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Mit Spaß-Pädagogik ist nicht zu spaßen...

Borken - 07. November 2003. (geg). "Antriebslos, ausbildungslos, arbeitslos", so lauten die Folgen unserer heutigen "Spaßgesellschaft". Davon ist Dr. Albert Wunsch, Buchautor, Sozialpädagoge, Erziehungswissenschaftler und Supervisor überzeugt. Seinen Ausführungen zu diesem Thema folgten Mittwochabend 400 Gäste im Vennehof.

Die Auftaktveranstaltung der Initiative "young" wurde von Bürgermeister Rolf Lührmann eröffnet. "Verantwortung zeigen, Werte vermitteln und Vorbilder schaffen für die heranwachsende Generation" das haben sich die Verantwortlichen auf die Fahne geschrieben (BZ berichtete). Mit dem Referenten Dr. Albert Wunsch haben die Veranstalter einen Autoren gewinnen können, der den Besuchern - so zeigten die Reaktionen - überwiegend aus der Seele sprach. Es war seine dritte Veranstaltung und diese letzte wird Vorbildcharakter für andere Städte haben, wie er versicherte.

Denn "dieses gute Beispiel der Initiative "young" sollte Schule machen, viel zu oft legen Städte die Verantwortung in die Hände des Landes oder des Bundes", so Wunsch. Landauf, landab wird der Erziehungsnotstand beklagt, verdeutlicht auch durch die Pisa-Studie. Zwischen Selbstüberlassung und Unterforderung wachsen immer mehr Kinder und Jugendliche zu "Ego-Taktikern" heran, so die These des Erziehungswissenschaftlers. Dr. Albert Wunsch zeigt in seinem Buch "Abschied von der Spaß-Pädagogik" wie der notwendige Kurswechsel in der Erziehung gelingen kann. Dieses Buch bot die Grundlage des lebhaften Vortrages im Vennehof.

"Antriebslos, ausbildungslos, arbeitslos", die Spaßgesellschaft stehe vor dem Infarkt, führte Wunsch aus. Unfähigkeit, Orientierungs- und Lustlosigkeit markieren die Situation. Galt vor gut 20 Jahren noch das oft benutzte Sprichwort "Ohne Fleiß keinen Preis", so passe heute für die junge Generation eher "Arbeit und Schweiß um keinen Preis". "Eine Neuorientierung in der Erziehung ist daher dringend erforderlich", mahnte Wunsch. "Aus Kindern, die zu viel dürfen, werden Jugendliche die zu wenig können", ist er überzeugt. Er plädiert für eine Rückbesinnung auf Werte und Pflichten. Ein Fernseher im Kinderzimmer sei Körperverletzung. Eltern müssten mehr Zeit für ihre Kinder haben.

"Zeit steht für Liebe", sagt der Autor. Kinder dürften besonders in den ersten Lebensjahren nicht in eine ganztägige Kinderbetreuung abgeschoben werden. Elterliche Erziehung müsse finanziell gefördert werden und "hier sind die Politiker gefordert", so Wunsch. Würde man den Eltern nur einen Teil des Betrages zur Verfügung stellen, den die Tageseinrichtungen für die Betreuung erhalten, würde sich so manche Familie diesen Schritt sicherlich überlegen. "Nicht die Ganztagsbetreuung, sondern die elterliche Erziehung ist zu fördern", forderte der Sozialpädagoge. Eine Gesellschaft habe nur Zukunft, wenn nicht Konten, sondern Persönlichkeiten wachsen. Wer von Anfang an auf Stabilität setze, stehe Erschütterungen gelassener gegenüber. Das gelte für Bauwerke genauso wie für Menschen. "Gut und schön", hieß es aus zum Abschluss aus dem Publikum "und jetzt brauchen wir noch ein Buch, wie wir eine solche Erziehung in der Öffentlichkeit rechtfertigen". Zu diesen Bedenken bediente sich der Autor eines afrikanischen Sprichwortes "Um ein Kind zu erziehen, brauchst Du ein ganzes Dorf" und er empfahl, in Familienkreis, Elterngruppe oder Freundeskreis Erziehungsgrundsätze zu diskutieren und sich und den Kindern so ein eigenes kleines Dorf zu schaffen.

Borkener Zeitung - 07. 11. 2003

Pressekontakt: Stadt Borken, Pressesprecher Bernd Kemper, Tel. 02861 / 939 - 303, bernd.kemper@borken.de


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