Magdeburger Forschern sei Dank: Autos können bald sehen, mitdenken und kommunizieren
OB Trümper morgen auf INVENT-Abschlussveranstaltung in München
Magdeburg.
Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper ist morgen Ehrengast der Verkehrsforschungsinitiative INVENT, die neueste Entwicklungen für flüssigeren Straßenverkehr und weniger Unfälle präsentiert. Magdeburg war neben München ein Testfeld für die Forschung zum intelligenten Verkehr der Zukunft. Das Magdeburger Forschungsinstitut ifak entwickelte einen intelligenten Fahrer-Assistenten.
Nach vier Jahren Forschungsarbeit stellt die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Initiative INVENT (Intelligenter Verkehr und nutzergerechte Technik) am 28. April in München ihre Lösungen und Visionen für den Verkehr der Zukunft vor. Eine neue Fahrzeuggeneration soll dank intelligenter Sensorik und Kommunikationstechnik bald in der Lage sein, mitzudenken, mitzusehen und Fahrmanöver mit dem Vordermann abzustimmen. Alle Entwicklungen dienen dem übergeordneten Ziel, das Autofahren sicherer und nutzerfreundlicher zu machen.
Zahlreiche Demonstrationsfahrzeuge und Simulationen machen bei der INVENT-Abschlusspräsentation auf dem Münchener MAN-Gelände die neuen Technologien erfahrbar: Zum Beispiel Kreuzungsassistenten im Auto, die querenden Verkehr an Rechts-vor-Links-Kreuzungen, Gegenverkehr, Stoppschilder oder Radfahrer automatisch erkennen und den Fahrer entsprechend vorwarnen. Oder Techniken zum aktiven Fußgängerschutz, die bei einem drohenden Zusammenstoß dafür sorgen, dass sich die Motorhaube automatisch um einige Zentimeter anhebt. Das vergrößert die Knautschzone und verringert das Verletzungsrisiko für Fußgänger um mehr als die Hälfte.
Den 24 Projektpartnern - allesamt namhafte Unternehmen aus der Automobil-, Elektronik-, Telekommunikations- und IT- Industrie, Logistikdienstleister, Softwarehäuser sowie rennomierte Forschungsinstitute - standen insgesamt 76 Millionen Euro zur Verfügung. 45 Prozent davon stammten aus der Kasse des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Zu den beteiligten Unternehmen gehörte auch das ifak - Institut für Automation und Kommunikation e.V. Magdeburg, geleitet von Prof. Ulrich Jumar. Die Wissenschaftler des Institutes suchten im Rahmen ihres INVENT-Projektes mit Hilfe intelligenter Fahrer-Assistenzsysteme Wege aus dem Stau. Unterstützt wurden sie dabei von den MVB, den städtischen Verkehrsplanern und dem Tiefbauamt.
Intelligente Assistenten
Den richtigen Weg durch den Verkehrsdschungel zu finden - dafür gibt es seit geraumer Zeit Navigationssysteme. Im INVENT-Projekt "Netzausgleich Individualverkehr" fordern die Experten daher für die Zukunft vor allem eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten bei der Entwicklung von neuen Routingverfahren. Denn die individuelle Routenempfehlung ist für den Fahrer nur dann hilfreich, wenn diese Systeme mit den aktuellen Verkehrsverhältnissen abgeglichen werden. Hierbei haben beide Seiten - der Autofahrer und die öffentliche Hand - einen Vorteil: Einerseits erhalten die Navigationssysteme Informationen über aktuelle Baustellen und Umleitungen sowie Ampelprogramme, andererseits liefern die Navigationssysteme Routenempfehlungen konform zur Strategie der städtischen Verkehrsexperten.
Gute Verkehrsprognosen allein reichen künftig nicht aus. Auch andere Aspekte wie Sicherheit, Komfort, Pünktlichkeit oder die Umwelt spielen zunehmend eine Rolle bei der Entscheidung, welcher Weg zum Ziel führt.
