Landeshauptstadt Magdeburg verleiht Telemann-Preis 2004 an Prof. Nikolaus Harnoncourt
Magdeburg.
Zum 18. Mal verleiht die Landeshauptstadt Magdeburg in diesem Jahr den Georg-Philipp-Telemann-Preis. Im Rahmen der 17. Magdeburger Telemann-Festtage erfolgt die Verleihung des ältesten Preises der Stadt. Preisträger 2004 ist der Wiener Cellist, Dirigent und Orchesterleiter Prof. Nikolaus Harnoncourt. Er nimmt den Preis am Abend von Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper im Theater am Univesitätsplatz entgegen.
Prof. Harnoncourt ist einer der bedeutendsten Musiker unserer Zeit, der als Interpret Telemann für das 20. Jahrhundert wiederentdeckt und immer wieder zur Aufführung gebracht hat. Die Landeshauptstadt Magdeburg ehrt sein weltweites Wirken als Instrumentalist und Dirigent für die Verbreitung der Werke Telemanns.
Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper würdigt Prof. Harnoncourt. "Das Konzert des Preisträgers in Magdeburg eröffnet uns die unvergleichliche Harmonie zwischen den Klangwelten des <musikalischen Malers> Telemann und der Meisterschaft von Professor Harnoncourt, diesen auf sensible Weise nachzuspüren und sie mit originalgetreuen Instrumenten erlebbar zu machen."
Die Laudatio für den Preisträger spricht der Musiker und Dirigent Reinhard Goebel, Telemann-Preisträger 2002 und Gründer des Ensembles Musica Antiqua Köln.
Unter der Leitung Harnoncourts musizieren heute Abend im Theater Magdeburg sein 1953 gegründetes Ensemble für Alte Musik, der Concentus musicus Wien sowie der Arnold-Schoenberg-Chor aus Wien. Es erklingt das Spätwerk Telemanns "Der Tag des Gerichts". Die erste Einspielung des Oratoriums "Der Tag des Gerichts" für einen Tonträger - noch dazu unter Verwendung von Originalinstrumenten - nahm 1966 Nikolaus Harnoncourt vor, der damit nicht nur auf eine herausragende Komposition aufmerksam machte, sondern einen grundlegenden Beitrag zur Aufführungspraxis der Werke Telemanns lieferte.
Dass dieses Werk nun unter der Stabführung eines der inspiriertesten Dirigenten unserer Zeit in der Geburtsstadt des Komponisten erklingt, ist sicher nicht nur für das Musikleben Magdeburgs von besonderer Bedeutung.
Gäste der Preisverleihung sind unter anderem Ingrid Köhn, Botschaftsrätin der Republik Österreich sowie der Mathias Huber, Intendant des bekannten europäischen Musikfestivals STYRIARTE und Dr. Böhmer, Dramaturg des Festivals aus Graz.
Der "Georg-Philipp-Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg"
wird jährlich für hervorragende Leistungen bei der Interpretation, Pflege und Erforschung von Leben und Werk Georg Philipp Telemanns verliehen. Preisträger können Künstler, Wissenschaftler, Musikerzieher, Ensembles und Institutionen sein. Mit dem Preis möchte die Stadt sowohl Hervorragendes würdigen als auch künstlerisch und wissenschaftlich Neues stimulieren.
Die Stadt verleiht den Preis - seit 1987 - jedes Jahr im März etwa an Telemanns Geburtstag (14. März).
