Bocholt, 12. September 2005
Aus "Seeadler" wird "Hannibal"
Bocholter Delegation verabschiedet Patenschiff
Bocholt (pd).
Wehmut kam auf, als für die Delegation der Stadt Bocholt und die Besatzung des Bocholter Patenschiffs das letze Mal die Auslaufmusik "Theme aus Crimson Tide" aus den Lautsprechern erklang. Der "Seeadler" startete am Wochenende auf der Ostsee zur letzen Ausfahrt unter deutscher Flagge.
Die Delegation bestand aus Marinekameradschaft Bocholt 1904 e.V. , der ersten stellvertretenden Bürgermeisterin Christel Feldhaar, die Stadtverordneten Anton Harks und Josef Schlebes, Theo Theissen (BBV), Reinhard Jahn und Petra Taubach von der Stadt Bocholt.
"Wir haben 'gutes norddeutsches Wetter'", brachte Kommandant und Korvettenkapitän Michael Horsten es auf den Punkt, "ein bisschen Welle, ein bisschen Ostwind. Lassen Sie uns die paar Stunden genießen, auf diesem Schiff werden wir uns so nie wiedersehen", schwang auch ein bisschen Wehmut in seiner Stimme mit, als der Seeadler auf die Ostsee fuhr.
Ohne Geschützmunition, die schon von Bord war, gab es zwar keine Schussvorführungen, doch hatten Delegation und Besatzung Spaß an der teilweise unruhigen Fahrt, wenn die Gischt über das Vorderdeck spritzte und einige eine unfreiwillige Dusche Salzwasser nahmen. Laut wurde es dann, als das Schwesterschiff "Wiesel" in voller Fahrt vorbeifuhr und sich die beiden Schiff emit Leutchtmunition begrüßten. "Seit einigen Jahren gibt es eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Schnellboote", berichtete der langjährige Kommandant Christoph Curdes, "ansonsten könnte der Seeadler viel schneller Fahrt aufnehmen." Mit 30 Knoten (55,56 km/h) pflügte der "Seeadler" durch die Wellen.
Am Abend begrüßte Michael Horsten rund 120 geladene Gäste im Betreuungsheim in der Kaserne "Hohe Düne", darunter auch viele ehemalige Schnellbootmänner und Kommandanten . "Die Patenschaft, und das hat sich in der langen Geschichte gezeigt, lebt von den Menschen, die mit Freude und Engagement dabei sind und sie aufrechterhalten", so Horsten. Es seien ganz besondere Freundschaften entstanden, "und diese bestehen sicherlich auch über den "Seeadler" hinaus", so Horsten. "Lassen Sie uns froh sein über die Zeit, die hinter uns liegt und den Tag, den wir heute noch gemeinsam begehen konnten", meinte er abschließend.
"Die Freundschaften, die im Laufe der Jahre entstanden sind, werden auch über den Tag heute hinaus bestehen", meinte auch Bocholts stellvertretende Bürgermeisterin Christel Feldhaar. Bocholt habe viel zu bieten, die Kirmes sei sicherlich das Highlight, so dass Besuchen in der Patenstadt nichts im Wege stünde.
Auch Feldhaar blickte zurück und zitierte den ehemaligen Bürgermeister Heinrich Haltermann: "Wenn Steuergelder in die Friedenssicherung fließen, ist jede Mark gut angelegtes Geld." Feldhaar: "Das sehe ich genauso. Ich bin froh, dass sich die Stadtverordnetenversammlung seinerzeit für eine Patenschaft entschieden hat."
Lob fand die Leiterin der Bocholter Abordnung auch für das caritative Engagement der Besatzung des Seeadlers. "Auch wenn es einigen nie vergönnt war, in die Patenstadt zu fahren", so Feldhaar, "ist es doch der Besatzung in jedem Jahr gelungen, bei der Weihnachtsfeier durch eine Versteigerung oder eine Tombola einen Geldbetrag für einen sozialen Zweck zur Verfügung zu stellen. Dafür noch einmal herzlichen Dank, das zeigt die Verbundenheit der Besatzung mit ihrer Patenstadt ganz besonders." Lobende Worte fand Feldhaar auch für die Marinekameradschaft, die "Jahr für Jahr als Gasteltern zur Verfügung standen und den Kontakt zum Patenschiff über die Jahre aufrecht erhalten haben." Über diese Entfernung sei das nicht selbstverständlich, so Feldhaar. "Ich hoffe doch, das wir in gewissen Zeitabständen doch noch zusammen kommen", schloss sie ihre Ausführungen.
