Gertraud Knoll erhält im kommenden Jahr den Preis der Lutherstädte "Das unerschrockene Wort"
Verleihung am 26. April in der Magdeburger Johanniskirche
Magdeburg.
Die Österreicherin Gertraud Knoll erhält im kommenden Jahr den Preis der Lutherstädte "Das unerschrockene Wort". Damit würdigt die Jury ihr couragiertes Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus. Die Auszeichnung wird am 26. April 2003 in der Magdeburger Johanniskirche verliehen. Mit der Ehrung wird an den Reformator Martin Luther erinnert, der seine Überzeugung mutig und standhaft gegenüber den Autoritäten seiner Zeit verteidigt hat.
Die Theologin Gertraud Knoll hat sich auf Kundgebungen und anderen öffentlichen Veranstaltungen mehrmals gegen den aufkommenden Antisemitismus, Fremdenhass und Rassismus ausgesprochen. Wegen ihres couragierten christlich-sozial-ethischen Engagements war sie massiven Anfeindungen bis hin zu Drohungen gegen Leib und Leben ausgesetzt. Die 43-jährige vertritt vehement den Standpunkt, dass das Bekenntnis zu Jesus Christus mit jeder Form von Antisemitismus und Rassismus unvereinbar ist. Ihr Amt als Superintendentin der Diözese Burgenland in Österreich ruht derzeit, da sie ein politisches Amt in der Regierung anstrebt.
Der mit 10.000 EUR dotierte Preis wird von den 14 Lutherstädten Coburg, Eisenach, Eisleben, Erfurt, Halle, Heidelberg, Magdeburg, Marburg, Schmalkalden, Speyer, Torgau, Wittenberg, Worms und Zeitz gestiftet. Er wurde erstmals im Lutherjahr 1996 an den Berliner Philosophen und Theologen Prof. Dr. Richard Schröder verliehen. Drei Jahre später, 1999, erhielt ihn der Theologe Prof. Dr. Hans Küng. Seitdem findet die Preisverleihung alle zwei Jahre statt. Im Jahr 2001 wurde die Polizeipräsidentin von Eberswalde, Ute Leichsenring, mit dem Preis ausgezeichnet.
Als mögliche Preisträger hatten die Stifterstädte insgesamt sieben Personen vorgeschlagen. Dazu gehörten neben Gertraud Knoll auch der Schriftsteller und Publizist Dr. Ernst Paul Dörfler, die frühere FDP-Politikerin und Ministerin a. D. Hildegard Hamm-Brücher, der frühere Bischof der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen Dr. Werner Krusche, der geschäftsführende Vorstand des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft Bonn Prof. Dr. Meinhard Miegel, der Vorsitzende des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma Romani Rose und die Sprecherin der Abiturklassen des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums Michaela Seidel.
Hintergrundinformationen zum Preis "Das unerschrockene Wort"
Die Einzelheiten der Verleihung des Preises "Das unerschrockene Wort" regelt ein Preisstatut. Darin heißt es: "Der Preis soll verliehen werden an Männer und Frauen, die in einer besonderen Situation oder bei einem konkreten Anlass, aber auch beispielhaft über einen größeren Zeitraum hinweg, in Wort und Tat für die Gesellschaft, die Gemeinde, den Staat bedeutsame Aussagen gemacht und gegenüber Widerständen vertreten haben. Dabei soll es weniger um eine Zustandsbeschreibung gehen als um wegweisende, zukunftsgerichtete Überlegungen."
Bei der Wahl des Preisträgers sollen parteipolitische und konfessionelle Gesichtspunkte keine Rolle spielen. Auch allgemeine Unzufriedenheit, eigennützige Motive oder Demagogie erfüllen nicht das Motiv des "unerschrockenen Wortes". Die Preisträger können sowohl aus der Bundesrepublik Deutschland als auch aus dem Ausland kommen. Ihr "unerschrockenes Wort" sollte sich auf die gesellschaftliche Situation in Deutschland beziehen.
Der Jury gehören die Oberbürgermeister und Bürgermeister der 14 Lutherstädte sowie sechs durch sie für die Preisvergabe berufene Vertreter des öffentlichen Lebens an. Jede Stadt sowie die berufenen Vertreter können der Jury maximal einen Vorschlag unterbreiten. Aus den eingereichten Vorschlägen wählt die Jury den Preisträger aus. Diese Entscheidung bedarf einer Zweidrittelmehrheit. Vorsitzender der Jury ist Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper, weil die Preisverleihung im kommenden Jahr in Magdeburg stattfindet.
Mit dem Preis "Das unerschrockene Wort" wurde im Lutherjahr 1996 der Berliner Philosoph Prof. Dr. Richard Schröder ausgezeichnet. Damit ehrte die Jury sein öffentliches und unerschrockenes Auftreten für seine politischen und demokratischen Überzeugungen.
1999 erhielt der katholische Theologe Prof. Hans Küng aus Tübingen den Preis. Küng habe in seinem Leben seine Meinung unerschrocken vertreten und dabei auch persönliche Nachteile in Kauf genommen, hieß es von der Jury zur Begründung. Im Juli 1998 hatte Küng eine offene Diskussion über die Unfehlbarkeit des Papstes gefordert.
Für ihre Zivilcourage im Kampf gegen Rechtsextremismus wurde im Jahr 2001 die Polizeipräsidentin von Eberswalde, Uta Leichsenring, mit dem Preis ausgezeichnet. Damit honorierte die Jury ihren Einsatz, die Öffentlichkeit gegen Rechtsextremismus zu mobilisieren.
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