Magdeburger Musikschule wird 50
Jubiläum wird mit zwei Festwochen gefeiert
Die Magdeburger Musikschule wird am kommenden Sonntag 50 Jahre alt. Das Jubiläum wird das Konservatorium mit zwei Festwochen vom 17. März bis zum 1. April 2004 feiern. Vorgesehen sind unter anderem eine Festveranstaltung, Konzerte und ein Kammermusikabend.
Die Musikschule wurde am 4. Januar 1954 als Volksmusikschule Magdeburg gegründet. Mit vier hauptberuflichen und 19 nebenberuflichen Lehrkräften sowie 95 Schülern und 10 verschiedenen Instrumentalangeboten begann der Unterrichtsbetrieb am Hasselbachplatz 2. Bereits acht Monate später wurde die Zahl der hauptamtlichen Lehrkräfte auf acht verdoppelt.
Im Januar 1957 wurde die Volksmusikschule dem damaligen Rat der Stadt unterstellt und in den öffentlichen Haushalt als feste Größe aufgenommen. Am 1. September 1957 übernahm die Volksmusikschule das Gebäude der Hegelstraße 2. Damit konnte die Schule für ihr Wirken erstmalig ein eigenes großes Haus nutzen.
Zwischen 1957 bis 1968 verdoppelte sich die Stellenzahl der fest angestellten Lehrkräfte von 18 auf 38, die nebenberuflichen Stellen erhöhten sich von 12 auf 17. Die Zahl der unterrichteten Schüler stieg auf 911. Das Spektrum des Unterrichtsangebotes wurde kontinuierlich vielfältiger: Inzwischen gehörten 13 Orchester- und Volksinstrumente sowie das Fach Gesang zum Unterrichtsangebot. Zur Profilerweiterung kamen 1968 die Gründung des Jugendsinfonieorchesters sowie ein Jahr später eine Komponistenklasse hinzu.
Im Rahmen der 3. Magdeburger Telemann-Festtage zum 200. Todestages des Magdeburger Komponisten am 25. Juni 1967 wurde die Unterrichtsstätte in Georg-Philipp-Telemann-Musikschule umbenannt. Damit rückte auch die praktische Pflege des umfangreichen Lebenswerkes von Telemann mehr und mehr in den Mittelpunkt der Konzerte von Musikschülern und Lehrkräften. Die Kontinuität der musikpädagogischen Arbeit an der Georg-Philipp-Telemann-Musikschule spiegelte sich in den kommenden Jahren auch durch Diplome und erste Preise von Musikschülern und Lehrkräften bei verschiedenen Wettbewerben wider.
Am 1. September 1970, als die Musikschule bereits ein dichtes Netzwerk mit Außenstellen in der Magdeburger Region hatte, wurde die Unterrichtsstätte zur Leitmusikschule für den ganzen Bezirk Magdeburg. Gleichzeitig erhielt die Schule Fachberater zur Unterrichtsoptimierung. Mit der Erwachsenenqualifizierung zur Ausbildung von nebenberuflichen Musikerziehern kam ein weiteres Aufgabengebiet hinzu.
Eine der bis heute wichtigsten Aufgaben der Telemann-Musikschule hatte zu Beginn des Jahres 1971 ihre Geburtsstunde: die Einstellung einer Lehrkraft für die Vorschulerziehung in Kindergärten. Das erste Absolventenkonzert (1972) und das 10-jährige Bestehen des Streichquartetts der Telemann-Musikschule (1973) markieren Aktivitäten, die bis heute in variierter Form praktiziert werden.
Auf Beschluß des damaligen Rates des Bezirkes wurde die Georg-Philipp-Telemann-Musikschule am 1. September 1976 zur Bezirksmusikschule umgewandelt. Dies war unter anderem mit der Weisung verbunden, die anderen Musikschulen des Bezirkes direkt zu leiten und spezielle Ausbildungsformen zu übernehmen, die nicht von allen Musikschulen realisiert werden können.
Am 24. August 1977 erhielt die Unterrichtsstätte eine Anweisung, die den Anteil der einzelnen Instrumentalfächer innerhalb des gesamten Unterrichtsvolumens neu regelte: Die Streich- und Blasinstrumente (ohne Blockflöte) sowie das Schlagzeug wurden mit insgesamt mindestens 50 Prozent, Gesang mit etwa acht Prozent und Klavier mit nicht mehr als 25 Prozent festgelegt. Außerdem wurde in der Magdeburger Bezirksmusikschule der Sitz der Zentralen Fachkommission Tanzmusik eingerichtet. Die bisherige Außenstelle Schönebeck wurde nach einer Zusammenlegung der Unterrichtsorte Schönebeck, Staßfurt und Biere zu einer eigenständigen Einrichtung.
Mit der Eröffnung der Magdeburger Außenstelle der Leipziger Hochschule für Musik "Felix Mendelssohn-Bartholdy" mit den Fächern Gesang und Gitarre (Fachrichtung Musikpädagogik) im Jahr 1978 entwickelte sich zwischen den beiden Einrichtungen eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit, die bis heute anhält.
