Bocholt, 17. Oktober 2003
St. Georg lädt zum Kirchweihfest ein
Historische Infos zur Entstehung der Kirmes, dem Bocholter Kreuz und dem Kirmesempfang
Bocholt (pd).
Am dritten Sonntag im Oktober feiert die Bocholter Urpfarre St. Georg traditionell ihr Kirchweihfest, seit alters her verbunden mit der Bocholter Kirmes. Am kommende Sonntag, dem 19. Oktober 2003, beginnt um 9.30 Uhr das feierliche Festhochamt in der St.-Georg-Kirche.
Im Gottesdienst singt der Kirchenchor St. Georg mit Vokalsolisten unter der Leitung von Kreisdekanatskantor Werner Hespe Ausschnitte aus dem Oratorium "Die Schöpfung" von Josef Haydn. Vor der Gabenbereitung bringen Repräsentant(inn)en von Stadt und Kirche das Kerzenopfer vor dem Bocholter Wallfahrtskreuz dar: für die Kirchengemeinde St. Georg die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Angelica Rems, und der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Heinz Steldermann, und für die Bürgerschaft der Bürgermeister Klaus Ehling. Im Anschluss an die Messfeier sind alle eingeladen zum Kirmesempfang im Pfarrheim St. Georg neben der Kirche. Dr. Michael Reuter, Mitarbeiter der Abteilung Kunstpflege im Bischöflichen Generalvikariat Münster, spricht über die Goldschmiedearbeiten Israhel van Meckenems, der am 10.11. in diesem Jahr seinen 500. Todestag haben wird. Danach folgen einige kurze Grußworte des Bürgermeisters Klaus Ehling und von Pfarrer Axel Gehrmann, Presbyteriumsvorsitzender der evangelischen Kirchengemeinde (Christuskirche). Ihre Teilnahme am Gottesdienst und Kirmesempfang haben auch die Bundestagsabgeordnete Elke Wülfing und der Landtagsabgeordnete Heinrich Kruse zugesagt. Zum Festhochamt und zum anschließenden Kirmesempfang ist die ganze Bevölkerung herzlich eingeladen, wie Pfarrer Hans-Rudolf Gehrmann mitteilt. Zur Entstehung der Bocholter Kirmes: 1415 hatte man mit dem Bau der gotischen St.-Georg-Kirche begonnen. Ein alter Stein über der Sakristeitür gegenüber dem Tabernakel im Altarraum belegt dies Datum noch heute. Im Jahre 1486 wurde der Turm fertiggestellt und die St.-Georg-Kirche feierlich eingeweiht. Nach dem Einweihungsgottesdienst war wahrscheinlich um die Kirche herum für die zu Fuß von weit her Angereisten ein Volksfest. Da gab es Stände und Buden zum Essen und Trinken und zur Kinderbelustigung. Mit der Zeit kamen immer mehr Händler, Seiltänzer, Feuerschlucker und Zauberer zum jährlichen Kirchweihfest in die Stadt. Um 1885 stand das erste Karussell in Bocholt. Es wurde mit Petroleumlampen beleuchtet und von einem Pferd gezogen. Um 1900 wurden die meisten Fahrgeschäfte mit einer Dampfmaschine angetrieben. Das Wort "Kirmes" kommt vom Wort "Kirchweihfest". Aber wohl die wenigsten in Bocholt wissen, dass "Kirmes" mit dem Kirchweihfest von St. Georg zusammenhängt! Zur Geschichte des Bocholter Kreuzes: Das Bocholter Kreuz in der Georgskirche stammt aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts. Dies erbrachten Untersuchungen im Landesdenkmalamt Münster in den 60er Jahren im Zusammenhang mit der Restaurierung des Kreuzes. Eine eckige Tafel unter dem Kreuz sagt aus, dass 1315 das Kreuz wundersam geblutet hat. Das Kreuz hat die Form eines großen Ypsilons. Das Y ist ein Abkürzungszeichen der Germanen für das Wort "Leben" gewesen. Die tote Jesusfigur hängt also an einem Lebensbaum, dem Symbol der Auferstehung. An den Kreuzesbalken sieht man deshalb Astansätze. Wegen der Form nennt man dies Kreuz auch ein GABELKREUZ. Im 15.-17. Jh. kam es zu Kreuztrachten der Bocholter Bürger und des Umlandes. Im 18.Jh. kamen auch Pilgergruppen aus dem Gelderland. Seit alters her ziehen Gläubige aus den Bocholter Ortschaften Biemenhorst, Hemden, Hohenhorst, Holtwick, Liedern, Lowick, Mussum, Spork und Stenern jährlich zum Bocholter Kreuz in St. Georg. Seit 1997, dem Jubiläumsjahr "775 Jahre Stadt Bocholt", zieht man gemeinsam am Sonntag nach dem Fest "Kreuzerhöhung" (14.September) in einer Sternwallfahrt zur Altstadtkirche zum Kerzenopfer. Abschluss der jährlichen Wallfahrten ist jeweils das Kerzenopfer der Stadt Bocholt und mit ihr der Kirchengemeinde St. Georg am Kirchweihfest von St. Georg, dem dritten Oktobersonntag. Der Kirmesempfang: Seit 1986 findet regelmäßig nach dem Festhochamt zum Kirchweihfest der Kirmesempfang im damals neuerstellten Pfarrheim St. Georg statt. Die Anfänge dieses Empfangs gehen auf Egon Schmitt zurück, der 1963-1979 Pfarrer in St. Georg und 1965-1971 auch Dechant für das Dekanat Bocholt war. Der Bocholter Kirchenkalender 1968 vermerkt auf S. 43: "Die Kreuzprozessionen und Kerzenopfer aus den umliegenden Orten endeten am Kirchweihfest 1966 mit einer Teilnahme der Behörden von Stadt und Land am Gottesdienst und einem Empfang im schönen Pfarrheim von Liebfrauen." Weitere Kirmesempfänge fanden z.B. im Kolpinghaus, im Hospiz am Ostermarkt und in der Familienbildungsstätte statt. Zum Festhochamt und anschließendem Kirmesempfang werden zuvor schriftlich eingeladen die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden der Stadt Bocholt und ihre Seelsorger/ innen, Vertreter/ innen aller Gremien und Gruppen aus St. Georg, die Stadtverordneten, die Ordenschristen unserer Stadt und weitere Vertreter/ innen aus Kirche, Politik, Gesellschaft und öffentlichem Leben. Aber auch die ganze Bevölkerung ist herzlich willkommen. Im Zentrum des Kirmesempfangs steht eine Festrede zu aktuellen kirchlichen Themen, z.B. zum Diözesanforum oder zur Krankenseelsorge und Sterbebegleitung. Grußworte sprechen auch der Bürgermeister, ein Pastor der evangelischen Kirchengemeinde Bocholts, der jeweilige Dechant oder der Pfarrer von St. Georg. St. Georg im Internet: www.st-georg-bocholt.de