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Magdeburg, 03. März 2003
Die zurückweichende Welt
Zusätzliche Premiere in den Freien Kammerspielen

Magdeburg. Josip Culjak spielt den Iraker Ali in Naomi Wallace Stück "Die zurückweichende Welt", das die Freien Kammerspiele als Deutsche Erstaufführung anlässlich der drohenden Kriegsgefahr zusätzlich ins Programm genommen haben. Die Premiere läuft am kommenden Mittwoch, 5. März, 22 Uhr, im Foyer. Der Eintritt ist kostenlos. In dem sehr berührenden, poetischen Einpersonenstück der mehrfach preisgekrönten amerikanischen Dramatikerin und Dichterin, dass sich auf die Zeit um den sogenannten 2. Golfkrieges 1991 bezieht, erzählt der junge Iraker Ali von seiner Familie, seinen Tauben, seinem Freund, von Krieg und Embargo, von einer Zivilisation im Rückzug. Er verliert seine Familie und seinen besten Freund und versucht verzweifelt, die Erinnerung an sie lebendig zu halten. Aber er muss nach und nach alles verkaufen, was ihn an sie erinnert: die wertvolle Uhr, den Silberlöffel, die Shakespeareausgabe... und erst zum Schluss auch die Tauben, die ihm alles bedeuten. Am Ende bleiben ihm nur die Namen und ihre Geschichten. Seit der Premiere von Naomi Wallace` "Birdy" (Deutschsprachige Erstaufführung, Regie: Christoph Roos) im September 2002 stehen die Freien Kammerspiele in E-mail-Kontakt mit der amerikanischen Autorin. Die 1960 geborene Dichterin und Dramatikerin gehört zu den Unterzeichnern der Friedensdeklaration "Not In Our Name" ("Nicht in unserem Namen"), mit der sich amerikanische Künstler und Intellektuelle, darunter Susan Sarandon, Tony Kushner, Robert Altman, Oliver Stone, Laurie Anderson, Gore Vidal u. v. a., gegen einen Angriffskrieg gegen den Irak wenden. In den 1990er Jahren koproduzierte Naomi Wallace unter dem Titel "Playwrights Against the Embargo" einen Autorenabend gegen das Irak-Embargo der UNO. Zu den Teilnehmern zählten u. a. ihr Freund Tony Kushner und Eve Ensler ("Die Vagina-Monologe"). Auch nach den Terroranschlägen vom September 2001 hat sich Naomi Wallace in die Debatte eingemischt und Stellung gegen die Losung "America at War" bezogen: "Man kann Patriot und Pazifist zugleich sein. Ich glaube, man ehrt die Toten von New York, indem man der Welt Frieden bringt, nicht Krieg." Am 31. Januar 2003 übersandte Naomi Wallace der Chefdramaturgin der Freien Kammerspiele, Ute Scharfenberg, das Stück "The Retreating World" ("Die zurückweichende Welt") und offerierte den Freien Kammerspielen die Deutschsprachige Erstaufführung. Die Uraufführung des Einpersonenstücks findet im März am Latchmere Theatre London statt. Die Freien Kammerspiele haben "Die zurückweichende Welt"in der Übersetzung von Ute Scharfenberg anläßlich der aktuellen politischen Situation kurzfristig ins Programm aufgenommen und zeigen das Stück im Anschluß an die regulären Abendvorstellungen nach einer kurzen Pause im Foyer. Termine: 5., 6., 13., 14. und 20. März 2003. jeweils um 22.00 Uhr. Der Eintritt zu dieser Vorstellung ist kostenlos. Regie führt Katharina Holler. Katharina Holler ist Regieassistentin an den Freien Kammerspielen. Sie arbeitete mit an der Inszenierung "Birdy" von Naomi Wallace, die in der Regie von Christoph Roos an den Freien Kammerspielen erstaufgeführt wurde. "Die zurückweichende Welt" ist ihre erste Regiearbeit in Magdeburg.

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