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Magdeburg, 11. Mai 2004
12 Prozent aller Magdeburger leben mit Behinderungen
Behindertenbeauftragter Hans-Peter Pischner stellt Jahresbericht vor

Magdeburg.

Anlässlich des Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderungen 2003 hatte Magdeburgs Behindertenbeauftragter Hans-Peter Pischner für die Betroffenen Chancengleichheit, die Gewährleistung eines selbst bestimmten Lebens und wirkliche Beteiligungsmöglichkeiten im Arbeitsleben gefordert. Rückblickend zieht Magdeburgs Behindertenbeauftragter in seinem Jahresbericht 2003 zumindest auf kommunaler Ebene ein weitgehend positives Resümee.

Fortschritte gab es in den Bereichen Bauen, Wohnen und Verkehr. "Es kann eingeschätzt werden, dass die Erreichbarkeit und Zugänglichkeit wichtiger Gebäude und Einrichtungen der Stadtverwaltung im Jahre 2003 wesentlich verbessert werden konnte", schätzt der Interessenvertreter der Menschen mit Behinderungen in Magdeburg ein. So wurden das Neue Rathaus, das Bürgerbüro Nord und auch die Elbe-Schwimmhalle barrierefrei zugänglich gemacht.

Auch die schwierige Marktlage für behindertengerechte Wohnungen entspannte sich etwas, da die Wohnungsanbieter, vor allem Wohnungsbaugesellschaft und Genossenschaften, weiter ihre Aufmerksamkeit auf die Bereitstellung barrierefreier Wohnungen richten. Trotzdem besteht in diesem Bereich nach wie vor ein Defizit.

Auf dem Arbeitsmarkt, einem der wichtigsten Bereiche für die Integration behinderter Menschen, war im vergangenen Jahr keine Entspannung zu verzeichnen. Im Jahresdurchschnitt waren in Magdeburg 977 Betroffene ohne Arbeit. Damit beträgt der Anteil arbeitsloser Behinderter wie im Vorjahr 4,2 Prozent.

Die Landeshauptstadt nahm im vergangenen Jahr an dem vom Ministerium für Bau und Verkehr ausgeschriebenen Wettbewerb "Auf dem Weg zur barrierefreien Kommune" teil. Der Wettbewerbsbeitrag (barrierefreie Lösungsvarianten für innerstädtische Haltestellen im ÖPNV, eine verbesserte Zugangsvariante zum Koster "Unser Lieben Frauen" und die barrierefreie Sanierung des Rathauses bis 2005) wurde mit einer maßnahmebezogenen Förderung von 100.000 € gewürdigt.

Die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) verfügten im Jahr 2003 über 128 hochbordig ausgebaute Haltestellen. Davon sind 24 mit Blindenstreifen versehen. Die Verkehrsinfrastruktur ist weiter barrierefrei ausgebaut worden.

Zu den Problemen, mit denen sich Betroffene im vergangenen Jahr an den Behindertenbeauftragten wandten, gehörten vor allem Fragen des Behindertenrechts, die Suche nach geeignetem Wohnraum und soziale Probleme. Häufig wurden auch das Zuparken von Behindertenparkplätzen kritisiert und Bordabsenkungen angemahnt. Auch ungeeignete Absperrungen bei Baustellen stellen eine Gefahr vor allem für Blinde und Sehbehinderte dar.

Der Behindertenbeauftragte bemängelt, dass die Sozialreformen (Sozialreform, Rentenreform, das Kinderförderungsgesetz und die Kürzung des Landesblindengeldes) eine besondere soziale Härte und einen Rückschlag für die Betroffenen darstellt. Die Veranstaltungen im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen 2003 wurden deswegen verstärkt dazu genutzt, sich gegen eine soziale Ausgrenzung der Betroffenen zur Wehr zu setzen.

Positiv zu vermerken ist, so Pischner, dass die Pressebeiträge über Menschen mit Behinderungen in Magdeburg erheblich zugenommen haben. Insgesamt fanden sich in den Magdeburger Zeitungen rund 60 Prozent mehr Beiträge als in den Jahren zuvor.

Mit dem Europäischen Jahr der Behinderungen 2003 ging in Magdeburg ein Jahr zu Ende, in dem die Belange von Menschen mit Behinderungen im Vordergrund standen. Obwohl zunehmend andere politische Themen wie die bevorstehende Sozialreform in den Mittelpunkt gerückt wurden, war auf regionaler und lokaler Ebene ein breites Echo in den Medien zu verzeichnen.

Eine Vielzahl von Veranstaltungen rückten das Thema "Menschen mit Behinderungen" in den Vordergrund. Vor allem die Nationale Eröffnungsveranstaltung im Februar und die kommunale Abschlussveranstaltung im Dezember sind zu erwähnen. Auf dieser Veranstaltung trat Magdeburg der Erklärung von Barcelona "Die Stadt und die Behinderten" bei. Die Erklärung, die im März 1995 auf einem Kongress in der spanischen Metropole formuliert wurde, beinhaltet Ziele zur Schaffung gleichberechtigter Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten für behinderte Menschen in den und durch die Kommunen.

Zusammenfassend vermerkte Pischner: "Ich bin optimistisch, dass bei aller Begrenztheit der Mittel und Möglichkeiten Kommunalpolitik und Verwaltung die Belange der behinderten Bürgerinnen und Bürger auch künftig beachten und das Mögliche tun werden, Magdeburg für sie barrierefrei und lebenswert zu gestalten."

 

Bei Rückfragen: Hans-Peter Pischner, Behindertenbeauftragter der Landeshauptstadt Magdeburg, Tel.03 91/5 40 23 42

 



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