Hören statt Lesen

12.10.2005 | Herten

Münchener Hörverlag präsentiert sich im Glashaus

Bereits seit fast zwei Jahren stellt die Stadtbibliothek interessante Verlage in Ausstellungen vor. Im Oktober ist der 1993 gegründete Münchener Hörverlag zu Gast im Glashaus und zeigt einen Ausschnitt seines umfangreichen Programms an Literatur-CDs.

Petra Toppmöller, Bibliothekarin der Stadtbibliothek, sprach mit Stefanie Frühauf, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Verlag:

Petra Toppmöller: Sie haben spontan Ihre Teilnahme an unserer Veranstaltungsreihe zugesagt? Was waren Ihre Gründe hierfür und was erhoffen Sie sich von der Ausstellung?

Stefanie Frühauf: Wir würden uns freuen, wenn auch Bibliotheksbesucher, die noch kein Hörbuch in der Hand hatten, jetzt Lust bekommen reinzuhören und sich ein Hörbuch nach Hause mitnehmen. Es gibt Krimis z.B. von Henning Mankell, Klassiker wie die "Buddenbrooks", Humorvolles, CDs für Kinder-und Jugendliche, "Harry Potter"... Bestimmt ist für jeden das Richtige dabei.

Toppmöller: Mehr als 500 lieferbare Titel und 100 bis 120 Novitäten im Jahr, ein Drittel der Produktionen mit Preisen ausgezeichnet und mit 40 % Marktanteilen Marktführer im Bereich der Hörbücher - wie hat der Hörverlag diese Erfolge erreicht?

Frühauf: Wir haben immer großen Wert darauf gelegt, mit einem vielfältigen Programm, sehr guter Qualität und ansprechender Verpackung, den literarischen Werken gerecht zu werden. Den Kundenwünschen entgegenzukommen - aber durchaus auch einmal ein unternehmerisches Risiko einzugehen.

Toppmöller: Hörbücher führten bis vor einigen Jahren ein Nischendasein. Innerhalb von zehn Jahren stieg das Gesamtumsatzvolumen des Hörbuchmarktes von 0,5 Mio € auf 60 Mio. € Tendenz steigend. Worin sehen Sie die Gründe für diesen Boom von Hörbüchern?

Frühauf: Es gibt viele Gründe. Die wichtigsten: zunächst ein breites Spektrum von Neuerscheinungen der Hörbuchverlage, begleitet von konsequentem Marketing. Viele Menschen haben immer weniger Zeit und möchten "verlorene Zeit", z.B. beim Autofahren, sinnvoll nutzen und sich nebenher gut unterhalten lassen. Aber auch: der Reizüberflutung unserer heutigen Zeit entfliehen indem man sich für ein paar Stunden einmal nur auf das Hören konzentriert. Zudem ist eine Generation herangewachsen, die keine Hemmungen vor der Technik hat und mit Hörspielplatten aufgewachsen ist.

Toppmöller: Wie wird ein Hörbuch produziert und wie lange dauert es?

Frühauf: Das kann völlig unterschiedlich sein - von einem Tag, bis zu vielen Monaten oder sogar Jahren, abhängig von der Länge des Textes, der Anzahl der Sprecher u.v.m. Eine Lesung wird mit einem Sprecher und einem Regisseur in einem Tonstudio aufgenommen; nachträglich werden Unsauberkeiten bearbeitet und entsprechend die Aufnahme geschnitten. Bei einem aufwändigen Hörspiel mit Musik, Geräuschen, vielen Stimmen muss wie bei einem Theaterstück zunächst eine Hörspielfassung erstellt werden und die einzelnen Schritte sind entsprechend komplizierter. Deshalb ist auch die Produktionszeit länger.

Toppmöller: Die Buchmesse beginnt in der nächsten Woche - was haben Hörbücher für einen Stellenwert bei der Frankfurter Buchmesse? Wie präsentiert sich der Hörverlag?

Frühauf: Der Stellenwert nimmt von Jahr zu Jahr zu, dies zeigt sich in Form von größeren Präsentationsflächen, mehr Veranstaltungen, stetig wachsendem Interesse bei den Besuchern usw. Der Hörverlag beteiligt sich u. a. mit zwei Präsentationsflächen, einem großen Team, Veranstaltungen - und gibt den Startschuss für sein Downloadportal www.claudio.de, das Literatur zum Hören im Internet anbietet.

Toppmöller: Was macht für Sie der Reiz an gesprochener Literatur auf MC oder CD aus?

Frühauf: Die andere, sinnliche Erfahrung von Literatur, die oft einen ganz neuen Zugang darstellt: Autoren wie Ingeborg Bachmann oder Thomas Mann zu hören, wie sie selbst ihre Texte lesen, ist einfach beeindruckend - und auch ein sehr archaisches Literaturerlebnis, denn so nahm ja die Welt-Literatur (die Erzählungen aus "1001 Nacht" z.B.) ihren Anfang. Und natürlich liegt in der Stimme auch etwas sehr persönliches. Ingeborg Bachmann sagte einmal: Die Eigentümlichkeit einer Stimme, die so und so beschaffen ist, wird kein Fortschritt aus der Welt schaffen."

Toppmöller: Gibt es ein Erfolgsgeheimnis des Verlags?

Frühauf: Leidenschaft!

Toppmöller: Vielen Dank für das Interview!

Pressekontakt: Pressestelle, Svenja Küchmeister, Telefon: 02366-303227, eMail: s.kuechmeister@herten.de