AmoK und Schocks
Neues aus der Kammer
Magdeburg.
Neben der geplanten Deutschsprachigen Erstaufführung von Naomi Wallace
Stück "The Retreating World" am 5. März haben die Freien Kammerspiele
weitere hochbrisante Inszenierungen zur aktuell-politischen Lage im
Programm. Marc Beckers Stück "AmoK" steht am Freitag, 28.2., und
Sonnabend, 1.3., jeweils 19.30 Uhr, wieder auf dem Spielplan. Im
Anschluss an die Vorstellung am Sonnabend laden die Freien Kammerspiele
ins "nachtcafé crossfire" zur szenischen Lesung des Stücks "Schocks" von
Sam Shepard. "Schocks" erzählt von Kriegsveteranen des Golfkrieges 1991.
"AmoK" bezieht sich auf die Geschichte des hoch begabten amerikanischen
Mathematikers Theodore Kaczynski – bekannt unter dem Namen Unabomber –,
der auf seine Universitätskarriere verzichtete und statt dessen als
einsamer Kämpfer gegen den Fortschritt in die Wälder ging und fortan
mittels Briefbomben Amerika in Angst und Schrecken versetzte. Aus einer
extremen Perspektive hinterfragt das Stück in der Inszenierung von Lukas
Langhoff die Werte der modernen Zivilisation.
"Schocks" von Sam Shepard ist in einem Provinzlokal in Kentucky
angesiedelt, kurz nach dem Golfkrieg 1991. Bei Banana Split und Hot
Fudge rekonstruieren der Kriegskrüppel Stubbs und sein Begleiter, der
Colonel, eine Schlacht der Operation "Desert Storm". Darin wurde der
Sohn des Colonels von einer Granate zerfetzt und Stubbs von dem gleichen
Geschoß schwer verletzt. Traumatisch lastet dieses Ereignis auf der
Beziehung zwischen den beiden Männern; sie liefern sich ein groteskes
Psychoduell. Eine weitere Steigerung erfahren die Aggressionen im Raum
durch die Anwesenheit eines gutsituierten Paares, das schon seit Stunden
vergebens auf seine Muschelsuppe wartet und in Clinch mit der Kellnerin
gerät. Das Stück ist eine bös-traurige Untergangsfarce über den
"American Dream". Angst, Verzweiflung und Haß sind die Wunden, die der
Krieg im Leben der Figuren geschlagen hat. Sam Shepard erregte als
Rockmusiker, Regisseur, Drehbuchschreiber (u.a. "Paris, Texas", 1984)
und Filmschauspieler (Titelrolle in V.Schlöndorffs
"Homo-Faber"-Verfilmung) Aufsehen. Außerdem gehört er mit über 40
Theaterstücken zu den wichtigsten amerikanischen Dramatikern der
Gegenwart. Mit Meike Finck, Annett Sawallisch, Jon-Kaare Koppe, Viktor
Tremmel u. Wolfgang Vogler. Mit Liedern von Johnny Cash u.a. An der
Gitarre improvisiert und begleitet Markus Krutzfeld.
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