Echte Tränen in den Augen hatte Reinhard Kempka, erster Vorsitzender der Marinekameradschaft, der sagte, dass die "blauen Botschafter" überall stets willkommen gewesen seien. Kempka dankte Horsten für den schönen Abschied und schloss mit einem "Nach vorn geht der Blick, zurück darf kein Seemann schauen".
Und der Blick nach vorne geht zur Bocholter Kirmes, zu der Kempka die Besatzung des Seeadlers einlud. Am Kirmessamstag soll für die Fahrwassertonne, die die Besatzung der Marinekameradschaft im letzten Jahr geschenkt hatte, ein Platz am Aasee gefunden und eingeweiht werden. Inge Rothkirch, Frauenbeauftragte der Marinekameradschaft, überbrachte der gesamten Besatzung des Seeadlers jeweils eine Leuchte, "damit euch immer ein Licht aufgeht".
Nach dem Austausch der vielen Geschenke sorgte Michael Horsten noch für eine Überraschung, als er Hedwig Hessing für das Projekt "Kolibri" des SKM einen Scheck über 1.000 Euro überreichte. Das Geld sei bei einer Mannschaftsfeierlichkeit gesammelt worden. Damit setzte Horsten die Tradition seiner Vorgänger fort. "Ich bedanke mich sehr herzlich", so eine gerührte Hessing, "gerade für unser rein spendenfinanziertes Projekt kommt diese Hilfe gerade richtig."
Mit einer Versteigerung von Utensilien des nunmehr ehemaligen Patenschiffes, diversen launigen Seemannsliedern des Shantychores feierten Besatzung, Marinekameradschaft und Gäste noch bis spät in die Nacht.
Am Sonntag Mittag gab es für die Marinekameraden gemeinsam mit der „Seeadler“-Besatzung den letzten Abschiedsbrunch an Bord. Anschließend holten zwei junge Mariner die Bocholt-Fahne ein, die in den vergangen 28 Jahren am Mast des Patenschiffs wehte.
Mit der offiziellen Übergabe der Stadtfahne durch Kommandant Michael Horsten an die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Feldhaar wurde das Ende der Patenschaft zwischen der Stadt Bocholt und dem Schnellboot S68 „Seeadler“ endgültig besiegelt. Horsten dankte nochmals für den Besuch der Bocholter Marinekameradschaft sowie der Abordnung der Stadt in Warnemünde, da „dadurch ein würdiger Rahmen für das Ende der Patenschaft gefunden wurde“.
Korvettenkapitän Michael Horsten nahm mit der Übergabe der Fahne seine vorletzte Aufgabe an Bord des „Seeadlers“ wahr. Er verließ aus dienstlichen Gründen ebenfalls am Sonntag, 11. September 2005, das ehemalige Bocholter Patenschiff und wird nur noch zur offiziellen Übergabe des Kommandos am 23. September 2005 nach Warnemünde zurückkehren.
Die endgültige Übergabe des Schnellbootes an die tunesische Marine erfolgt am 29. September 2005. Dann wird das Schiff auf den Namen "Hannibal" umgetauft. Bis dahin hat der derzeitige 2 .Wachoffizier Jan Fitschen das Kommando an Bord. Für viele der „Seeadler“-Besatzungsmitglieder steht die künftige Verwendung bereits fest: Einige werden auf anderen Schnellbooten ihren Dienst versehen, einige finden neue Aufgaben an Land bei verschiedenen Marineeinheiten, und andere warten noch auf ihren weiteren dienstlichen Einsatz.
Eines ist aber bereits jetzt gewiss: Die Marinekameradschaft freut sich, das eine oder andere ehemalige Besatzungsmitglied des „Seeadlers“ zur diesjährigen Bocholter Kirmes begrüßen zu dürfen, denn die erfahrenen Seeleute wissen dieses Highlight in ihrer ehemaligen Patenstadt auch nach Ende der offiziellen Patenschaft zu schätzen.
Auf der Seite www.bocholt.de stehen viele aktuelle Bilder zur Verabschiedung zur Verfügung. Auch weitere Informationen zum ehemaligen Bocholter Patenschiff S68 "Seeadler" sind dort zu finden.
Pressekontakt: Stadt Bocholt - Fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands, Fachbereich Zentrale Verwaltung, Petra Taubach (Text), Tel. 0 28 71 / 95 33 28, E-Mail: ptaubach@mail.bocholt.de