Aktualisierter Pflegestrukturplan reagiert auf Bevölkerungsentwicklung
Magdeburg setzt auf Stärkung der ambulanten Betreuung
Magdeburg wird älter. Im Jahr 2010 – so die Prognosen – ist fast jeder vierte Elbestädter älter als 65. "Darauf muss sich Kommunalpolitik einstellen", so die Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit, Beate Bröcker. "Deshalb haben wir unseren Pflegestrukturplan aktualisiert." Ambulante Betreuung vor stationärer Pflege heißt künftig die Strategie der Stadt.
Bisher entscheiden sich die meisten pflegebedürftigen Menschen bzw. deren Angehörige für die Aufnahme in ein Pflegeheim, auch wenn eine ambulante Versorgung möglich wäre. "Die Ursachen hierfür sind vielfältig", weiß die zuständige Beigeordnete. "Natürlich haben die Betroffenen bzw. ihre Angehörigen das letzte Wort. Aber oft wissen sie gar nicht, welche Alternativen es zum Leben im Heim gibt."
Weil die meisten Menschen ihr Leben so lange wie möglich selbst bestimmt in den eigenen vier Wänden verbringen möchten, will die Stadt ambulante Angebote zur Pflege und Betreuung älterer Menschen ausbauen. "Auch wenn nicht alle Aspekte durch die Stadt oder die Akteure vor Ort beeinflussbar sind, wollen wir die Rahmenbedingungen umgestalten und die Information verbessern", nennt Beate Bröcker eine Aufgabe der kommenden Jahre. Weitere Impulse versprechen sich die Akteure von einer Studie zur "Wohnsituation von Seniorinnen und Senioren in Sachsen-Anhalt", die das Ministerium für Gesundheit und Soziales in Auftrag gegeben hat. Dabei sollen auch die Wünsche und Bedürfnisse der älteren Bürger erfragt werden. "Die Ergebnisse der Studie werden in die künftige Fortschreibung unseres Pflegestrukturplanes einfließen", so die Beigeordnete.
Die Zahl der Pflegebedürftigen wird in den kommenden Jahren steigen. 5.600 werden es 2005 sein, rund 300 mehr als heute. Bis 2010 kommen schätzungsweise noch einmal 200 Pflegebedürftige hinzu. Derzeit leben rund 2.210 Senioren in den 24 Magdeburger Altenpflegeheimen, das sind rund 40 % der Pflegebedürftigen. "Die Zahl teurer Heimplätze entsprechend zu vergrößern, kann nicht die Lösung des Problems sein", so die Beigeordnete. "Vielmehr wollen wir Alternativen ausbauen, die den älteren Menschen ein Leben in der eigenen Wohnung ermöglicht."
Der Pflegestrukturplan – ein Strategiepapier zur ambulanten und stationären Betreuung pflegebedürftiger Menschen – liefert dafür einen ganzen Katalog von Maßnahmen, die auf einer Pflegekonferenz gemeinsam mit allen an der Pflege Beteiligten beschlossen wurden. Für deren Umsetzung hat der Stadtrat am vergangenen Donnerstag bereits grünes Licht erteilt.
Stärkung der ambulanten Pflege
Um den Grundsatz "Ambulante Betreuung vor stationärer Pflege" umzusetzen, will die Stadt eine Reihe von Maßnahmen einleiten. Dazu gehören u.a.:
Die Schaffung eines Pflege-Informationssystems
Betroffene und Angehörige erhalten so leicht zugängliche, übersichtliche und aktuelle Informationen über die unterschiedlichen Möglichkeiten ambulanter und stationärer Pflege, rechtliche Aspekte und finanzielle Fragen sowie eine Übersicht aller Anbieter mit ihren Leistungen, Spezialisierungen und ihrer Erreichbarkeit.
Aufbau von Besuchsdiensten
Um der Vereinsaung entgegenzuwirken, sollen zusammen mit den Alten- und Service-Zentren, den Offenen Treffs sowie den Kirchgemeinden ehrenamtliche Besuchsdienste für Personen, die nur eingeschränkt mobil sind, aufgebaut werden.
Förderung neuer Wohnmodelle
Eine weitere Möglichkeit die Vereinsamung und Isolation älterer Menschen zu verhindern, ist die Förderung neuer Wohnmodelle für Seniorinnen und Senioren. Ein Beispiel hierfür sind "Wohngemeinschaften" mit individuellen Wohnbereichen und Gemeinschaftsbereichen. Gleichzeitig fühlen sich die älteren Menschen in einer solchen Gemeinschaft sicherer.
Verbesserung der Wohnbedingungen im Alter
Es gibt bereits eine Fülle von Hilfsmitteln, die das Wohnen im Alter oder bei Behinderungen erleichtern. Das Defizit liegt auch hier eher in der mangelnden Bekanntheit. Deshalb sollen Beratungsangebote zu Möglichkeiten der Wohnraumanpassung, Mobilitätshilfen und Hilfsangebote ausgebaut werden. Dazu gehört auch die Beratung, welche Kosten die Kranken- oder Pflegekassen übernehmen.
Erweiterung des teilstationären Angebots
Das Angebot an teilstationären Pflegeeinrichtungen soll in Magdeburg erweitert werden. Insbesondere für dementiell erkrankte alte Menschen (Alzheimer-Kranke) sind solche Pflegeangebote, z.B. in Tagesgruppen, wichtig, damit sie weiterhin in den eigenen vier Wänden wohnen können und gleichzeitig die erforderliche fachliche Betreuung erhalten.
Spezialisierung der Altenpflegeheime
Der zunehmende Anteil demenzerkrankter Bewohner in den Altenpflegeheimen erfordert eine stärkere Spezialisierung der Heime in diesem Bereich. Dazu gehört sowohl ein größeres Angebot von Tagesbetreuung in den Heimen als auch gezielte Fortbildung des Pflege- und Betreuungspersonals.
Erweiterung von Kurzzeitpflegeplätzen
Zur Umsetzung des Prinzips "ambulante Betreuung vor stationärer Pflege" gehört auch ein größeres Angebot an Kurzzeitpflegeplätzen. Damit können z.B. pflegende Angehörige zeitweise entlastet oder die dauerhafte Heimeinweisung nach einem Krankenhausaufenthalt vermieden werden. Die Kurzzeitpflege soll dabei verstärkt zur Rehabilitation genutzt werden.
"Die Angebote in der stationären Pflege zu erweitern, stellt derzeit keinen Schwerpunkt in der weiteren Entwicklung der Pflege-Infrastruktur Magdeburgs dar," fasst die Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit Beate Bröcker zusammen. "Die vorhandenen Kapazitäten in den stationären Einrichtungen sind sehr gut ausgelastet. Der künftige Bedarf an vollstationären Plätzen hängt in hohem Maße davon ab, inwieweit es uns gelingt, ambulante Betreuungsangebote auszubauen und deren Nachfrage zu stärken." Um dieses gestufte Hilfesystem umzusetzen, ist eine Zusammenarbeit aller an der Pflege Beteiligten besonders wichtig.
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