Magdeburger Berufsfeuerwehr feiert Doppeljubiläum
Am kommenden Samstag "Tag der offenen Tür" in der Feuerwache Süd
Mit einem "Tag der offenen Tür" in der Feuerwache Süd feiert die Magdeburger Feuerwehr am kommenden Samstag ein Doppeljubiläum: das 130-jähirge Bestehen der Berufsfeuerwehr und das 100-jährige Jubiläum des städtischen Rettungsdienstes. Die Veranstaltung beginnt um 10:00 Uhr, der Eintritt ist frei.
"Wir haben für Magdeburger und Gäste unserer Stadt ein buntes und interessantes Programm rund um die Feuerwehr, den städtischen Rettungsdienst und deren Geschichte vorbereitet", freut sich der Beigeordnete für Kommunales, Umwelt und Allgemeine Verwaltung Holger Platz auf die Veranstaltung zum Doppeljubiläum. "Damit wollen wir einerseits die Tradition und andererseits die heutige Leistungsfähigkeit der städtischen Feuerwehr präsentieren."
Zu den Höhepunkten der von 10:00 bis 19:00 Uhr andauernden Veranstaltung zählen unter anderem Vorführungen der Höhenrettung um 11:00 und 16:00 Uhr, spannende Einblicke in die Geschichte des Rettungsdienstes um 10:30 und 14:00 Uhr, ein Rückblick in die Historie der Berufsfeuerwehr um 11:30 und 15:00 Uhr sowie die Präsentation des neuen Filmes "Feuerjäger - Ein Porträt der 130-jährigen Berufsfeuerwehr" um 12:00 Uhr und 14:00 Uhr.
Auf die Besucher warten außerdem Vorführungen zur Bergung von Verletzten aus einem Unfallfahrzeug, Präsentationen der Jugendfeuerwehr, die Vorstellung von Feuerwehrfahrzeugen, Vorführungen mit Handfeuerlöschern, Ausstellungen mit historischer Technik von Feuerwehr und Rettungsdienst, Informationsstände der Notfallseelsorge und der für die Stadt tätigen Rettungsdienstleister und vieles mehr. Für Kinder stehen unter anderem eine Malstraße und Kinderfahrzeuge zur Verfügung. Natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.
Der Eintritt zum "Tag der offenen Tür" ist kostenlos. Für Besucher der Messe "Air Magdeburg" steht außerdem ein direkter Zugang vom Flugplatz zur Verfügung. Umgekehrt können die Besucher des Feuerwehrfestes von dort direkt auf das Flugplatzgelände wechseln.
Zur Geschichte der Magdeburger Berufsfeuerwehr
Die Magdeburger Berufsfeuerwehr wurde am 1. Juli 1874 mit der Übergabe eines Zentralen Feuerwehrdepots in der damaligen Wilhelmstraße 8 (heute Ernst-Reuter-Allee 42) gegründet. In die Errichtung waren damals 83.421 Mark investiert worden. Bis zur Gründung der Berufsfeuerwehr wurde die Brandbekämpfung in der Elbestadt durch die Allgemeine Feuerwehr, fünf Handwerkerkompanien, die besonderen Feuerwehrkorps und die Turnerfeuerwehren abgesichert.
Zur Verstärkung der zahlenmäßig noch schwachen Berufsfeuerwehr wurde diese bei der Bekämpfung von Großbränden zunächst noch von Bürgern und Nachtfeuerwachen unterstützt. Nach einer erfolgreichen Entwicklung in den ersten sechs Jahren und der Inbetriebnahme einer zweizylindrigen Dampfspritze mit einer Leistung von 1.800 Litern pro Minute wurde am 1. Mai 1880 die Freiwillige Feuerwehr Werder aufgelöst. Kurze Zeit später konnte durch die Anschaffung einer zweiten Dampfspritze auch die Allgemeine Feuerwehr ihre Arbeit beenden. 1894 folgte die Auflösung des Nachtwachkorps.
