"Stetes Controlling wird Qualität der Jugendclubs weiter verbessern!"
Beigeordnete Bröcker zur Studie über Jugendarbeit in Magdeburg
Magdeburg.
Die Landeshauptstadt Magdeburg hat es jetzt Schwarz auf Weiß: Sie verfügt über eine "insgesamt gute Ausstattung mit Einrichtungen offener Jugendarbeit". Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Fachbereiches Gesundheits- und Sozialwesen der Hochschule Magdeburg-Stendal. "Das Ergebnis freut uns und bestätigt uns in unseren langjährigen Bemühungen, die Qualität der Angebote zu verbessern", kommentiert Magdeburgs Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit Beate Bröcker.
38 Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen (KJFE) gibt es in Magdeburg, davon befinden sich 11 (noch ) in Trägerschaft der Stadt, die anderen werden von verschiedenen freien Trägern der Jugendhilfe betrieben. 5,7 Millionen EUR stellt Magdeburg jährlich für freie Träger der Jugendhilfe und für kommunale Einrichtungen zur Verfügung. "Natürlich müssen wir dafür Sorge tragen, dass das Geld effizient eingesetzt wird und die Qualität der Angebote stimmt", nennt Beate Bröcker eine Aufgabe des städtischen Jugendamtes. "Deshalb gibt es seit 1996 Vereinbarungen zwischen öffentlichen und freien Trägern zur Analyse der Arbeit in KJFE. Gemeinsam entwickelte Qualitätsstandards sollen anhand geeigneter Untersuchungen in der Praxis auf ihre Handhabbarkeit überprüft werden."
Dieses "interne Controlling" wird regelmäßig durch externe Bewertungen auf wissenschaftlichem Niveau ergänzt. Deshalb beauftragte die Landeshauptstadt Magdeburg den Fachbereich Gesundheits- und Sozialwesen der Hochschule Magdeburg-Stendal im vergangenen Jahr mit der Durchführung einer Analyse der offenen Kinder- und Jugendarbeit in KJFE. Das Ergebnis mit dem Titel "Evaluation offener Jugendarbeit in Magdeburg 2003/2004" liegt jetzt vor.
Untersuchungsmethodik
Unter der Federführung von Prof. Titus Simon und Prof. Heinz-Jürgen Dahme wurden alle Magdeburger Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen im Mai und Juli 2003 sowie zwischen Oktober 2003 und Februar 2004 evaluiert. Neben einer Befragung der Nutzer mittels Fragebogen gab es in allen Einrichtungen jeweils dreitägige teilnehmende Beobachtungen und Gespräche mit Leitern und Mitarbeitern. Darüber hinaus wurden auch Nicht-Nutzer befragt. Mittels Fragebogen wurden Daten u.a.
- zur räumlichen und personellen Ausstattung
- zum Programm und Konzept
- zu den Besucherzahlen
erhoben.
Mit den Befragungen und den Beobachtungen in den Einrichtungen wurden solche Aspekte untersucht wie soziales Klima, Angebote, Nutzung der Räumlichkeiten.
Ergebnisse
Insgesamt bescheinigen die beiden Gutachter der Landeshauptstadt eine "gute Ausstattung mit Einrichtungen offener Jugendarbeit". Einerseits hat sich die Zahl der Einrichtungen und der dort tätigen Mitarbeiter gegenüber einer Untersuchung vor fünf Jahren verringert, andererseits ist die Zahl der Besucher um durchschnittlich 14,3 % gestiegen.
Die Gutachter heben besonders hervor, dass die Qualität der Einrichtungen und ihrer Angebote deutlich gestiegen ist. Insbesondere verfügen mehr Mitarbeiter über eine pädagogische Ausbildung - hier liegt Magdeburg sogar über dem Durchschnitt der neuen Bundesländer und vergleichbarer Großstädte.
Darüber hinaus haben viele Einrichtungen ihre über den Alltag hinausgehenden Projekte erweitert, wobei sozialräumliche, kreative und medienbezogene Innovationen besonders hervortreten. "Hier trägt die hartnäckig vom Jugendamt praktizierte Zusammenarbeit von öffentlichen und freien Trägern Früchte", kommentiert die zuständige Beigeordnete dieses Teilergebnis. "In speziellen Arbeitskreisen haben wir über Jahre konzeptionelle und programmatische Fragen systematisch bearbeitet, z.B. zu Mädchenarbeit und zum Qualitätscontrolling - offenbar mit Erfolg."
