Seine Lebensgeschichte dokumentiert Stadtgeschichte!
Opfer des 17. Juni 1953 trug sich ins Goldene Buch ein
Magdeburg.
Horts Linowski - einer der nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 Verfolgten und Inhaftierten - trug sich heute in Goldene Buch der Landeshauptstadt Magdeburg ein. "Ihre Geschichte gehört in ein solches Buch der Stadt unbedingt hinein, denn sie dokumentiert Stadtgeschichte", begründete Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper die hohe Ehrung für den Magdeburger.
Horst Linowski war am 17. Juni in Magdeburg einer der Demonstranten - einer von Tausenden. Vor allem aber gehörte er zu denen, die Opfer der Verfolgungen, Verhaftungen und Verurteilungen wurden - einer von Vielen. Sein Schicksal bleibt dennoch ein Einzelschicksal.
Horst Linowski, nahm als 20-jähriger an den Demonstrationen teil, erlebte wie sowjetische Panzer in die Stadt fuhren und den Willen und Mut der Arbeiter brachen. Längst in die heimische Wohnung nach Stadtfeld zurückgekehrt, war der Aufstand auch für ihn zu Ende. Mehr Neugier trieb den jungen Mann gegen 19.30 Uhr mit dem Fahrrad noch mal auf die Straße. Sowjetische Soldaten, Panzer, Geschütze und Maschinengewehre postierten sich an der Encke-Kaserne. Flugblätter mit der Verkündung des Ausnahmezustandes wurden verteilt. Jugendlicher Übermut, Protest, Empörung, Ohnmacht ließen ihn dieses Flugblatt öffentlich zerreißen. Die impulsive Handlung, eine unbedachte Tat, führte zu einem langen Leidensweg.
Nach der sofortigen Verhaftung wurde Horst Linowski unter unmenschlichen Bedingungen sieben Tage und Nächte lang verhört und dann zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Als Häftling X - einer der sogenannten Verbrecher und Provokateure des Tages X am 17. Juni - erlitt er strenge Isolierungshaft in Bautzen und schwere gesundheitliche Schäden. 1960 endete die Haft, aber nicht der Leidensweg, denn er durfte weder über diese Ereignisse sprechen, noch wurde ihm Hilfe zuteil, um all das zu verarbeiten.
Erst 1996 erfolgte die Rehabilitierung. "Für uns heute ist dies unvorstellbar, unfassbar für jeden Demokraten, unbegreiflich in einem Rechtssystem wie dem Unsrigen - vor allem für die Nachgeborenen, für die junge Generation", kommentierte Magdeburgs Oberbürgermeister die Ereignisse in seiner Rückblende. "Deshalb ist es nicht hoch genug einzuschätzen, dass Sie selbst die Erinnerungen forcierten und heute über Ihren Leidensweg berichten, denn ohne Erinnerung haben wir keine Zukunft."
Horst Linowski ist heute Kreisvorsitzender des Bundes der Stalinistisch Verfolgten, der einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte leistet. Er setzt sich in dieser Funktion vor allem für die Aufarbeitung der Geschehnisse am 17. Juni 1953 in Magdeburg ein.
Weitere Informationen:
www.17juni.de
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