Seit ihrer Gründung entwickelte sich die Magdeburger Berufsfeuerwehr zu einer der führenden Berufsfeuerwehren in Deutschland. Bereits zur Jahrhundertwende wurden in Magdeburg viele Volontäre für den gehobenen Dienst aus dem In- und Ausland ausgebildet.
Mit den Eingemeindungen der Vororte Sudenburg, Neustadt, Buckau, Rothensee, Fermersleben, Salbke und Westerhüsen sowie durch die Entwicklung der Industrie wurde das Feuerwehrwesen in Magdeburg weiter ausgebaut. Die Folge waren die Gründungen der Feuerwachen Sudenburg (28. Juli 1874), Buckau (15. August 1905) und Neustadt (1. Oktober 1910). Die Feuerwache Neustadt zählte damals mit ihrer technischen Ausstattung zu den modernsten Einrichtungen in ganz Deutschland. Die bereits geplante Feuerwache Ost wurde durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges nicht mehr gebaut.
Durch den Krieg wurde die Feuerwache Buckau total zerstört. Schwere Schäden gab es an den Feuerwachen Neustadt und Mitte sowie an der technischen Ausstattung, wo besonders Brandmeldeanlagen, Feuermeldeschleifen und Löschtechnik in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Feuerwache Sudenburg blieb unbeschädigt.
1951 wurde die Magdeburger Berufsfeuerwehr dem Innenministerium der DDR unterstellt. Seit 1991 ist sie wieder eine kommunale Einrichtung der Stadt Magdeburg. Notwendige Baumaßnahmen wurden auf der Grundlage des von den Stadträten 1994 beschlossenen Feuerwehrkonzeptes umgesetzt. Sichtbare Beispiele sind die 1997 in Betrieb genommene Leitstelle für die Feuerwehr und den Rettungsdienst sowie die 2001 in Dienst gestellte Feuerwache Süd an der Ottersleber Chaussee. Auch neue bzw. bereits sanierte Gerätehäuser der zehn Freiwilligen Feuerwehren in der Landeshauptstadt sind Teil der Umsetzung des Magdeburger Feuerwehrkonzeptes.
Heute hat die Landeshauptstadt Magdeburg eine leistungsfähige, technisch modern ausgestattete und effiziente Feuerwehr, die Sicherheit als ein wichtiges Stück Lebensqualität in Magdeburg gewährleistet. Sie verfügt unter anderem über einen Höhenrettungsdienst und über die einzige Rettungstauchergruppe Sachsen-Anhalts. Zu den Aufgaben gehören neben der Brandbekämpfung und dem Rettungsdienst auch technische Hilfeleistungen, der Zivil- und Katastrophenschutz, die Tierrettung, die Erteilung von Genehmigungen für Gebäude mit besonderer Brandgefährdung, Brandsicherheitsschauen sowie die Wartung und Pflege von Brandschutzeinrichtungen in Gebäuden der Stadtverwaltung. Die Mitarbeiter der Feuerwehr retten jährlich durchschnittlich rund 460 Kindern, Frauen und Männern das Leben.
Voraussichtlich im Jahr 2005 soll mit dem Bau der Feuerwache Nord begonnen werden. Damit wird die Basis für den im Feuerwehrkonzept verankerten Übergang vom 3- zum 2-Wachen-System gewährleistet. Mit dem künftigen 2-Wachen-System (Feuerwachen Nord und Süd) wird auch weiterhin die Einhaltung der Hilfsfrist von acht Minuten im städtischen Kerngebiet sowie von zwölf Minuten im Stadtrandbereich eingehalten.
Zur Geschichte des Rettungsdienstes der Berufsfeuerwehr Magdeburg
Das Krankentransportwesen bei der Berufsfeuerwehr Magdeburg wurde am 1. April 1904 gegründet. Zuvor gab es bereits private Gesellschaften und Vereine, die sich der Kranken- und Unfallfürsorge widmeten, jedoch keine schnell erreichbaren Transportmittel hatten.
