Verwaltungsgebäude am Breiten Weg wird komplett saniert
Bürgerservice zieht auf Zeit in die alte Commerzbank
Magdeburg.
Seit knapp einem Jahr wird im Bürgerservice (ehemals Einwohnermeldeabteilung) im Breiten Weg 222 gebaut – bei laufendem Dienstbetrieb. Beim Einbau eines neuen Treppenhauses hat sich herausgestellt, dass die Fassade rückverankert werden muss, weil ihre Statik sonst beeinträchtigt ist. Für die notwendigen Bauarbeiten wird das Gebäude geräumt, die Mitarbeiter ziehen vorübergehend in die ehemalige Commerzbank in der Julius-Bremer-Straße.
"Dass die statischen Beeinträchtigungen an der Fassade erst nach Beginn der Bauarbeiten festgestellt wurden, ist überaus ärgerlich", so Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. "Wäre uns das ganze Ausmaß der Schäden vor Beginn der Planungen für den Umbau bekannt gewesen, hätten wir andere Optionen nutzen können."
Nach Abwägung verschiedener Varianten haben Oberbürgermeister und Beigeordnete am Dienstag in ihrer Dienstberatung entschieden, dem Stadtrat die komplette Sanierung des Gebäudes vorzuschlagen. "An der sofortigen Fassadensanierung führt kein Weg vorbei", begründet das Stadtoberhaupt diese Entscheidung. "Dafür müssen wir das Gebäude leer ziehen, denn die Bauarbeiten sind weder für Besucher noch Mitarbeiter zumutbar. Wenn das Haus einmal geräumt ist, sollten auch alle anderen Sanierungsarbeiten erledigt werden. Sie wären in wenigen Jahren ohnehin fällig gewesen."
Die jetzt vorgeschlagene Komplettsanierung kostet 2,16 Mio. Euro. Die ursprünglich geplante Minimalvariante sah neben der Trennung der Medien in dem von Stadtverwaltung und Polizei gemeinsam genutzten Gebäude den Einbau eines neuen Treppenhauses und neuer Sanitäranlagen sowie die Neugestaltung des Eingangsbereiches vor. Dies sollte bei laufendem Dienstbetrieb erfolgen und 1,0737 Mio. Euro kosten. Die Sanierung von Dach, Fenstern und Fassade sowie des Gebäudeinneren sollte in ca. 4 bis 5 Jahren erfolgen.
"Da wir das Haus jetzt leer ziehen müssen, holen wir diese Sanierungsarbeiten vor – alles andere wäre unwirtschaftlich", so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. 614.000 Euro kosten die Erneuerung von Dach und Fenstern sowie die Sanierung der Fassade (Rückverankerung plus Wärmedämmung). Weitere 326.300 Euro sollen für die Innensanierung des Gebäudes bereit gestellt werden.
Da die Rückverankerung der Fassade sofort erfolgen muss, wird das Haus im Breiten Weg 222 vorübergehend geräumt. Voraussichtlich ab März wird der Bürgerservice des Ordnungsamtes sein Domizil in der Julius-Bremer-Straße in den Räumen der ehemaligen Commerzbank haben. Die Ausländerbehörde zieht vorübergehend in den Katzensprung 2. Ca. zehn Monate werden die Bauarbeiten dauern – vorausgesetzt der Stadtrat gibt grünes Licht für eine Komplettsanierung.
Hintergrund:
Der Gebäudekomplex Breiter Weg 222/Haeckelstraße wird durch Polizei und Stadtverwaltung gemeinsam genutzt. Nach der Vermögenszuordnung der einzelnen Gebäudeteile war zunächst vorgesehen, die funktionale Trennung der Häuser bezüglich der Medienversorgung und des Brandschutzes vorzunehmen. Dazu gehörte die Schaffung eines 2. Fluchtweges durch ein innen liegendes Treppenhaus. Das wiederum hatte den teilweisen Umbau der Sanitäranlagen zur Folge. Außerdem sollte der Eingangsbereich der Einwohnermeldeabteilung behindertengerecht umgestaltet und die Büros an das stadteigene Datennetz angeschlossen werden. Für die entsprechenden Baumaßnahmen mit einem Kostenrahmen von 2,1 Mio. DM (1,0737 Mio. Euro) hatte der Stadtrat am 5. Oktober 2000 grünes Licht gegeben.
Die Bauarbeiten sollten ab Februar 2002 bei laufendem Dienstbetrieb realisiert werden. Alle anderen für eine Komplettsanierung erforderlichen Baumaßnahmen wie Dach-, Fenster-, und Fassadensanierung mit Wärmedämmung waren zu einem späteren Zeitpunkt geplant. Dazu zählte auch die Beseitigung der Risse zwischen der Außenwand und den Innenwänden, weil die Standsicherheit der Fassade zunächst als nicht gefährdet angesehen wurde.
Erst als für den Einbau des Treppenhauses Teile der Decke demontiert werden mussten, stellte sich heraus, dass die Risse in der Fassade auf eine nicht ausreichende Verankerung der Fassadenelemente mit den Geschossdecken zurückzuführen sind. Daraufhin revidierten der Statiker und Prüfstatiker ihre Auffassung bezüglich der Standsicherheit und forderten die Rückverankerung der Bauteile. Eine vollständige Rückverankerung der Fassade mit den Decken im gesamten Gebäude ist unumgänglich, um die Standsicherheit der Fassade langfristig zu sichern. Allerdings ist eine solche Baumaßnahme in einem genutzten Gebäude nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand und enormen Belastungen für die Nutzer durchführbar. Die Verwaltung schlägt deshalb vor, das Gebäude während der Bauarbeiten frei zu ziehen.
Weil durch den Leerzug des Gebäudes die einmalige Gelegenheit für eine Vollsanierung besteht, werden auch weitere Sanierungsmaßnahmen wie Dach- und Fenstererneuerung sowie der Wärmeschutz der Fassade vorgeschlagen. Insgesamt ergeben sich durch die Fassadenverankerung und –sanierung sowie die Erneuerung von Dach und Fenstern Kosten in Höhe von 614 Tsd. €.
Durch die einmal gegebene Baufreiheit soll das Gebäude auch im Innern modernisiert werden. Für Maler- und Fußbodenarbeiten sowie Installationen sind nochmals 326 Tsd. Euro notwendig. Mit Gebühren für Architekten- und Ingenieurleistungen erhöht sich der Kostenrahmen insgesamt um 1,086 Mio Euro, so dass für die Komplettsanierung des Gebäudes 2,16 Mio. Euro erforderlich sind. Die Baumaßnahmen werden nach Freizug des Hauses ca. 10 Monate andauern.
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