
Pressemitteilungen der Stadt Borken
Alle Meldungen | Medienarchiv | E-Mail Abo | Im Pressearchiv suchen
„Lilja 4-ever“
Borken - 18. Mai 2004. Das Frauenfilm-Forum zeigt am Dienstag (1.6.) den Film „Lilja 4-ever“.
Lucky Moodyssons Film erzählt die Geschichte der 16-jährigen Russin Lilja, die vor den zerrütteten postsowjetischen Verhältnissen nach Schweden flieht und dort aufs brutalste zwangsprostituiert wird.
Lilja lebt mit ihrer Mutter. Die Erzeugerin setzt sich mit einem ominösen heiratswilligen Exilrussen in die USA ab. Sie lässt Lilja im letzten Moment sitzen, statt sie wie versprochen mitzunehmen. Als Liljas Mutter zum Flughafen fährt, schaut die alleingelassene Tochter verzweifelt dem Taxi hinterher. Ein Hund fällt sie an und stürzt sie in Zeitlupe in den Schlamm. Ihr süßes Mädchenkleid wird dabei beschmutzt.
Eine unbarmherzige Tante verfrachtet Lilja darauf in eine billigere, völlig heruntergekommene kleine Wohnung. In der Schule sinkt ihr Notenspiegel. Ihr einziger echter Freund ist der elfjährige Wolodja, der von zuhause ausgerissen ist. Er himmelt sie an, sie beschützt ihn. Zusammen hausen sie im Plattenbau und schnüffeln Klebstoff, bis Lilja auf dem Heimweg von einem desaströsen Prostitutionsversuch in einer Neureichendisco von einem netten jungen Mann aufgegabelt wird. Er gewinnt ihr Vertrauen und verspricht ihr einen Job in Schweden. Sie lässt Wolodja sitzen und reist mit gefälschtem Pass in den Westen, d. h.: in ein nicht abreißendes Martyrium aus Vergewaltigung, Schlägen, sklavischer Prostitution.
Liljas Welt ist eine düstere, auswegslose Hölle. So auch der Film. Kaum vorstellbar, dass jemand "Lilja 4ever" verlässt, ohne emotional völlig erschlagen zu sein. Jeder vernünftige Zeitgenosse weiß: Menschenhandel ist ein großes Unrecht und ein besonders zynischer Geschäftsbereich der freien (?) Weltmärkte. Moodysson glaubt aber nicht an die Macht des Wissens und will uns deshalb auch spüren lassen, was das für die Betroffenen bedeutet.
Moodysson erspart uns dabei nichts. Das krasseste Beispiel: Die Demütigung Liljas durch die schwedische Kundschaft wird aus ihrer Sicht in subjektiver Perspektive wiedergegeben. In grauenhafter Monotonie macht sich ein vermutlich repräsentativer Querschnitt der schwedischen Bürgergesellschaft über Lilja her. Die Zuschauer selbst werden dabei mitvergewaltigt. Das suspendiert alle mutmaßlichen aufklärerischen Absichten des Films. Moodysson erzwingt moralische Betroffenheit mit der ästhetischen Brechstange.
Der Film beginnt um 20.30 Uhr im Kinocenter Borken. Der Eintritt kostet 3,50 Euro. Kartenvorbestellungen sind möglich unter 02861-9029922.
Pressekontakt: Stadt Borken, Pressesprecher Bernd Kemper, Tel. 02861 / 939 - 303, bernd.kemper@borken.de
Stadt Borken ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren.




