. So sollten ursprünglich auch die drei vorhandenen Elefanten dann eines Tages in das neue Haus einziehen. Die Attacke der Elefantin "Arusha" verlangte jedoch nunmehr eine dingendere Lösung.
Die Abgabe aller Elefanten aus dem Zoo Magdeburg und damit die Wegnahme einer der Lieblingstierarten unserer Zoobesucher für längere Dauer bedrückt gewiss viele schwer. Und selbstverständlich nicht nur Zoobesucher, sondern genauso die Mitarbeiter des Zoos selbst einschließlich des Zoodirektors. Die endgültige Entscheidung zu treffen, fällt ihm daher auf jeden Fall sehr schwer und wird immer wieder von ihm durchdacht. Auf der einen Seite die Verantwortung, auf der anderen Seite die verständlichen emotionalen Regungen wegen Abgabe von solchen Tierpersönlichkeiten, wie sie Elefanten nun einmal sind.
Nach vielen fachlichen Beratungen im Zoo selbst und mit Fachkollegen des Zoodirektors aus anderen Zoos in den vergangenen letzten Tagen komme ich zu der endgültigen Entscheidung, dass die attackierende Elefantin "Arusha" in eine andere Haltung, die sie zu übernehmen bereit ist, abgegeben wird. "Arusha" hat auch in der Vergangenheit mehrmals kleinere, wenn auch nicht so schwerwiegende attackierende Ausfälle gehabt. Die Haltung wird genau ausgesucht, damit es dem Elefanten dort nicht schlecht ergeht. Die beiden anderen Elefanten "Birma" und "Mwana" bleiben hier. Das allerdings nur unter der Voraussetzung, dass innerhalb der nächsten Wochen die von mir als notwendig erachteten baulich-technischen Sicherheitsvorkehrungen im alten Dickhäuterhaus errichtet werden und kein Angriff dieser Elefanten bis dahin auf einen der Pfleger erfolgt. Um dies zu erreichen, ist der Zoo für jede erdenkliche Hilfe und Unterstützung dankbar.
Bei den zu bauenden Sicherheitsvorkehrungen bin ich mir bewusst, dass sie nur provisorischen Charakter bis zur Fertigstellung eines neuen Elefantenhauses haben werden. Sie werden die für die Elefanten verfügbare Fläche im Haus noch etwas weiter einschränken. Sie werden auch für die Besucher dem Haus einen noch weniger attraktiven Eindruck verleihen, als er ohnehin schon durch die jetzige überalterte Situation gegeben ist. Außerdem müssen auch dringende Überlegungen zur Modifizierung des Haltungsmanagements getroffen werden.
Bedingt durch diese Entscheidung, zwei der drei Elefanten weiterhin im Zoo Magdeburg zu behalten und dabei die ungünstigen baulichen Bedingungen für die Tiere und Pfleger in Kauf zu nehmen, wird es noch dringlicher, bald Abhilfe zu schaffen. Abhilfe durch den Neubau des Elefantenhauses mit wesentlich größerer Bewegungsfläche für die Tiere und allen modernen Sicherheitsanforderungen entsprechender Vorkehrungen für die Pfleger. Eine Haltung wie bisher kann nicht mehr weiterhin erfolgen!
Dipl.-Biol. M. Schröpel
Zoodirektor
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