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Pressemitteilung der Stadt Iserlohn vom 23.05.2005


“Zweite Heimat - Gemeinsam leben in Iserlohn” - Ausstellungsprojekt zum Thema Migration von Stadtmuseum und Städtischer Galerie Iserlohn

Iserlohn. “Zweite Heimat - Gemeinsam leben in Iserlohn” ist der Titel eines Ausstellungsprojektes zum Thema Migration des Iserlohner Stadtmuseums und der städtischen Galerie Iserlohn, kuratiert durch Christine Braunersreuther.

Vom 4. Juni bis 31. Juli zeigt das Stadtmuseum am Fritz-Kühn-Platz 1, einen Überblick über die Geschichte der Migration nach Iserlohn unter Berücksichtigung der Aspekte Integration, Sprache, Kultur, Religion und Rückkehr in die Heimat. Diese Ausstellung wird eröffnet am Freitag, 3. Juni, um 19.30 Uhr.

Vom 24. Juni bis 31. Juli zeigt die Städtische Galerie, Theoodor-Heuss-Ring 24, eine historische Dokumentation der Wohnsituation von Migranten in Iserlohn. Bei diesem Fotoprojekt haben Migranten selbst die Möglichkeit, das Bild “ihrer” Heimat darzustellen. Dazu wird in der Galerie das Internet-Projekt “becoming-german” der neuseeländischen Künstlerin Joanne Moar vorgestellt. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie wird eröffnet am Donnerstag, 23. Juni, um 19.30 Uhr. Zur Vernissage liest Raul Zelik aus seinem Roma "Bastard".

Migration: << Allgemein: Wanderung. Sozialwissenschaftlich: Wechsel von einem regionalen oder sozialen Raum in einen anderen. Allgemein wird zwischen Emigration (Auswanderung), Immigration (Einwanderung) und Permigration (Durchwanderung) unterschieden. Heimat: << Ort, wo man zu Hause ist, Wohnort und Umgebung oder Geburtsort; Ursprungs-, Herkunftsland. >> Quelle: dtv-Lexikon

In Deutschland leben heute mehr als sieben Millionen Migranten. Das alleine ist eigentlich Grund genug, der Thematik Migration eine Ausstellung zu widmen. 2005 besteht jedoch ein besonderer Anlass dafür: der 50. Jahrestag des ersten Abkommens zur Anwerbung von sogenannten "Gastarbeitern" zwischen Deutschland und Italien. Als Stadt am Rande des Ruhrgebiets mit einem hohen Anteil an mittelständischer Industrie, wurden auch in Iserlohner Betrieben viele ausländische Arbeitskräfte beschäftigt. Doch die Geschichte der Einwanderung beginnt nicht erst mit der Arbeitsmigration in den 50er und 60er Jahren, und sie endet auch nicht mit dem Anwerbestopp im Oktober 1973. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeiteten zahlreiche Fremd- und Saisonarbeiter in den Steinbrüchen und Kalkwerken im heutigen Iserlohner Stadtgebiet und bis heute ist Iserlohn Wohn- und Arbeitsort bzw. Ziel von Migranten unterschiedlichster Beweggründe.

"Zweite Heimat" bietet daher einen Überblick zur Migrationsgeschichte von Beginn des Jahrhunderts bis zur heutigen Situation. Ziel der Ausstellung ist es, die Geschichte der Einwanderung nicht nur in Zahlen und Daten aufzuzeigen, sondern sie aus Sicht der MigrantInnen, ihrer Nachbarn, Freunde und Kollegen zu erzählen. Der Begriff Heimat lässt in dieser Hinsicht viele Fragen offen. Für viele Menschen ist ihr Geburtsort fern von der Gegend, in der sie leben. Heimat ist eher ein subjektives Gefühl. Der Ausstellungstitel "Zweite Heimat" ist ein Zitat aus vielen Interviews mit Migrantinnen und Migranten, die in Iserlohn leben. Sie empfinden ihre Wurzeln, ihre Erinnerungen und ihre Kultur als Bereicherung für das Leben an einem Ort, der ihre zweite Heimat geworden ist. Am Ende wird klar: Migrationsgeschichte ist vor allen Dingen persönliche Geschichte. Deshalb bekamen im Fotoprojekt der Städtischen Galerie Migranten selbst die Möglichkeit, das Bild ihrer "Heimat" darzustellen.

