Telemann-Preisträger von 1995 am vergangenen Samstag gestorben
Ein Leben für die Wissenschaft / Zum Tode von Martin Ruhnke
Der Musikgelehrte und Hochschullehrer Prof. Dr. Martin Ruhnke ist am vergangenen Samstag im Alter von 83 Jahren in Erlangen gestorben. Der Wissenschaftler war 1995 mit dem Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg geehrt worden. "Mit ihm verliert die internationale Telemannforschung einen ihrer herausragendsten Wissenschaftler", bedauert der Leiter des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung, Carsten Lange, den Tod des früheren Telemann-Preisträgers.
Martin Ruhnke wurde am 14. Juni 1921 in Köslin (Pommern) geboren. Nach Wehrdienst und Kriegsgefangenschaft studierte er in Kiel Musikwissenschaft und promovierte 1954 mit einer Arbeit über den norddeutschen Musiktheoretiker und Komponisten Joachim Burmeister (1564-1629), Diese gilt als Standardwerk der frühbarocken Musiktheorie.
Nach seiner Assistenzzeit an der Freien Universität Berlin war er von 1964 bis 1986 Ordinarius für Musikwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg. Bereits 1955 wurde er Mitglied der "Musikgeschichtlichen Kommission", die sich der Herausgabe wichtiger musikalischer Quellen widmet. Von 1968 bis 1974 war er Präsident der Gesellschaft für Musikforschung.
Forschungsgebiete von Martin Ruhnke waren die Musiktheorie des 16./17. Jahrhunderts, die Musikgeschichte Pommerns und die italienische Oper im 18. Jahrhundert. Der Erforschung von Leben und Werk Georg Philipp Telemanns galt jedoch sein besonderes Interesse. 1960 übernahm er auf Anregung von Friedrich Blume, dem damaligen Vorsitzenden der "Musikgeschichtlichen Kommission", die Herausgabe der für die Telemannpflege wichtigsten Editionsreihe "Georg Philipp Telemann. Musikalische Werke" und war bis 1992 deren alleiniger Herausgeber. Erforderlich war in diesem Zusammenhang die Erfassung der Instrumentalwerke Georg Philipp Telemanns. Daraus entstand Ruhnkes Lebenswerk, das dreibändige "Thematisch-Systematische Verzeichnis" der Instrumentalwerke Telemanns.
Diesem grundlegenden Verzeichnis sowie Ruhnkes Personenartikeln "Telemann" in Standardlexika ist zu verdanken, dass es dem Wissenschaftler wie auch dem Musikinteressierten heute möglich ist, sich schnell über Telemann zu informieren. Mit seinen Beiträgen und zahlreichen Einzelstudien zu speziellen Fragen der Telemannforschung hat Ruhnke wesentlich zur Neubewertung des Telemannbildes in unserer Zeit beigetragen. Sein von Gründlichkeit, wissenschaftlicher Genauigkeit und umfangreichen Quellenstudien gekennzeichneter Arbeitsstil hat die moderne Telemannforschung geprägt.
Zeitgleich mit seiner Hinwendung zu Telemann Anfang der 1960er Jahre begann sich auch in Magdeburg eine institutionelle Telemannpflege und -forschung zu entwickeln. Zu ihr hielt Martin Ruhnke ständig Kontakt und war ihr in besonderer Weise verbunden. Auch während der Zeit der deutschen Teilung nahm er regelmäßig an den Internationalen Wissenschaftlichen Konferenzen anlässlich der Magdeburger Telemann-Festtage teil und unterstützte die Arbeit hier, u.a. mit der Bereitstellung von Büchern, Noten und Archivkopien.
Dankbar und wiederholt machte er darauf aufmerksam, dass er für seine Studien viele Anregungen aus Magdeburg erhalten hat und auf die hier publizierten Schriften zurückgreifen konnte. Die Zusammenarbeit mit den Magdeburgern hat er immer geschätzt. Gleichzeitig bezeichnete der Nestor der Telemannforschung Magdeburg als Zentrum der internationalen Telemannforschung. "Wer sich in aller Welt für Telemann interessiert, fragt in Magdeburg um Rat", sagte der Wissenschaftler 1995.
Nachhaltig setzte sich Martin Ruhnke dafür ein, dass 1992 in Magdeburg die Redaktionsstelle für die Reihe "Georg Philipp Telemann. Musikalische Werke" eingerichtet werden konnte und dass der Geburtsort von Georg Philipp Telemann bei der Gründung der Internationalen Telemann-Gesellschaft 1991 zu deren Sitz gewählt wurde. Die Geschicke diese Gesellschaft leitete er als Präsident von 1991 bis 1997. Diese Verdienste hat die Landeshauptstadt Magdeburg 1995 mit der Verleihung des Telemann-Preises gewürdigt.
Martin Ruhnke war ein geachteter Wissenschaftler und ein geschätzter Mentor. Sein Tod ist ein schmerzlicher Verlust für die Telemannpflege und -forschung - ihr wird er jedoch nicht zuletzt durch sein Telemann-Werke-Verzeichnis ständig gegenwärtig sein.
Bei Rückfragen der Medien: Carsten Lange, Leiter des Zentrums für Telemann-Pflege und- Forschung, Tel.: 03 91/5 40 67 53
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