Die bisherigen Träger des Georg-Philipp-Telemann-Preises der Landeshauptstadt Magdeburg sind
1987: Prof. em. Dr. sc. Walther Siegmund-Schultze, Halle (Musikwissenschaftler)
1988: Prof. Ludwig Güttler, Dresden (Interpret)
1989: Prof. Dr. Willi Maertens, Magdeburg (Musikerzieher, Musikwissenschaftler, Interpret)
1990: Prof. Burkhard Glaetzner, Leipzig (Interpret)
1991: Prof. Dr. Günter Fleischhauer, Halle (Musikwissenschaftler)
1992: Prof. em. Dr. Erich Valentin, Bad Aibling (Musikwissenschaftler)
1993: Dr. Werner Menke, Müllheim-Baden (Musikwissenschaftler)
1994: Prof. Peter Schreier, Dresden (Sänger, Dirigent)
1995: Prof. Dr. Martin Ruhnke, Erlangen (Musikwissenschaftler)
1996: die Cappella Coloniensis, Köln (Orchester)
1997: Prof. Dr. Wladimir Rabey, Moskau (Musikwissenschaftler, Musikerzieher, Interpret)
1998: Hermann Max, Dormagen (Dirigent)
1999: Dr. Claus Oefner, Eisenach (Musikwissenschaftler)
2000: Prof. Michael Schneider, Köln (Musiker, Dirigent)
2001: Staatliches Schloßmuseum Pszczyna/Polen (Veranstalter von Telemann-Tagen)
2002: Reinhard Goebel, Köln (Musiker, Dirigent)
2003: Dr. Wolf Hobohm, Magdeburg (Musikwissenschaftler, Leiter des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung)
2004: Nikolaus Harnoncourt, Wien (Musiker, Dirigent)
Nikolaus Harnoncourt: Telemann-Preisträger der Landeshauptstadt Magdeburg 2004
Nikolaus Harnoncourt wurde 1929 in Berlin geboren. Er wuchs in Graz auf und studierte Cello in Wien. Von 1952 bis 1969 war Harnoncourt Cellist bei den Wiener Symphonikern. 1972 wurde er Professor für Aufführungspraxis am Salzburger Mozarteum, eine Position, die er bis 1993 innehatte. 1953 gründete Nikolaus Harnoncourt zusammen mit seiner Frau Alice Harnoncourt den Concentus musicus Wien als ein Spezialensemble für Alte Musik auf Originalinstrumenten. Seit 1957 gab er regelmäßig Konzerte mit diesem Ensemble und nahm zahlreiche Einspielungen mit Musik des 13. bis 18. Jahrhunderts für die Schallplatte auf. Zahllose Tourneen, fünf davon in die Vereinigten Staaten, haben den Concentus musicus in alle Welt geführt. Auch nach 50 Jahren (im Jahr 2003 feiert der Concentus musicus sein 50jähriges Bestehen!) verbindet Ensemble und Dirigent noch immer eine kontinuierliche
und äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit, die sich in preisgekrönten und hoch angesehenen Aufnahmen und Konzerten niederschlägt. Seit 1970 ist Nikolaus Harnoncourt als Dirigent tätig - in der Oper (in Mailand, Zürich, Amsterdam, Hamburg, Frankfurt und Wien leitete er Aufführungen mit Werken von Claudio Monteverdi bis zu Johann Strauß) wie auch im Konzertsaal. Er ist dabei mit den großen europäischen Orchestern aufgetreten, darunter die Berliner und Wiener Philharmoniker, das Royal Concertgebouw Orchester, die Wiener Symphoniker, das Londoner Philharmonia Orchestra und das Chamber Orchestra of Europe. Mit berühmten Solisten wie Martha Argerich, Gidon Kremer, Thomas Hampson, Dawn Upshaw, Cecilia Bartoli und Peter Seiffert verbindet ihn eine intensive Zusammenarbeit. Zu den Höhepunkten in seiner Laufbahn gehören die Produktionen der Opern Claudio Monteverdis und Wolfgang Amadeus Mozarts am Opernhaus Zürich in den Inszenierungen von Jean-Pierre Ponnelle und Jürgen Flimm, außerdem seine Konzerte mit Werken von Mozart, Haydn und Schubert am Pult des Royal Concertgebouw Orchestra und sein Beethoven-Zyklus mit dem Chamber Orchestra of Europe.
Seit 1970 hat sich Nikolaus Harnoncourts Aufnahmetätigkeit kontinuierlich entwickelt und um zahlreiche Opern, Oratorien und sinfonische Werke des 18. und 19. Jahrhunderts erweitert. Die Sinfonien und das geistliche Werk von Wolfgang Amadeus Mozart hat er konzertant aufgeführt und auf CD eingespielt. Zu seinen Aufnahmen gehören außerdem sämtliche Sinfonien Beethovens, Schuberts, Schumanns und Brahms’, ferner die späten Sinfonien von Joseph Haydn, das Violinkonzert von Beethoven, die Klavier- und Violinkonzerte von Schumann und das Violinkonzert und Doppelkonzert von Brahms.
Im Jahr 2001 hat Nikolaus Harnoncourt das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigiert - ein Ereignis, das von der internationalen Kritik mit stürmischer Begeisterung aufgenommen wurde. Die Live-Übertragung erreichte viele Millionen Menschen, und die Teldec-Einspielung dieses Konzertes, die bereits eine Woche später erschien, ist bis dato über 200.000 mal verkauft worden. Auch das Neujahrskonzert 2003, zu dem Nikolaus Harnoncourt von den Wiener Philharmonikern wieder eingeladen wurde, war ein voller Erfolg.
