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Provozierend vernünftig
Gemen/Borken - 08. April 2004. (pet). "Kreisstadt Borken - Herzlich willkommen in der Stadt der Türme", so steht es auf den schmucken neuen Tafeln für Veranstaltungshinweise, welche die Stadtverwaltung jetzt an insgesamt sechs Punkten im Stadtgebiet hat aufstellen lassen. Unter anderem in Gemen.
Doch in der einst eigenständigen Gemeinde sorgte der nicht zu übersehende, auf Betonfundamenten ruhende Hinweis auf die Stadt Borken - ausgerechnet Borken! - sogleich für ein gewisses Grummeln. Nicht nur dass eingefleischte Gemener sich wiederum genötigt fühlen, auf den überlieferten Leitspruch "Gämen bliw Gämen" zu pochen.
Dass es sich bei der Schildaufstellung nur um einen im Rathaus ausgeheckten Schildbürgerstreich handeln kann, sehen Lokalpatrioten noch durch weitere Umstände untermauert. Zum einen sei die massive Tafel an der Coesfelder Straße so ausgerichtet, dass sie nur für die aus Richtung Borken Kommenden zu lesen sei. Wer aus einer anderen Richtung, etwa aus Ramsdorf, an dem Schild vorbeikomme, müsste einen ziemlich langen Hals machen, um einen Blick darauf zu erhaschen. Schlimmer noch: Das neumodische Werbedings wurde genau vor dem Gedenkstein des Schützenvereins eingepflanzt. Die erbosten Reaktionen reichen von "Gedankenlosigkeit" bis "Provokation pur". Die Stadt legt Wert darauf, mit der neuen Installation nur Gutes im Schilde führen zu wollen. Bernd Kemper, Pressesprecher der Stadt, versucht die hinter vorgehaltener Hand geäußerte Kritik zu entkräften: Die sechs Tafeln am Nordring, an der Raesfelder Straße, vor McDonalds, am Ortseingang Heidener Straße sowie in Gemen an der Neumühlenallee und besagter Stelle an der Coesfelder Straße gewährleisteten eine "vernünftigeres Auftreten" der Stadt insgesamt. Außerdem spare man sich den permanenten Auf- und Abbau, wie es bei den Vorgängermodellen aus Holz der Fall gewesen sei. Die Position an der Coesfelder Straße könnte man in der Tat als "nicht ganz glücklich" betrachten, so Kemper.
Könnte man. Aber dann zieht der Stadt-Pressesprecher den entscheidenden Trumpf aus der Tasche, mit dem er den Schildbürgerstreich-Vorwurf gegen die Stadtverwaltung spielend ausstechen kann. Die Positionierung der Tafel sei in vorheriger Absprache mit der Spitze der Gemener Schützen erfolgt. Der Gedenkstein wird versetzt - und wird mit einer netten Einfassung künftig bestimmt noch besser zur Geltung kommen.
8. April 2004 Quelle: Borkener Zeitung
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