Pressemeldung der Stadt Bocholt

Bocholt, 27. November 2003

Post aus München: Hoffnungsschimmer für Siemens Service- und Reparaturabteilung?

Bocholt (pd).

Bürgermeister Klaus Ehling erhielt Post aus München: Siemens-Vorstand Dr. Heinrich von Pierer reagierte auf das Schreiben, das der Bocholter Bürgermeister parteiübergreifend zusammen Landes- und Bundestagsabgeordneten aufgesetzt hatte, nachdem bekannt geworden war, dass das Bocholter Siemens-Werk über 400 Stellen im Bereich Fertigung und Service/Reparatur abbauen will. Ein Hoffnungsschimmer besteht eventuell für die Service- und Reparaturabteilung, die derzeit im Industriepark Mussum angesiedelt ist und gemäß den neuen Plänen nach Ungarn verlagert werden soll.

Von Pierer schreibt, dass sich die Marktbedingungen im Verlauf des letzten Geschäftsjahres deutlich verschlechtert hätten. Trotz steigender Produktionszahlen betrage der Umsatzrrückgang bei den schnurlosen Telefonen rund 100 Millionen Euro. Dies könne nur durch gravierende Kostensenkungen ausgeglichen werden.

Während es bei der Absenkung der Fertigungskapazitäten nachfragebedingt keine Alternative gebe, so von Pierer weiter, sei der Transfer der Service-Reparatur kosten- und wettbewerbsbedingt. Ergäben sich bei den Umgebungsbedingungen neue Aspekte, die eine dauerhafte Absenkung der Kosten auf das Referenzniveau zuließen, wäre er bereit, den geplanten Transfer nach Ungarn zügig überprüfen zu lassen, schreibt der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG.

Derzeit prüft ein privater Gutachter im Auftrag des Betriebsrates die Wirtschaftlichkeit der bedrohten Bereiche.

Bürgermeister Ehling betonte in der Ratssitzung vom 26. November, dass es sich bei den jüngsten Entwicklungen auf dem lokalen Arbeitsmarkt nicht um ein Standortproblem in Bocholt handele, sondern vielmehr die "Schwierigkeiten des Wirtschaftsstandortes Deutschland auch nicht an Bocholt vorbeigehen." Der gleiche Trend sei im Münsterland und bundesweit zu beobachten.

Losgelöst vom jüngsten Siemens-Fall seien im Vergleich zu Spitzenzeiten in Bocholt in den vergangenen Jahren rund 3.000 Arbeitsplätze im sozialversicherungspflichtigen Bereich verloren gegangen.