Mit der Gründung wurden auf allen Feuerwachen der Berufsfeuerwehr Stationen für die erste Hilfe bei Unglücksfällen eingerichtet und neue Geräte für die medizinische Versorgung in Betrieb genommen. Allein im ersten Jahr wurde der bis dahin einzige mit Pferden bespannte Krankentransportwagen 258-mal in Anspruch genommen. Wegen der steigenden Inanspruchnahme dieses Krankenwagens wurden 1905 und 1906 zwei zusätzliche Wagen in Betrieb genommen.
Die medizinische Ausbildung der Feuerwehrbeamten erfolgte durch den Korpsarzt der Feuerwehr, so dass alle Feuerwehrmänner im Sanitätsdienst damals einen guten Ausbildungsstand hatten. 1908 wurde erstmals ein Elektromobil für den Krankentransport in Dienst gestellt. Es war damit das erste Automobil der Berufsfeuerwehr. Nach dem 1. Weltkrieg kaufte die Feuerwehr drei Krankenwagen mit Verbrennungsmotoren, weil das Elektromobil damals nicht zukunftsweisend war. Außerdem wurden im Stadtgebiet Unfallmeldestellen eingerichtet, um Alarmierungsmöglichkeiten zu schaffen.
In den 1930er Jahren wurde die Zahl der Krankentransportfahrzeuge auf insgesamt sieben erhöht, die aber während des zweiten Weltkrieges verschwanden und über deren Verbleib keine Erkenntnisse vorliegen. Dadurch kam der Krankentransport in Magdeburg 1945 zum Erliegen.
Mit dem Aufbau eines neuen Gesundheitssystems nach dem Krieg wurde der Krankentransport dem Gesundheitsamt zugeordnet. Da die Transportmittel zunächst nicht ausreichten, wurden unter den Kabinendächern von Löschfahrzeugen Krankentragen montiert.
1953 erhielt die Berufsfeuerwehr Magdeburg erstmals wieder einen Rettungswagen. 1960 wurde dieser Rettungswagen im Gustav-Ricker-Krankenhaus (heute Uni-Klinik) stationiert. Die Besatzung bestand aus Mitarbeitern der Berufsfeuerwehr und einem Arzt. Damit war Magdeburg die erste Stadt in der DDR, die eine Schnelle Medizinische Hilfe (SMH) hatte.
1961 wurden durch einen Beschluss der DDR-Regierung die Aufgaben des Rettungsdienstes auf das Deutsche Rote Kreuz übertragen, so dass bis 1990 die Berufsfeuerwehr Magdeburg nur für den Eigenbedarf einen Rettungswagen hatte.
Nach der Auflösung der Schnellen Medizinischen Hilfe 1990 wurde der Rettungsdienst wieder auf die Stadt Magdeburg übertragen. Mit der Organisation und Leitung wurde das Amt für Brand- und Katastrophenschutz beauftragt. Der Rettungsdienst wird seitdem von den für die Stadt tätigen Rettungsdienstleistern durchgeführt.
1992 begann die Ausbildung der ersten Feuerwehrbeamten zu Rettungssanitätern. Im gleichen Jahr wurde die integrierte Leitstelle für die Feuerwehr und den Rettungsdienst gebildet. Seitdem werden alle Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsätze über die Notrufnummer 112 entgegengenommen. 1995 stellte die Berufsfeuerwehr einen zweiten Rettungswagen in Dienst, nachdem sie bereits 1993 mit einem Fahrzeug in den Rettungsdienst integriert wurde. Seit 2001 hat die Berufsfeuerwehr einen Intensivtransportwagen für schwerkranke Patienten.
Der von der Magdeburger Berufsfeuerwehr koordinierte Rettungsdienst wird heute hauptsächlich von den drei Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und Malteser Hilfsdienst (MHD) durchgeführt.
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