"Kiek in de Köken" ab Dienstag wieder geöffnet
Geschichte der Wasserkunst wird eindrucksvoll dargestellt
Nach einer mehrmonatigen Pause öffnet am kommenden Dienstag, den 28. Juni 2005, 17:00 Uhr, der alte Wehrturm "Kiek in de Köken" auf dem Fürstenwall wieder seine Türen. Mit der Wiedereröffnung ist auch der zweite Bauabschnitt der Sanierung des Turmes beendet. In den vergangenen Monaten wurden für rund 150.000 Euro die Untergeschosse des Turmes rekonstruiert.
Die Wiedereröffnung des Wehrturms wird möglich, weil mit Unterstützung der Agentur für Arbeit Magdeburg im Stadtplanungsamt zwei ABM-Mitarbeiter eingestellt werden konnten. Sie übernehmen für ein Jahr die Betreuung der Ausstellung "1200 Jahre Magdeburger Baugeschichte" des Stadtplanungsamtes. Sie gibt Magdeburgern und Gästen unserer Stadt einen Einblick in die interessante Siedlungs- und Baugeschichte der Elbestadt.
Auf mehreren mit Bildern, Grafiken und Plänen gestalteten Informationstafeln wird unter historischen und baulichen Aspekten die Entwicklung der Stadt an der Elbe dargestellt. Schwerpunkte sind dabei der Domplatz und seine Umgebung, der Fürstenwall und das Kloster Unser Lieben Frauen. Diese steinernen Zeugen der Magdeburger Geschichte üben eine enorme Anziehungskraft auf Magdeburger, Touristen und Besucher der Stadt aus.
Die bereits im vergangenen Jahr präsentierte Ausstellung wurde durch vier neue Informationstafeln über die Wasserversorgung und Wasserkunst auf dem Fürstenwall im späten Mittelalter erweitert. Eine Wasserkunst ist eine Form der Wasserversorgung, die aus einem Pumpwerk, einem Wasserrad und einem Hochbehälter besteht. Ergänzt werden die Ausstellungstafeln von einem Funktionsmodell der ehemaligen Wasserkunst auf dem Fürstenwall, gebaut nach einer Darstellung aus dem Jahr 1768.
Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 9.30 bis 17.00 Uhr sowie samstags und sonntags von 11.00 bis 15.00 Uhr geöffnet. Montags ist der Turm geschlossen. Der Eintritt ist frei. Für die Besucher liegen kostenlose Broschüren, Prospekten und Faltblätter zum Mitnehmen aus.
Das Stadtplanungsamt beabsichtigt die Aufstellung weiterer Informationstafeln, die in regelmäßigen Abständen Neues, Unbekanntes und Wissenswertes aus der faszinierenden Geschichte Magdeburgs präsentieren sollen.
Hintergrundinformationen zur Geschichte der Wasserkunst in Magdeburg
Erstmals im Jahr 1537 eingeführt, erlebte die Wasserkunst der Stadt Magdeburg eine aufregende Entwicklung. Zunächst beförderte ein durch Wasserräder angetriebenes Schöpfwerk Wasser aus der Elbe über eine hölzerne Rohrleitung 15 Meter hoch auf den Alten Markt in eine Kufe (Bottich), aus der das Wasser durch vier Ausflußrohre austrat.
50 Jahre später wurde im "Turm hinter der Möllenvogtei" auf dem Fürstenwall eine
zweite Wasserkunst in Betrieb genommen, wodurch die Bewohner des Neuen Marktes (Domplatz) mit Wasser versorgt wurden. Nach der Zerstörung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg wurde auf Befehl von Friedrich I. eine neue Wasserversorgung errichtet. 1766 wurde die Wasserkunst am Fürstenwall zu einer modernen Roßkunst (von Pferden bewegter Antrieb von Pumpen) erneuert. Ab 1829 wurden die 17 Kilometer lange hölzernen Röhre durch gusseiserne Röhren ersetzt. Es wurden 100 eiserne Ständer mit Ausflussröhren gebaut, gleichzeitig wurden Anschlüsse für Feuerlöschschläuche eingebaut.
1843 wurde eine größere Dampfmaschine für den Pumpenantrieb montiert. Dadurch konnten alle Bewohner Magdeburgs mit Wasser versorgt werden. So hieß es Mitte des 19. Jahrhunderts in einem zeitgenössischen Bericht: "...in ihrer Art ist das die erste Anlage in ganz Deutschland, um die andere Städte Magdeburg beneiden.".
Das in der Ausstellung präsentierte Funktionsmodell der ehemaligen Wasserkunst auf dem Fürstenwall beruht auf einer Konstruktionszeichnung von Johann Esaias Silberschlag (1721-1791). Dies war für den Arbeitskreis Technikgeschichte des Vereins der Deutschen Ingenieure (VDI) Anlass, zum Stadtjubiläum Magdeburg 12hundert das Model bauen zu lassen. Daran beteiligt waren Auszubildende der Ausbildungsgesellschaft Wasserwirtschaft Magdeburg und der Tischlerei Arte Möbel GmbH.
|