Familienfreundlich rechnet sich

16.08.2005 | Herten

Ausgeglichene Menschen leisten gute Arbeit und bringen damit für ihr Unternehmen mehr Gewinn. Die Regionalstellen Frau & Beruf – Vorreiterinnen bei der intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben („Work-Life-Balance“) – vermuten das schon lange. Doch die Unternehmen wollten Zahlen sehen.

Einige der ganz Großen - darunter DaimlerChrysler, die Telekom und Bertelsmann – beauftragten daher die renommierte Prognos-AG, einmal auszurechnen, was Work-Life-Balance wirklich bringt. Die Zahlen sind erstaunlich. 1,6 Prozent Produktivitätssteigerung pro Arbeitsstunde errechneten die Wissenschaftler, die Kosten für die Maßnahmen sind da schon abgezogen. 1,3 Prozent zusätzliches Wirtschaftswachstum bis zum Jahr 2020, macht 248 Milliarden Euro, außerdem eine  Millionen zusätzliche Geburten und 152 Milliarden Euro Einsparungen bei den gesetzlichen Krankenkassen.

 

Den betriebswirtschaftlichen Effekt für das einzelne Unternehmen hatte Prognos bereits zuvor errechnet: 25 Prozent Return on Investment - das heißt von 100 in familienfreundliche Maßnahmen investierte Euro fließen 125 Euro zurück. Diese Rendite gilt für einen Modellbetrieb mit 1500 Beschäftigten. Bei kleinen Handwerksbetrieben liegt der  Einspareffekt zwischen 10.000 und 100.000 Euro im Jahr. „Häufig bringen kleine, kostengünstige Veränderungen die größten Effekte“, erläutert Delia Temmler-Häring von der Kommunalstelle Frau & Beruf in Herten. „Zum Beispiel effektiv organisierte Arbeitszeiten oder Informationen für Beschäftigte in Elternzeit.“ Eine geringere Fluktuation bei den Beschäftigten, ein geringerer Krankenstand, eine schnellere Rückkehr aus der Elternzeit, eine höhere Leistungsfähigkeit und -bereitschaft und weniger Reklamationen sind die wichtigsten Faktoren, die positiv zu Buche schlagen.

 

Kein Wunder, dass die Unternehmen mittlerweile beim Thema Work-Life-Balance die Ohren spitzen und dabei gern auf das Know-how der Regionalstellen Frau & Beruf zurückgreifen. Michael Steiner von Prognos in Basel erläutert: „Bis vor kurzem war Work-Life-Balance nur bei Spezialisten ein Thema, doch vor etwa zwei bis drei Jahren hat ein Bewusstseinswandel eingesetzt, denn auch die großen deutschen Wirtschaftsverbände zeigen Interesse daran. Hintergrund ist der mögliche Verlust von dringend benötigtem Know-how und die Auswirkungen des demografischen Wandels für Unternehmen. Sie können es sich in Zukunft nicht mehr leisten, auf die Talente von Frauen zu verzichten.

 

Bislang wurde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie doch hauptsächlich als Frauenthema verstanden. Die 46 Regionalstellen Frau & Beruf in Nordrhein-Westfalen, die auf langjährige Erfahrungen mit dem Thema zurückgreifen stellen jedoch fest, dass sich die Schwerpunkte verschoben haben: weniger klassische Wiedereinsteigerinnen nach mehrjähriger  Familienpause, mehr Bedarf nach ganzheitlicher, flexibler Lebens- und Berufsplanung.

 

Auch in den „lokalen Bündnissen für Familie“, in denen sich zum Beispiel die Kommunalstelle Frau und Beruf in Herten engagiert, treten die Vorteile zutage, wenn Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen: Erzieher und Politikerinnen, Unternehmer und Lehrerinnen bauen Vorbehalte ab und kommen schnell zu pragmatischen Ergebnissen.

 

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Die Regionalstellen Frau & Beruf:

Die 46 Regionalstellen Frau & Beruf in Nordrhein-Westfalen sind Ansprechpartnerinnen für alle Fragen rund um die Themen Ausbildung, Beruf, Weiterbildung und Unternehmerinnentum und kooperieren mit den wichtigen Akteuren der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes. In der Beratung erreichen sie landesweit etwa 14.000 Frauen und Mädchen jährlich, in Fach- und Informationsveranstaltungen sogar etwa 60.000.

 

Infos: www.frau-und-beruf-nrw.de

 

Chancen gleich nutzen. Anregungen für die personalpolitische Praxis in Unternehmen. Mit Beiträgen von Mitarbeiterinnen aus Regionalstellen. Hrsg.: Zentrum Frau in Beruf und Technik, Mai 2005

Bezug über ZFBT, Tel. 02305/92150-19 oder

E-Mail zfbt@zfbt.de

 

Die Prognos-Studien

Work-Life-Balance – Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität“, Juni 2005.

Familienfreundliche Maßnahmen im Handwerk. November 2004

Betriebswirtschaftliche Effekte familienfreundlicher Maßnahmen. Kosten-Nutzen-Analyse. September 2003.

 

Download www.prognos.com

Pressekontakt: Ansprechpartnerin: Delia Temmler-Häring, Kommunalstelle Frau & Beruf, Herten, Tel.:02366/303620