Blutsbande oder Kindeswohl

18.10.2005 | Herten

Fortbildungsveranstaltung des Pflegekinderdienstes

Der Hertener Pflegekinderdienst bietet für alle interessierten (Pflege-) Eltern eine Fortbildungsveranstaltung an zum Thema: "Besuchskontakte zwischen Kindern und Herkunftseltern". Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, 20. Oktober, von 20 bis 22 Uhr in der Familienbildungsstätte, Kurt-Schumacher-Straße 13.

Referent ist der Bereichsleiter Hilfe zur Erziehung der Stadt Herten, Heinzjürgen Ertmer. Er hat über 20 Jahre im Bereich des Pflegekinderdienstes der Stadt Herten gearbeitet und ist seit 1998 Mitglied im Kuratorium der Stiftung zum Wohle des Pflegekindes.

Der Vortrag behandelt die Ausgestaltung von Besuchskontakten zwischen Pflegekindern und ihren leiblichen Eltern. Er versucht dabei die verschiedenen Formen der Pflegekindervermittlung zu berücksichtigen, stellt aber auch wie Prof. Ludwig Salgo die Frage: "Worin bestand die Kindeswohlgefährdung, die zur Fremdplatzierung führte? Von der Beantwortung dieser und anderer Fragen hängt das Ob, das Wie, das Wo, das Wie lange und die Frequenz von Umgangskontakten des Pflegekindes mit seinen leiblichen Eltern ab."

Heinzjürgen Ertmer: "Genauso wichtig sind natürlich auch die Fragen, wem denn die Besuchskontakte nutzen. Wo ist denn das Wohl des Kindes am besten gewährt, wie und wo findet es Berücksichtigung, wenn es zwar wegen der erlebten Gewalt nicht mehr im elterlichen Haushalt leben darf, aber eben die für diese Gewalt Verantwortlichen, das Kind im Haushalt der Pflegeeltern besuchen kommen."

Von vielen Menschen wird nach einer gewissen Zeit nicht mehr wahrgenommen, warum damals die Kinder untergebracht worden sind. Die Universität Ulm hat in einer Untersuchung die Häufigkeit der Unterbringungsgründe für Kinder in Pflegefamilien festgehalten und folgende Rangfolge aufgeschrieben: "Vernachlässigung, Misshandlung, finanzielle oder Wohnprobleme, psychische Störungen der Eltern, Erziehungsunfähigkeit, emotionale Ablehnung des Kindes, Eheprobleme, gravierende Eltern-Kind-Konflikte, sexueller Missbrauch, Tod und Abwesenheit von Eltern, Alkohol- und Drogenmissbrauch." Für Heinzjürgen Ertmer ergeben sich daraus Fragen: Ist dieses alles nach einer Zeit nicht mehr die Wirklichkeit, weil Kinder und Täter getrennt sind? Glaubt man denn Kinder vergäßen schnell, erlebten keine angstvollen, durchweinten Nächte, weil sie irgendwann erinnert werden und die Taten immer wieder neu durchleben.

Oder liegt die Erklärung für die immer lauter werdenden Forderungen nach Besuchskontakten doch daran, dass es immer noch die sehr wichtigen, alles erklärenden "Blutsbande", gibt, dass "Blut doch dicker ist als Wasser"?

Sollten Sie Fragen zu diesem spannenden Thema haben, seien Sie herzlich willkommen. Das Team des Hertener Pflegekinderdienstes würde sich freuen, Sie an diesem Abend begrüßen zu können. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, Eintritt wird nicht erhoben.

Auskünfte und Informationen erhalten Sie unter den Telefonnummern: 02366/303524 (Christine Adam-Blume), 02366/ 303265 (Jutta Finger), 02366/303470 (Jürgen Wehr) und 02366/303501 (Herr Wolfgang Behr).

Pressekontakt: Ralf Angrick, Fachbereich Schule und Jugend, Telefon: 02366/303629