International bekannter Schriftsteller Ivan Ivanji trug sich in das Gästebuch der Stadt ein
Überlebender des KZ`s "Magda" im Neuen Rathaus empfangen
Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper empfing heute im Neuen Rathaus der Landeshauptstadt Magdeburg den Journalisten, Diplomaten und Schriftsteller Ivan Ivanji, der über drei Monate im Konzentrationslager "Magda" in Magdeburg-Rothensee schwere Arbeit verrichten und großes Leid erdulden musste. Er überlebte die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald, Magda und Langenstein-Zwieberge, wo er 1945 befreit wurde.
"Ich bin sehr dankbar für den Besuch von Ivan Ivanji in Magdeburg", sagte Dr. Lutz Trümper anlässlich der Eintragung in das Gästebuch. "Nur wenn wir alle Teile der Geschichte unserer Stadt annehmen und uns damit auseinandersetzen, kann uns ein komplexes Bild zur Stadtgeschichte erhalten bleiben. Das sind wir auch den nächsten Generationen schuldig."
Ivanji wurde am 24. Januar 1929 in Zrenjanin/Banat/Nordserbien geboren. 1944/45 verschleppt in die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald, Magda und Langenstein-Zwieberge, studierte er nach dem Krieg Architektur und Germanistik in Belgrad. Er arbeitete als Techniker am Bau, als Lehrer, Journalist, Verlagslektor, Dramaturg und Theaterintendant. 1974/75 war er Botschaftsrat in Bonn und über 20 Jahre lang als Dolmetscher für Tito und die jugoslawische Staats- und Parteiführung tätig. 1975 nahm er an der KSZE-Gipfelkonferenz Helsinki und 1979 an der Gipfelkonferenz der Blockfreien in Havanna teil. Von 1982 bis 1988 war er Generalsekretär des jugoslawischen Schriftstellerverbandes, während dieser Zeit erarbeitete er u.a. literarische Übersetzungen und war als Journalist für verschiedene Medien in Deutschland und Österreich tätig. Ivanji publiziert auch in deutscher Sprache.
Seit 1992 lebt er als freier Schriftsteller in Wien, heute ist er in Wien und Belgrad Zuhause. Zu seinen bekannten Büchern gehören die Romane "Barbarossas Jude" (1996), "Das Kinderfräulein" (1998), "Der Aschenmensch von Buchenwald" (1999), "Die Tänzerin und der Krieg" (2002). "Die andere Seite der Ewigkeit", ein Erzählband aus dem Jahre 1996 versammelt "Zwanzig Geschichten vom Tod". In seinem Buch "Schattenspringen" verarbeitet Ivanji auch seine Magdeburger Erlebnisse.
Ivanji war nicht nur vom 17. Juni bis zum 28. September 1944 im Magdeburger Außenkommando "Magda" des Konzentrationslagers Buchenwald inhaftiert, sondern verbrachte auch den Sommer des Jahres 1945 in der von Amerikanern und Engländern besetzten Elbestadt. Er wohnte bis zur Rückkehr in seine serbische Heimat in der Neuen Neustadt. Jetzt weilt er auf Einladung der Stadt in Magdeburg. Ivanji selbst sagt "Auf makabre Weise ist diese Stadt ein Teil von mir".
Der Schriftsteller wird von seiner Frau Dragana während des dreitägigen Aufenthaltes in der Landeshauptstadt begleitet. Auf dem Programm standen bereits der Besuch am Mahnmal in Rothensee, eine Lesung und ein Gespräch mit Magdeburger Schülern.
Nach Nachum Bandel aus Israel, Ernest Kan aus den USA und John Weiner aus Australien ist Ivan Ivanji der vierte Überlebende eines Magdeburger KZ-Außenlagers, der den Ort seines Leides erneut besucht.
In das seit dem Jahr 2002 existierende Gästebuch tragen sich repräsentative Besucher der Stadt wie Diplomaten, Wirtschaftsvertreter sowie hochrangige Gäste ein. Vor einem Jahr, im Juni 2003, trugen sich bereits Ernest Kan und seine Frau Ana, die beide ihre Familien durch den Holocaust verloren, in das Gästebuch ein.
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