Österreicherin Gertraud Knoll wurde mit dem Preis der Lutherstädte "Das unerschrockene Wort" geehrt
Preisträgerin trug sich auch in das Goldene Buch der Landeshauptstadt ein
Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper hat heute der Österreicherin Gertraud Knoll den Preis der Lutherstädte "Das unerschrockene Wort" überreicht. Mit dem Preis würdigen die Städte das couragierte Engagement der 44-jährigen Theologin gegen Fremdenhass, Rassismus und Antisemitismus. Nach der Verleihung trug sich die Preisträgerin in das Goldene Buch der Landeshauptstadt Magdeburg ein.
"Gertraud Knoll hat sich als Pfarrerin in der Gemeinde, als erste Frau im Amt eines Superintendenten, als Bewerberin auf das Amt des Bundespräsidenten in Österreich, auf Kundgebungen und anderen öffentlichen Veranstaltungen vehement gegen Antisemitismus, Fremdenhass und Rassismus ausgesprochen", würdigte Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper am Nachmittag auf einer Festveranstaltung in der Johanniskirche die Preisträgerin. "Im Amtsgebäude der Superintendentur gewährte sie 1995 erstmals in Österreich Kirchenasyl für Flüchtlingskinder."
Mit dem Preis der Lutherstädte "Das unerschrockene Wort" wird an den Reformator Martin Luther erinnert, der seine Überzeugung mutig und standhaft gegenüber den Autoritäten seiner Zeit verteidigt hat. Der seit 1996 ausgelobte Preis wurde erstmals in Magdeburg verliehen. Ort der diesjährigen Preisverleihung war die Johanniskirche, in der Martin Luther am 26. Juni 1524 vor einer dicht gedrängten Christengemeinde über die wahre und falsche Gerechtigkeit predigte. Unmittelbar im Anschluss an die Preisverleihung trug sich die Österreicherin in das Goldene Buch der Landeshauptstadt Magdeburg ein.
Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird von den 14 Lutherstädten Coburg, Eisenach, Eisleben, Erfurt, Halle, Heidelberg, Magdeburg, Marburg, Schmalkalden, Speyer, Torgau, Wittenberg, Worms und Zeitz gestiftet. Die nächste Preisverleihung findet im Jahr 2005 in Halle/Saale statt.
Hintergrundinformationen zum Preis "Das unerschrockene Wort"
Die Einzelheiten der Verleihung des Preises "Das unerschrockene Wort" regelt ein Preisstatut. Darin heißt es: "Der Preis soll verliehen werden an Männer und Frauen, die in einer besonderen Situation oder bei einem konkreten Anlass, aber auch beispielhaft über einen größeren Zeitraum hinweg, in Wort und Tat für die Gesellschaft, die Gemeinde, den Staat bedeutsame Aussagen gemacht und gegenüber Widerständen vertreten haben. Dabei soll es weniger um eine Zustandsbeschreibung gehen als um wegweisende, zukunftsgerichtete Überlegungen."
Bei der alle zwei Jahre stattfindenden Wahl des Preisträgers sollen parteipolitische und konfessionelle Gesichtspunkte keine Rolle spielen. Auch allgemeine Unzufriedenheit, eigennützige Motive oder Demagogie erfüllen nicht das Motiv des "unerschrockenen Wortes". Die Preisträger können sowohl aus der Bundesrepublik Deutschland als auch aus dem Ausland kommen.
Der Jury gehören die Oberbürgermeister und Bürgermeister der 14 Lutherstädte sowie sechs durch sie für die Preisvergabe berufene Vertreter des öffentlichen Lebens an. Jede Stadt sowie die berufenen Vertreter können der Jury maximal einen Vorschlag unterbreiten. Aus den eingereichten Vorschlägen wählt die Jury den Preisträger aus. Diese Entscheidung bedarf einer Zweidrittelmehrheit. Vorsitzender der Jury ist der Oberbürgermeister, in dessen Stadt die Preisverleihung stattfindet.
Mit dem Preis "Das unerschrockene Wort" wurde im Lutherjahr 1996 der Berliner Philosoph Prof. Dr. Richard Schröder ausgezeichnet. Damit ehrte die Jury sein öffentliches und unerschrockenes Auftreten für seine politischen und demokratischen Überzeugungen.
1999 erhielt der katholische Theologe Prof. Hans Küng aus Tübingen den Preis. Küng habe in seinem Leben seine Meinung unerschrocken vertreten und dabei auch persönliche Nachteile in Kauf genommen, hieß es von der Jury zur Begründung. Im Juli 1998 hatte Küng eine offene Diskussion über die Unfehlbarkeit des Papstes gefordert.
Für ihre Zivilcourage im Kampf gegen Rechtsextremismus wurde im Jahr 2001 die Polizeipräsidentin von Eberswalde, Uta Leichsenring, mit dem Preis ausgezeichnet. Damit honorierte die Jury ihren Einsatz, die Öffentlichkeit gegen Rechtsextremismus zu mobilisieren.
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