Nikolaus Harnoncourts Einspielung der Matthäuspassion von Bach (ausgezeichnet mit dem Grammy Award) erschien im Februar 2002 auf DVD-Audio. Weitere Einspielungen in 2002 sind Smetanas Má Vlast mit den Wiener Philharmonikern und drei Einspielungen mit dem Chamber Orchestra of Europe: Dvoráks Slawische Tänze op. 46 und 72, Beethovens Klavierkonzerte Nr. 1 und 2 mit Pierre-Laurent Aimard als Solist und Harnoncourts erste Bartók-Einspielung (Divertimento für Streichorchester und Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta). Weitere in Planung befindliche Veröffentlichungen sind ein Recital mit Cecilia Bartoli (Arien von Haydn und Mozart), die abschließende und letzte CD der Gesamteinspielung aller frühen Mozart-Symhonien (KV 19a, 22, 45a, 45b, 121 und 196) und eine Box mit sämtlichen frühen Mozart-CDs (10 CDs, mid price).
Für seine herausragenden Verdienste erhielt Nikolaus Harnoncourt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, darunter den »Erasmus-Preis« (1980) und die »Hans-Georg-Nägeli-Medaille« der Stadt Zürich (1982). 1983 wurde Harnoncourt zum Mitglied der Königlichen Schwedischen Akademie der Musik in Stockholm ernannt und 1987 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Edinburgh verliehen. Seine Aufnahmen der Missa solemnis und der Sinfonien von Beethoven mit dem Chamber Orchestra of Europe und dem Arnold Schoenberg Chor - von denen knapp eine Million CDs verkauft wurden - sind vielfach ausgezeichnet worden, so zum Beispiel mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik und dem Record of the Year der englischen Fachzeitschrift Gramophone. 1994 wurde Nikolaus Harnoncourt der renommierte Polar-Musikpreis verliehen. Seine Aufnahmen von Beethovens Fidelio, Schumanns Genoveva und Bruckners Sinfonie Nr. 7 gewannen 1996, 1998 und 2000 den belgischen Caecilia- Preis. Er erhielt außerdem den Diapason d'Or du siecle (Januar 2000) für Monteverdis Orfeo und den Edison Award (März 2000) für Johann Strauss in Berlin. Vor kurzem wurde ihm für seine Aufnahme der Matthäuspassion von Bach der Caecilia-Preis sowie der Grammy Award 2002 in der Kategorie »Beste Interpretation eines Vokalwerkes« verliehen. Für sein Lebenswerk erhielt Harnoncourt im Mai 2002 den Ernst-von-Siemens-Preis. Im Juni 2002 nahm er außerdem in Berlin den »Pour le mérite« entgegen.
Nikolaus Harnoncourt
Schallplatten- / CD-Einspielungen mit Werken von G. Ph. Telemann
TELEMANN
Der Tag des Gerichts
Canne-Meijer - Equiluz - van Egmond - Landwehr-Herrmann
CONCENTUS MUSICUS WIEN - WIENER SÄNGERKNABEN - MONTEVERDI CHOR
(1966; - Neuauflage: 1992)
TELEMANN
Doppelkonzerte
CONCENTUS MUSICUS WIEN
(1966; - Neuauflage: 1996)
Parcham - van Eyck - Leoillet - Dieupart -
TELEMANN
Blockflötenmusik auf Originalinstrumenten I
Brüggen - Harnoncourt - Leonhardt
(1966)
TELEMANN
Suites per flauto a becco
Brüggen - van Wingerden
CONCENTUS MUSICUS WIEN
(1967)
VIVALDI - SAMMARTINI - TELEMANN - NAUDOT
Blockflötenkonzerte
Brüggen
CONCENTUS MUSICUS WIEN
(1968; Neuauflage: 1987)
J.C.BACH - BUXTEHUDE - BERNHARD - ZIANI - TELEMANN
Opere per alto
ESSWOOD - CONCENTUS MUSICUS WIEN
Leitung: Nicolaus Harnoncourt
(1975)
TELEMANN
Ouverture di Darmstadt
CONCENTUS MUSICUS WIEN
Leitung: Nicolaus Harnoncourt
(1980; - Neuauflage: 1994)
TELEMANN
Musique de Table (1733)
CONCENTUS MUSICUS WIEN
(1989; - Neuauflage: 2000)
Georg Philipp TELEMANN - Georg Friedrich HAENDEL
Ino - Apollo e Dafne
Alexander - Hampson
CONCENTUS MUSICUS WIEN
(1990)
|