Innovationen sollen die Region voranbringen!
Stadt und Landkreise managen seit einem Jahr die Region Magdeburg
Magdeburg.
Zwischen einer Stadt und den sie umgebenden Landkreisen gibt es neben gemeinsamen Interessen erfahrungsgemäß auch viel Konkurrenz. Dass Kooperation erfolgreich funktionieren kann, beweist die Region Magdeburg: Seit einem Jahr gibt es hier einen Regionalmanager. Inzwischen sind aus der Gemeinsamkeit Investitionen und neue Arbeitsplätze entstanden.
Die Idee, gemeinsame Interessen auch gemeinsam zu verfolgen, ist nicht neu. Bereits Mitte der 90er Jahre gab es Versuche, zwischen Magdeburg und seinen Umlandkreisen Verflechtungen zu entwickeln, um Synergie-Effekte zum gegenseitigen Vorteil zu erzielen. "Manchmal ist dies gelungen – zum Beispiel bei der Organisation des Öffentlichen Personennahverkehrs oder jetzt beim Neubau des Müllheizkraftwerkes in Rothensee", so Magdeburgs Beigeordneter für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit Dr. Klaus Puchta. "Die Tücke liegt allerdings im Detail: Nur wenn alle Beteiligten einen Vorteil davon haben, kann Kooperation wirklich funktionieren."
Um Innovationen für die Unternehmen der Region nutzbar zu machen, schlossen sich Magdeburg und die Landkreise Schönebeck, Jerichower Land, Bördekreis und Ohrekreis vor einem Jahr zusammen. Mit dem Regionalmanagement wurde im Februar 2002 die Technologietransfer und Innovationsförderung Magdeburg GmbH (tti Magdeburg GmbH) betraut. Bei der Vergabe spielten seinerzeit die bestehenden Arbeitskontakte der tti zu Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie Kammern und Verbänden eine entscheidende Rolle.
Das Regionalmanagement zielt auf die Unterstützung der Unternehmen vor Ort, um durch Innovation Wachstum und mehr Beschäftigung zu erreichen. Dazu erfolgt u.a. eine Zusammenarbeit mit den regionalen Wirtschaftsförderern, der IHK Magdeburg, den Gründerzentren, dem Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt und dem Allgemeinen Arbeitgeberverband der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt e.V.
Das Regionalmanagement unterstützt Technologietransferprojekte und Forschungs- und Entwicklungsvorhaben von Unternehmen, begleitet kleine und mittlere Unternehmen bei Investitionsvorhaben, initiiert technologieorientierte Infrastrukturprojekte zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Existenzgründer und Unternehmen und bahnt nationalen und internationalen Kooperationen den Weg.
Die Bilanz des ersten Jahres ist beeindruckend:
- Investitionen im Wert von 109,3 Mio. € sind angeschoben
- Mittel für Forschung und Entwicklung in Höhe von 26,9 Mio. € wurden in den beteiligten Unternehmen gebunden und dadurch
- 295 neue Arbeitsplätze geschaffen und ca.
- 400 Arbeitsplätze gesichert
"Mit diesen Zahlen liegen wir sogar über dem, was wir uns vorgenommen hatten", freut sich Dr. Günter Ihlow, Regionalmanager und Geschäftsführer der tti. "Durch das Projekt, das noch bis Ende Januar 2005 läuft, wollten wir
- Investitionen im Umfang von 90 Mio. Euro realisieren
- 76 Mio. Euro für Forschung- und Entwicklung einsetzen
- 240 neue Arbeitsplätze schaffen und
- zusätzlich 300 Arbeitsplätze sichern."
"Gerade weil die wirtschaftliche Situation in Sachsen-Anhalt schwierig ist, lohnt es sich, Kräfte zu bündeln", erklärt Dr. Sigrun Trognitz, Vorsitzende des Beirates des Regionalmanagements und Geschäftsführerin des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt. "Wir können es uns nicht leisten, das Fahrrad zweimal zu erfinden. Unter dem Motto ‚Innovation für die Region‘ arbeiten Forschungseinrichtungen und Unternehmen enger zusammen und jeder weiß, an welchem Projekt die anderen Partner gerade arbeiten."
Als Schwerpunkte der Projektarbeit haben die Regionalpartner folgende Themenkomplexe vertraglich vereinbart:
1. Erschließung neuer bzw. Erweiterung bestehender Geschäftsfelder durch Bildung von thematischen Netzwerken und Wertschöpfungsketten
2. Entwicklung innovativer Erzeugnisse, Technologien und Verfahren
3. Entwicklung von Pilotvorhaben zur Förderung technologiebezogener Existenzgründungen oder Produktentwicklungen
4. Unterstützung von kleinen und mittelständischen Unternehmen bei der Stärkung ihrer Forschungs- und Entwicklungsbasis
Begleitet wird die Kooperation von einem Beirat mit renommierten Vertretern aus Kammern, Verbänden, Wirtschaft und Wissenschaft, die die Arbeit des Regionalmanagements unterstützen, Ergebnisse kontrollieren und die operative und strategische Ausrichtung der Arbeiten beeinflussen. Dem Vorstand des Beirates gehören an:
Dr. Sigrun Trognitz Beiratsvorsitzende und Geschäftsführerin des Allgemeinen Arbeitsgeberverbandes der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt e.V.
