Presseinformationen der Landeshauptstadt Magdeburg
 
[Alle Meldungen]
[Medienarchiv]
[E-Mail-Abo]
[Suche]

[Druckansicht]

Magdeburg, 28. November 2002
Faire Assistenz, Barrierefreiheit und wirkliche Gleichstellung gefordert
Magdeburgs Behindertenbeauftragter zum Welttag der Behinderten am 3. Dezember

Magdeburg. Zum bevorstehenden Welttag der Behinderten am 3. Dezember erklärt der Behindertenbeauftragte der Landeshauptstadt Magdeburg, Hans-Peter Pischner:

Seit einem guten Jahrzehnt hat die Gleichstellung und Integration von Menschen mit Behinderungen erhebliche Fortschritte gemacht, nicht zuletzt dank des hartnäckigen Wirkens vieler engagierter Betroffener und ihrer Verbände und Gruppen. Ausgehend von ähnlichen Entwicklungen etwa in den Vereinigten Staaten und vielen EU-Mitgliedsländern gelangte 1994 der Grundsatz "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" in Artikel 3 des Grundgesetzes. Mit dem Sozialgesetzbuch IX. Buch wurden die individuelle Rehabilitation und Teilhabemöglichkeiten behinderter Menschen im Jahre 2001 neu gefasst und seit 1. Mai 2002 ist ein Bundesgleichstellungsgesetz für Menschen mit Behinderungen in Kraft, das trotz einiger Halbherzigkeiten und fehlender verbindlicher Fristen die Lebenschancen der über 8 Millionen Behinderten in der Bundesrepublik verbessern soll. Sachsen-Anhalt beschloss außerdem bereits im November 2001 als zweites unter den sechzehn Bundesländern ein Landesgleichstellungsgesetz.

So weit, so gut. Letztlich entscheidend für die Teilnahme am Leben sind für die Betroffenen die konkreten Lebensumstände vor Ort, in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld, also in den Städten und Gemeinden.

Die Landeshauptstadt Magdeburg braucht sich hier vor ihren über 20.000 schwerbehinderten BürgerInnen wohl nicht zu verstecken, gelang es doch, in den vergangenen 10 Jahren vielerlei Barrieren in den unterschiedlichsten Lebensbereichen abzubauen oder zumindest zu mindern. So konnten Verbesserungen im öffentlichen Personenverkehr erreicht werden, wenn auch mancher Rollstuhlfahrer mit zu geringen Bordhöhen neuer MVB-Haltestellen nur schwer zurecht kommt.

Verschiedene städtische Gebäude, auch einige Schulen, Berufsschulen und integrative Kindertagesstätten sind inzwischen barrierefrei umgebaut worden. Dieser Tage konnte so die Kita "Kinderland" in der Lumumbastraße von ihren behinderten und nicht behinderten Kindern wieder in Besitz genommen werden.

Das Angebot an für Behinderte geeigneten Wohnungen hat sich zwischenzeitlich ebenfalls verbessert, nicht zuletzt dank der Bemühungen der Wobau, einiger Wohnungsgenossenschaften und weiterer Anbieter, die Wohnungen barrierefrei zugänglich gemacht haben.

Selbst auf dem für behinderte Menschen besonders schwer zugänglichen Arbeitsmarkt sind leichte Verbesserungen für die Betroffenen zu verzeichnen, wenn auch die bundesweit angestrebte Senkung der Zahl behinderter Arbeitsloser um 50.000 nicht erfüllt werden konnte. Im Oktober 2002 waren in Magdeburg 869 Behinderte arbeitslos gemeldet, gegenüber 1010 im gleichen Vorjahresmonat. Im Oktober 1999 zählte man sogar 1127 arbeitslose Behinderte. Zurückgeführt wird die Verbesserung auf spezielle Förderprogramme und die Tätigkeit des Integrationsfachdienstes.

Nicht glücklich sind jedoch die Mitglieder der kommunalen Arbeitsgruppe Behinderte mit ungünstigen Detailgestaltungen und Einschränkungen, die häufig nur schwer rückgängig gemacht werden können, wenn sie erst gebaut sind. Vielfach werden dann Kostengründe angeführt, wenn an der Barrierefreiheit für Behinderte gespart und etwa auf eine Rollstuhl-Rampe verzichtet werden soll.

Auch die gern geübte Praxis, mit hohem Aufwand Innenstadtbereiche mit historisch wirkendem holprigem Groß- oder Kopfsteinpflaster neu zu gestalten, erschwert behinderten Menschen das Leben, so sind Teile des Bahnhofsvorplatzes, der Ratswaageplatz, die Nordseite des Rathauses oder die ehemaligen Kasernengelände in Ostelbien (Ministerien, Finanzämter, Elbauenpark, Hochschule) für RollstuhlfahrerInnen, Geh- und Sehbehinderte wegen des Pflasters nur schwer passierbar. Bei der geplanten Neugestaltung von Domplatz und Klosterumfeld steht ähnliches zu befürchten.

Sorgen bereitet vielen behinderten Menschen derzeit jedoch vor allem die Sparpolitik der öffentlichen Haushalte, die sich für ihre Lebenssituation und die nötige Infrastruktur an Hilfs- und Beratungsangeboten sowie Begegnungsmöglichkeiten verheerend auswirken wird, wenn zuerst und gerade in diesem Bereich gespart wird. Einrichtungen und Vereine der Behindertenselbsthilfe sehen hier in eine ungewisse Zukunft und fürchten wohl nicht zu Unrecht um die Früchte von mehr als 10 Jahren Arbeit.

2003: Europäisches Jahr der Menschen mit Behinderungen Nationale Eröffnung in Magdeburg

Auf Beschluss des Rates der EU wird das Jahr 2003 als Europäisches Jahr der Menschen mit Behinderungen begangen - eine gute Möglichkeit, auf die Situation der Betroffenen und bestehende Barrieren und Defizite hinzuweisen. Im Magdeburger Hotel "Maritim" wird am 21. und 22. Februar 2003 die nationale Eröffnungsveranstaltung für Deutschland stattfinden. Die Nationale Koordinierungsstelle erwartet dazu mehrere Hundert in der Behindertenbewegung engagierte Betroffene und hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Öffentlichkeit.

Im Mittelpunkt dieses Kongresses unter dem Motto "Nichts über uns ohne uns" sollen faire Regelungen für die erforderliche Assistenz, Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen und die Fortführung der Politik für Gleichstellung und selbstbestimmtes Leben stehen. "Als Behindertenbeauftragter wünsche ich mir für diesen Höhepunkt die Teilnahme möglichst vieler MitstreiterInnen aus Magdeburg und Sachsen-Anhalt," so Pischner.

Weitere Informationen: Behindertenbeauftragter Hans-Peter Pischner, Tel. 0391/5402342 E-Mail: handicap@magdeburg.de

[Zurück]


Stadt Magdeburg
Frau Dr. Cornelia Poenicke
Büro des Oberbürgermeisters
Teamleiter Öffentlichkeitsarbeit und Bürgeranliegen, Pressesprecherin
Alter Markt 6
39104 Magdeburg
Telefon: (03 91) 5 40 27 69
FAX: (03 91) 5 40 21 27
E-Mail: presse@magdeburg.de
URL: www.magdeburg.de

Die Pressestelle "Landeshauptstadt Magdeburg" ist Mitglied bei presse-service.de [http://213.179.128.119/]. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren. presse-service.de