Im Rahmen des INVENT-Projektes hat ifak ein System entwickelt, mit dem die gesammelten Informationen in den Fahrzeugen unmittelbar aufbereitet und einer zentralen Wissensbasis zugeleitet werden. Diese liefert dann die aktuellen Reisezeiten auf einzelnen Streckenabschnitten des Straßennetzes. Schnelles Erfassen der Verkehrslage und geeignete Lösungsvorschläge für die Situation - so werden die Routingverfahren der Zukunft topaktuell die beste Route empfehlen können.
Im Testfeld Magdeburg haben die Forschung ihr System bei Demonstrationsfahrten mit Versuchsfahrzeugen erprobt. Dabei sind mehrere Fahrzeuge gleichzeitig von einem Ort zum selben Ziel gestartet - beispielsweise zur Bördelandhalle. Ein Fahrzeug wird von einem ortskundigen Fahrer gelenkt, ein weiteres navigiert mit einem herkömmlichen Navigationssystem, welches allerdings keine Baustellen kennt. Der Fahrer eines dritten Fahrzeugs folgt dem Vorschlag der INVENT-Navigation, die sowohl über alle Baustellen als auch die Verkehrssituation Bescheid weiß. Die Baustellen werden vom Tiefbauamt tagesaktuell und streckengenau in das Informationssystem eingepflegt. Ein Funknetzwerk mit Verkehrslagekameras und Messstellen im Magdeburger Straßennetz liefert zusammen mit Zähldaten von mehreren hundert Ampeldetektoren des Tiefbauamtes und den Geschwindigkeitsdaten der Streckenbeeinflussungsanlage auf der A2 die Grundlage zur Abschätzung von aktuellen Reisezeiten. Das neuartige Navigationssystem erhält diese Daten schließlich über den digitalen Rundfunk DAB als so genannte "Extended Traffic Messages" (XTM). Bei den Versuchsfahrten hatte übrigens der Fahrer mit dem INVENT-Navigator die Nase vorn - dank tadellos eingepflegter Baustellendaten.
INVENT
Der Name INVENT steht für "Intelligenten Verkehr und nutzergerechte Technik". In der Forschungsinitiative kooperieren 24 Unternehmen aus der Automobil-, Zuliefer-, Elektronik- und IT-Industrie, Softwarehäuser sowie Forschungsinstitute. Mit dem Ziel, den Verkehr der Zukunft sicherer und flüssiger zu machen, werden die Partner bis Mitte 2005 gemeinsam neue Fahrerassistenzsysteme, Informationstechnologien und Lösungen für ein effizientes Verkehrsmanagement entwickeln. Die Kooperation wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
Beteiligt sind Audi, BMW, Bosch, DaimlerChrysler Research and Technology, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Ericsson, die Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen Aachen (fka), das Ford Forschungszentrum Aachen, Hella, Hermes Logistik Gruppe, IBM, das Institut für Automation und Kommunikation Magdeburg (ifak), MAN Nutzfahrzeuge, Navigation Technologies, Opel, PTV, die Siemens AG, Siemens Restraint Systems, Siemens VDO, Transver, der TÜV, die Universität Köln, Rechtsanwälte Vogt & Kollegen und Volkswagen. Als Unterauftragnehmer arbeiten an den Projekten außerdem zahlreiche Universitäts-Institute sowie kleinere und mittelständische Unternehmen. Mit der kontinuierlichen Forschung im Bereich Verkehr und Verkehrssicherheit soll die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und die Innovationsfähigkeit des Standorts Deutschland gestärkt werden.
Weitere Informationen:
ifak - Institut für Automation und Kommunikation e.V. Magdeburg
Steinfeldstraße 3, IGZ Haus 1
D-39179 Barleben
Sonja Kwiatkowski
Tel.: 039203 / 8 10 23
Fax: 039203 / 8 11 00
E-Mail: sonja.kwiatkowski@ifak-md.de
Informationen zum gesamten Forschungsprogramm unter www.invent-online.de.
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