Eckhard Groß Geschäftsführer des Zweckverbandes Regionale Planungsgemeinschaft Magdeburg
Dr. Udo Häfke Geschäftsführer der IGZ Magdeburg GmbH
Dr. Gerd Schramm Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes
Sachsen-Anhalt
Beispiele für innovative Projekte in der Region Magdeburg
Das Regionalmanagement ist mit jeweils einem Mitarbeiter in einem Landkreis bzw. der Landeshauptstadt Magdeburg tätig und im ständigen Dialog mit den Unternehmen. Darüber hinaus kommen Impulse aus der IHK Magdeburg und den wirtschaftsfördernden Einrichtungen. Unterstützt wird das Projekt von der Hochschule Magdeburg-Stendal, die Vorschläge für eine gemeinsame Außendarstellung der Region erarbeitet hat.
Inzwischen gibt es in der Region eine Reihe von Einzelprojekten, die durch die Zusammenarbeit der Landkreise entstanden sind oder vom gemeinsamen Regionalmanagement profitieren, z.B.:
Bördekreis
Der Schwerpunkt im Bördekreis liegt in der Unterstützung einzelner Unternehmen. So wurde z.B. für die MAGWEN GmbH Osterweddingen Produktion neuartiger intelligenter Stellantriebe für die Armaturenindustrie vorbereitet.
Jerichower Land
Ein Schwerpunkt ist hier die Entwicklung eines Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsnetzwerkes zum Bau einer Anlage für die thermische Entsorgung von Explosivstoffen. Unterstützt wird der europäische Marktführer für Elektronenstrahltechnologie Pro beam GmbH, der sich in der Region ansiedeln will. Die Ansiedlung des Hochtechnologie-Unternehmens ist wesentlich auf die Aktivitäten der Burger Maschinenbau-Unternehmen zurückzuführen.
Landeshauptstadt Magdeburg
Ein zentrales Projekt in Magdeburg ist das Produktentwicklungs- und Innovationszentrum (PIZ) IF(Integrierte Fertigung) Rota, welches auf dem Gelände der Werkzeugmaschinen AG entsteht. Das Regionalmanagement wirkte bei der Konzepterarbeitung sowie der Koordinierung der Forschungsaktivitäten zur Entwicklung neuer Maschinenkonzepte mit. Im Rahmen der Ausgestaltung der Projektidee für das PIZ IF Rota wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wirtschaft und Arbeit und der IGZ Magdeburg GmbH gleichzeitig ein Denkmodell für ähnliche Projekte entwickelt, welches Basis für weitere innovative Projekte der Region ist, z.B. Faserverbundwerkstoffe, Mikrosystemtechnik, Zentrum für innovative Verpackungstechnik. Der Kerngedanke des PIZ besteht darin, dass durch die Bündelung verschiedener Maßnahmen, wie z.B. Bau-Investitionen, Forschung und Entwicklung sowie Personalentwicklungsmaßnahmen innovative Projekte eine angemessene Förderung erhalten. Bereits vorhandene betriebliche Einzelressourcen werden ergänzt durch kooperative Ressourcen, um komplexe, national und international beachtete Kompetenz zu erzielen.
Ohrekreis
Aufbauend auf den Erfahrungen des Unternehmens Polystal GmbH Haldensleben besteht die Möglichkeit, neue Produkte zu entwickeln. So können z.B. neue Befestigungssysteme in Verbindung mit Polymerfaserverbundwerkstoffen (Verbundwerkstoffe auf Glasfaser- und Kunstharzbasis) Edelstähle im Landmaschinenbau, Armierungen im Bauwesen, Befestigungssysteme von Tragwerken ersetzen. Zur Lösung der Entwicklungsaufgaben wurde ein überregionales Netzwerk aller renommierten Forschungseinrichtungen Deutschlands sowie einer Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen mit Sitz in Sachsen-Anhalt aufgebaut. Das Netzwerk konnte einen erfolgreichen Wettbewerbsbeitrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit im Rahmen des Bundesprojektes NEMO (Netzwerkmanagement – Ost) gestalten.
Weiteres Ziel ist die Entwicklung eines Produktentwicklungs- und Innovationszentrums "Faserverbundwerkstoffe" einschließlich der gezielten Entwicklung von Geschäftsideen und der Initiierung von Existenzgründungen.
Schönebeck
Aufgrund des großen Engagements des Geschäftsführenden Gesellschafters einer Unternehmensgruppe auf dem Gebiet des Präzisionserodierens (einem Verfahren zur Präzisionsbearbeitung von metallischen Werkstoffen) besteht die Möglichkeit der Entwicklung eines Anlagenbauers vom Nutzer zum Produzenten von Erodiermaschinen. Durch das Regionalmanagement wurde das Unternehmenskonzept begleitet, Forschung und Entwicklung unterstützt sowie Finanzierungsinstitute vermittelt.
Hauptaufgaben für das Jahr 2003
"Im zweiten Projektjahr wollen wir die begonnenen Vorhaben fortsetzen und ausbauen", nennt Regionalmanager Ihlow den Arbeitsschwerpunkt für 2003. "Darüber hinaus soll das Regionalmarketing verstärkt werden, z.B. durch Präsentationen im Internet."
Insgesamt ist das Projekt "Innovation für die Region" auf drei Jahre ausgelegt, das heißt, es läuft bis zum 31. Januar 2005. "Da die Einzelvorhaben nachhaltig angelegt sind, wird die Region auf lange Sicht von den Innovationen profitieren", ist der Regionalmanager optimistisch. "Und wenn das Projekt weiter so erfolgreich vorankommt, werden sich die Partner möglicherweise entschließen, auch über den 31. Januar 2005 hinaus zusammen zu arbeiten."
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