Magdeburg benennt Straße nach jüdischem Soziologen Arthur Ruppin
Magdeburg.
Er gehört zu den Gründungsvätern Israels und Tel Avivs. Als Soziologe und Jurist entwickelte er Modelle jüdischer Siedlungen, die mit den Namen Kibbutz, Moshav und Mittelstandssiedlung verbunden sind. Seit heute trägt eine Straße im Zentrum Magdeburgs seinen Namen: Arthur Ruppin.
"Mit der Benennung einer Straße nach Arthur Ruppin würdigt Magdeburg einen Mann, der sich in schwieriger Zeit für ein friedliches Nebeneinander von Juden und Arabern engagiert hat", begründet Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper die Namenwahl. Zur feierlichen Einweihung der neuen Straße zwischen Domplatz und Breitem Weg, nördlich der jüngst eröffneten Nord/LB begrüßte Magdeburgs Stadtoberhaupt Nachfahren des in Isarel sehr populären Soziologen, u.a. den Sohn Rafael Ruppin und die Tochter Aja Dinstein sowie Nichten und Neffen, Enkel und Urenkel. Rafael Ruppin und Aja Dinstein waren die Ersten, die sich am Mittag in das neu eingerichtete Gästebuch der Landeshauptstadt Magdeburg eintrugen.
"Die Arthur-Ruppin-Straße erinnert ab heute an jüdisches Leben in Magdeburg", so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. Nach 1990 hat die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts die Beziehungen zu Israel neu geknüpft und regelmäßig ehemalige Magdeburger in die Stadt ihrer Kindheit und Jugend eingeladen. Mit Namensgebungen – die BbS VIII trägt den Namen des jüdischen Arztes Otto Schlein, in Ottersleben wurde eine Straße nach der jüdischen Schriftstellerin Nomi Rubel benannt, im Jahr des 3000sten Geburtstages von Jerusalem wurde eine Brücke nach dieser Stadt benannt – würdigt Magdeburg seine ehemaligen jüdischen Mitbürger und schlägt Brücken nach Israel und Jerusalem. In Rothensee erinnert das Mahnmal "Magda" an jüdische Zwangsarbeiter, die in Magdeburg zu Tode gequält wurden. Inzwischen gibt es vielfältige Begegnungen mit jüdischer Kultur und Geschichte – zum Beispiel durch Ausstellungen, Theaterstücke, Konzerte, Vorträge. "Bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte können und wollen wir die dunklen Kapitel nicht ausklammern", begründet Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper die Spurensuche nach jüdischem Leben in Magdeburg einst und heute. "Der Blick in die Geschichte kann helfen, die Gegenwart zu verstehen – gerade in Bezug auf die angespannte Situation im Nahen Osten."
Hintergrund:
Geboren wurde Arthur Ruppin am 01.03.1876 in Rawitsch/Posen. Als Zehnjähriger kam er nach Magdeburg, wo seine Eltern einen Kleinwarenhandel betrieben und er 1896 das Abitur ablegte. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaften kehrte er als Rechtsreferendar bei der Staatsanwaltschaft und später am Landgericht nach Magdeburg zurück. Von 1904 bis 1907 leitete er in Berlin das neu gegründete Büro für jüdische Statistik und Demographie und gab auch dessen Zeitschrift heraus. 1908 wanderte er nach Palästina aus, wo er sich für den Aufbau von Tel Aviv engagierte. Ruppin gilt heute in Israel als Gründer der ersten rein jüdischen Stadt im damaligen Palästina. Ab 1926 war Ruppin Professor an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Durch seine wissenschaftlichen Arbeiten, mit denen er antisemitische Vorurteile demographisch sowie empirisch-soziologisch widerlegte, gilt er als Begründer einer "Soziologie der Juden" – so auch der Titel seines wissenschaftlichen Hauptwerkes. In seinen 1945 veröffentlichten "Erinnerungen" würdigt er auch die Stadt seiner Kindheit und Jugend, wo er zugleich erste berufliche Erfahrungen sammelte. Arthur Ruppin starb 1943 in Jerusalem.
Die Benennung einer Straße nach Arthur Ruppin folgt einem Vorschlag der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Magdeburg, die im Jahr 2000 einen entsprechenden Antrag stellte. Der Stadtrat stimmte im Mai 2002 mehrheitlich der Benennung der durch den Neubau der Nord/LB neu entstandenen Straße zwischen Domplatz und Breitem Weg als "Arthur-Ruppin-Straße" zu.
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