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Magdeburg, 26. Februar 2003
AmoK und Schocks
Neues aus der Kammer

Magdeburg. Neben der geplanten Deutschsprachigen Erstaufführung von Naomi Wallace Stück "The Retreating World" am 5. März haben die Freien Kammerspiele weitere hochbrisante Inszenierungen zur aktuell-politischen Lage im Programm. Marc Beckers Stück "AmoK" steht am Freitag, 28.2., und Sonnabend, 1.3., jeweils 19.30 Uhr, wieder auf dem Spielplan. Im Anschluss an die Vorstellung am Sonnabend laden die Freien Kammerspiele ins "nachtcafé crossfire" zur szenischen Lesung des Stücks "Schocks" von Sam Shepard. "Schocks" erzählt von Kriegsveteranen des Golfkrieges 1991.

"AmoK" bezieht sich auf die Geschichte des hoch begabten amerikanischen Mathematikers Theodore Kaczynski – bekannt unter dem Namen Unabomber –, der auf seine Universitätskarriere verzichtete und statt dessen als einsamer Kämpfer gegen den Fortschritt in die Wälder ging und fortan mittels Briefbomben Amerika in Angst und Schrecken versetzte. Aus einer extremen Perspektive hinterfragt das Stück in der Inszenierung von Lukas Langhoff die Werte der modernen Zivilisation. "Schocks" von Sam Shepard ist in einem Provinzlokal in Kentucky angesiedelt, kurz nach dem Golfkrieg 1991. Bei Banana Split und Hot Fudge rekonstruieren der Kriegskrüppel Stubbs und sein Begleiter, der Colonel, eine Schlacht der Operation "Desert Storm". Darin wurde der Sohn des Colonels von einer Granate zerfetzt und Stubbs von dem gleichen Geschoß schwer verletzt. Traumatisch lastet dieses Ereignis auf der Beziehung zwischen den beiden Männern; sie liefern sich ein groteskes Psychoduell. Eine weitere Steigerung erfahren die Aggressionen im Raum durch die Anwesenheit eines gutsituierten Paares, das schon seit Stunden vergebens auf seine Muschelsuppe wartet und in Clinch mit der Kellnerin gerät. Das Stück ist eine bös-traurige Untergangsfarce über den "American Dream". Angst, Verzweiflung und Haß sind die Wunden, die der Krieg im Leben der Figuren geschlagen hat. Sam Shepard erregte als Rockmusiker, Regisseur, Drehbuchschreiber (u.a. "Paris, Texas", 1984) und Filmschauspieler (Titelrolle in V.Schlöndorffs "Homo-Faber"-Verfilmung) Aufsehen. Außerdem gehört er mit über 40 Theaterstücken zu den wichtigsten amerikanischen Dramatikern der Gegenwart. Mit Meike Finck, Annett Sawallisch, Jon-Kaare Koppe, Viktor Tremmel u. Wolfgang Vogler. Mit Liedern von Johnny Cash u.a. An der Gitarre improvisiert und begleitet Markus Krutzfeld.

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