Aufgrund einer entsprechenden Anordnung wurde im September 1981 in Magdeburg und in den Außenstellen Gardelegen, Burg und Zerbst ein Musikkabinett eingerichtet. 1982 erhielt die Bezirksmusikschule zusätzliche Räume in der Otto-von-Guericke-Straße 54a und konnte somit den Mangel an Unterrichtsräumen vorübergehend etwas abmildern. Zehn Jahre später wurden diese Räume wegen einer Eigentumsrückübertragung und zu hoher Mietkosten wieder aufgegeben.
Mit dem 1985 aus dem Arbeitskreis "Georg Philipp Telemann" hervorgegangenen Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung wurde eine intensive Zusammenarbeit aufgebaut. Ein Beweis dafür ist die traditionelle Mitgestaltung des Konzertprogramms der Telemann-Festtage durch Ensembles der Musikschule. Bei der regelmäßigen Teilnahme an überregionalen Leistungsvergleichen errangen Schüler und Ensembles der Bezirksmusikschule immer wieder Preise und Medaillen. Eine Vereinbarung mit dem Ministerium für Volksbildung 1988 regelte eine längst zur Praxis mit konkretem Unterrichtskonzept gewordene "Normalität": die Zusammenarbeit der Musikschulen mit Vorschuleinrichtungen und Kindergärten.
Nach der politischen Wende 1989 und der Deutschen Einheit 1990 verdoppelten sich die Schülerzahlen, was den kulturellen und sozialen Wert der Magdeburger Unterrichtsstätte verdeutlicht. Am 1. September 1990 wurde das Kammerorchester der Musikschule - bestehend aus Lehrern und einigen begabten Schülern - ins Leben gerufen. Auch die studienvorbereitende Abteilung, in der Schüler, auf ein Hochschul-Musikstudium vorbereitet werden, nahm 1990 ihre Arbeit auf. Im selben Jahr wurde die Musikschule in den Verband deutscher Musikschulen (VdM) aufgenommen.
Der Förderverein der Georg-Philipp-Telemann-Musikschule konstituierte sich am 11. März 1991. Knapp vier Monate später, am 1. Juli 1991 erhält die Einrichtung wieder den Namen Georg-Philipp-Telemann-Musikschule.
Seit 1993 nehmen Schüler der Magdeburger Musikschule am Wettbewerb "Jugend musiziert" teil. Sie können dabei ihr musikalisches und technisches Niveau gegen bundesweite Konkurrenz unter Beweis stellen: Bereits bei der ersten Teilnahme gab es erste und zweite Preise. Das Jugendsinfonieorchester und das Kammerorchester tragen sich in den folgenden Jahren mit jährlichen Konzerten fest in den Spielplan des Braunschweiger Kammermusikpodiums ein. Neue Räumlichkeiten in der Wilhelm-Kobelt-Straße 35 ermöglichen auch dem Fachbereich Jazz/Rock/Pop der zweitgrößten Musikschule in Sachsen-Anhalt Profilierungschancen.
Mit Nachdruck wurde in den späteren 90er Jahren versucht, die prekäre räumliche Situation der Einrichtung nachhaltig zu verbessern. Am 10. September 1998 beschloss der Stadtrat mit deutlicher Mehrheit den Kauf eines Gebäudes am Breiten Weg 110 als künftigen Sitz der Georg-Philipp-Telemann-Musikschule. Gut acht Monate später, am 28. Mai 1999, wurde hier der Grundstein gelegt. Am 4. November 1999, zwölf Tage vor dem Richtfest, beschlossen die Stadträte die Umbenennung der Unterrichtsstätte in "Konservatorium Georg Philipp Telemann - Musikschule der Landeshauptstadt Magdeburg". Im neu erbauten Musikschulgebäude wurde am 1. September 2000 der Unterricht aufgenommen.
Zur Bundesversammlung und Hauptarbeitstagung des Verbandes deutscher Musikschulen am 12. und 13. Mai 2000 in Magdeburg waren Musikschuldirektoren und Persönlichkeiten aus ganz Deutschland zu Gast in der Elbestadt. Magdeburg fungierte für zwei Tage als deutsche Musikschul-Hauptstadt.
Heute unterrichten im Konservatorium rund 100 Lehrer etwa 2000 Mädchen und Jungen. Zu den Unterrichtsangeboten zählen unter anderem Instrumental- und Gesangsfächer im klassischen Bereich, die musikalische Früherziehung für Kinder ab vier Jahren, die Vorbereitung für ein musikbezogenes Studium und die Weiterbildung für Musiklehrer im schulpraktischen Bereich.
Bei Rückfragen: Dr. Helmut Keller, Direktor des Konservatoriums "Georg Philipp Telemann", Tel. 03 91/5 40 68 60
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