Internet-Projekt “becoming german”

Einen deutschen Pass zu erhalten und damit ganz amtlich deutsch zu werden, bringt für Menschen aus anderen Ländern oft einen ungeheueren Aufwand an Formalien mit sich. Und doch bedeutet es für Viele nur das geringste Problem bei dem Versuch, hier heimisch zu werden. Denn jeder Mensch erfährt in seiner Heimat eine bestimmte Prägung, die sich nicht so leicht ablegen lässt, wie ein Amtspapier. Das beginnt schon beim Erleben der Kindheit und den späteren Erinnerungen daran. Dies ist auch der neuseeländischen Künstlerin Joanne Moar bewusst geworden, als sie vor zehn Jahren nach Deutschland kam. Sie hat daher eine Internet-Datenbank erstellt, in der sie Kindheitserinnerungen von in Deutschland aufgewachsenen Personen sammelt, um sie dann quasi als Spende an interessierte Nutzerinnen mit nicht-deutscher Herkunft zu spenden. Damit relativiert Joanne Moar in gewisser Hinsicht den Status als "deutsch" oder "nichtdeutsch", da die Kindheit und damit die Sozialisation als zentraler Anknüpfungspunkt des Heimatgefühls definiert wird. Die Datenbank ist in einem inszenierten Klassenzimmer im Zuge der Ausstellung "Zweite Heimat" in der Städtischen Galerie zugänglich. Daneben zeigt Joanne Moar Fotos von den Aktionen, die sie am 3. und am 23. + 24. Juni mit ihrem Datenbank- Mobil im Iserlohner Stadtraum unternimmt.

Veranstaltungen im Rahmen des Ausstellungsprojektes “Zweite Heimat”:

3. und 23. + 24. Juni, 11 bis 18 Uhr, Innenstadt Iserlohn becoming german
Die Neuseeländische Künstlerin Joanne Moar unternimmt eine Reise mit ihrem Datenbank-Mobil durch die Innenstadt von Iserlohn. Personen, die in Deutschland aufgewachsen sind, werden aufgefordert Fragen zu spezifischen Kindheitserinnerungen zu beantworten. So werden umfangreiche Daten, die zur Feststellung eines allgemeinen – aber auch subjektiven – Erinnerungsgutes beitragen, gesammelt.

23. Juni, 19.30 Uhr, zur Vernissage in der Städtischen Galerie Iserlohn
Raul Zelik lies aus seinem Roma "Bastard"
Cem ist "Sauerland-Kanake" – der "Abitürke" aus Iserlohn. Aber mehr noch, er ist die Homebase, der Heimathafen der Journalistin Carla Lee, deren Leben und Streben der Berliner Schriftsteller Raul Zelik in seinem Roman "Bastard" beschreibt. Während Cem seinen langweiligen Alltag mit Selbstironie betrachtet, fährt der "Bastard" Lee nach Korea, um dort vorgeblich zu brisanten Vertuschungsaffären zu recherchieren. Doch eigentlich ist das Kind einer portugiesischen Mutter und eines koreanischen Vaters, beide ehemalige Gastarbeiterin Dortmund, auf der Suche nach ihrer Identität. "Außer Fremde gibt es kaum Erinnerung" schließt Carla Lee und verleiht damit ihrem Identitätskonflikt Ausdruck. Zelik beschreibt dieses Dilemma der zweiten Generation MigrantInnen in einer spannenden Geschichte. Diese spielt in der ganzen Welt, aber eben auch in Iserlohn. Und deshalb wird Raul Zelik zur Eröffnung der zweiten Teils der Ausstellung "Zweite Heimat" lesen.



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