Magdeburger Einrichtungen haben ihre sozialräumlichen Bezüge und Aktivitäten deutlich ausgebaut, das heißt, sie arbeiten in Bürgervereinen mit und in den Arbeitsgemeinschaften Gemeinwesenarbeit, sie beteiligen sich an Stadtteilfesten, Spiel- und Kulturaktionen sowie stadtteilbezogenen Projekten. KJFE tragen damit zur Vernetzung sozialer und kultureller Angebote in den Stadtteilen bei.
Gestiegen ist auch die Zahl der Besucher in den KJFE. Sie liegt nach den Befragungen der Wissenschaftler weit über den in den alten Bundesländern ermittelten Werten. Aus der Untersuchung geht hervor, dass durchschnittlich 2.240 Kinder und Jugendliche pro Tag die Magdeburger Einrichtungen nutzen
Empfehlungen
Im Ergebnis ihrer Analyse geben die Gutachter vor allem die Empfehlung, bei allen weiteren Entwicklungen "sozialraumorientierte Notwendigkeiten" zu beachten. Dabei soll je Sozialregion - in Magdeburg gibt es davon fünf - eine größere KJFE als "Leiteinrichtung" entwickelt und die Profile der Einrichtungen aufeinander abgestimmt werden.
"Diese Empfehlung bestärkt uns, den eingeschlagenen Weg der Sozialraumorientierung in der Sozialplanung weiter zu beschreiten", freut sich Magdeburgs Beigeordnete Beate Bröcker, dass die Wissenschaftler genau dieses Prinzip empfehlen. Bereits seit ...2002 entwickelt das Dezernat für Soziales, Jugend und Gesundheit Konzepte, wie soziale Einrichtungen in den Stadtteilen nicht nur bedarfsgerechte Profile entwickeln sollen, sondern auch untereinander vernetzt werden können, um Synergie-Effekte zu erzielen. Dabei arbeitet das Jugendamt eng mit dem Sport- und Schulverwaltungsamt zusammen, um Schule und Jugendarbeit enger zu verzahnen. "Die Aussage der Gutachter, dass die ‚Notwendigkeit sozialpädagogischer Arbeit an den Schulen ... weitgehend unstrittig ist‘ können wir vollinhaltlich unterschreiben", so Beate Bröcker. "Allerdings können Jugendeinrichtungen die Lücke, die durch die Kürzung der Landesmittel für die schulische Sozialarbeit entstanden ist, kaum schließen."
Weitere Empfehlungen der Gutachter betreffen die Stärkung der aufsuchenden und der geschlechterorientierten Sozialarbeit, die Verjüngung der Mitarbeiter und die Unterstützung von Selbstverwaltungsaktivitäten der Jugendlichen.
Kritisiert haben die Gutachter vor allem die ungünstigen räumlichen Bedingungen und den hohen Sanierungsbedarf vieler Einrichtungen. "Dies ist uns wohl bewusst", sagt dazu Magdeburgs Sozialbeigeordnete Beate Bröcker. "Um das Problem zu lösen, nutzen wir aktuell vor allem Förderprogramme wie URBAN 21, mit dessen Hilfe beispielsweise in der Alten Neustadt eine neue Einrichtung entsteht. Außerdem birgt die stadtteilbezogene Sozialplanung die Chance, Angebote - auch Generationen übergreifend - zu vernetzen. Dies haben wir beim Bürgerhaus Alt-Olvenstedt bereits erfolgreich praktiziert."
Die Abschluss-Studie wird Grundlage sein für die weiter zu führende Diskussion zwischen öffentlichen und freien Trägern. Qualitätsstandards müssen ständig der Lebenswelt und dem Bedarf junger Menschen angepasst und dementsprechend weiter entwickelt werden. In diesem Prozess sind alle Träger aufgefordert, neben der vorliegenden Fremdbewertung und in Bezug auf gemeinsam beschlossene Leitlinien der Kinder- und Jugendarbeit eine organisationsbezogene Selbstevaluation vorzunehmen. Entsprechende Fragebögen dazu hat das Jugendamt vor einigen Wochen an alle Einrichtungen gesandt.
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