Förder, Geschützgänge und eine neue Brücke für Fußgänger und Radler
Historisches und Modernes am Schleinufer
Magdeburg.
Am Fürstenwall entsteht in Höhe der Architektenkammer derzeit eine neue Brücke über das Schleinufer. Sie bleibt Fußgängern und Radfahrern vorbehalten und soll eine Touristenattraktion werden. Gleichzeitig wird Verschüttetes aus dem mittelalterlichen Magdeburg wieder sichtbar: ein Förder, Geschützgänge am Turm Cleve und die historische Stadtmauer.
Insgesamt wurden für den Neubau der Brücke 1,1 Mio. EURO aus dem Förderprogramm "Stadtumbau Ost" bewilligt. In die Rekonstruktion der historischen Anlagen fließen Mittel aus dem Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz".
Das Schleinufer wird in mehreren Stufen vierspurig ausgebaut, um die Innenstadt von Verkehr zu entlasten. "Der Ausbau verstärkt jedoch die Barrierewirkung des Schleinufers für Fußgänger und Radfahrer", nennt Stadtplanungschef Dr. Eckhart Peters einen Grund für den Neubau einer Querung für Fußgänger und Radfahrer südlich vom Dom. "Für gehbehinderte Menschen gibt es im südlichen Bereich des Schleinufers bisher gar keine sicheren Übergänge, weshalb die neue Brücke auch für Rollstuhlfahrer geeignet sein wird."
Entsprechend dem Tourismuskonzept der Landeshauptstadt soll das südliche Stadtzentrum mit der Fuß- und Radwegebrücke eine touristische Aufwertung und Verknüpfung mit der Elbuferpromenade erfahren. Damit wird es künftig für Fußgänger und Radfahrer eine direkte Verbindung vom Domplatz zum Elbebahnhof geben. Das Gelände, für das es inzwischen einen Bebauungsplan gibt, könnte künftig mit drei- bis viergeschossigen Wohnhäusern bebaut sein. "Wir sehen die Brücke als wichtige Initialzündung für die Entwicklung des Elbebahnhofes", so Dr. Eckhart Peters.
Die Elbuferpromenade ist Teil des landesweit initiierten Tourismuskonzeptes "Blaues Band". Sowohl das südliche Stadtzentrum mit dem gründerzeitlichen Ensemble in der Hegelstraße als auch das romanisch-gotische Tourismuszentrum um den Domplatz und die Fürstenwallpromenade können durch die neue Brücke an die südliche Elbuferpromenade angebunden werden. "Wir wollen die Elbe wieder in die Stadt holen, ihr Ufer unmittelbarer erlebbar machen", erläutert Stadtplaner Peters einen wichtigen Grundsatz von Stadtentwicklung in Magdeburg. "Dies ist inhaltlicher Schwerpunkt unserer Projekte im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2010, die unter dem Motto ‚Leben an und mit der Elbe‘ stehen."
Neue Brücke für Fußgänger und Radfahrer
Zur Gestaltung der Brücke hatte das Stadtplanungsamt 2003 einen Wettbewerb mit verschiedenen Architektur- und Ingenieurbüros unter Beteiligung der Fraktionen des Stadtrates durchgeführt. Im Ergebnis wird eine schlanke und elegante Brücke entstehen, die einerseits die notwendige Durchfahrtshöhe für den Schwerlastverkehr auf dem Schleinufer berücksichtigt und andererseits behindertengerechte Steigungsmaße einhält.
Deshalb ist ein Einschnitt in die gründerzeitliche Mauer zwischen Schleinufer und Fürstenwallpark erforderlich. Im Fürstenwallpark wird der Weg behindertengerecht in Richtung Domplatz/Danzstraße fortgesetzt. Nach Überquerung des Schleinufers führt die auf Pfeilern ruhende Brücke in südlicher Richtung hinab zur Elbuferpromenade. Fußgänger können von der Brücke über eine zusätzliche Treppe auch direkt in nördlicher Richtung die Elbuferpromenade erreichen. Den besonderen Reiz der Brücke bildet ein "Ausguck", der direkt über der Elbe schwebt und von dem aus sich sehr schöne Blickbeziehungen nach Norden, Süden und Osten ergeben.
Die Bauarbeiten für die neue Brücke haben bereits begonnen, derzeit entsteht an der Mauer unterhalb der Architektenkammer das westliche Brückenauflager. Es wird nach Fertigstellung mit Naturstein verblendet.
Neugestaltung des Fürstenwallparks
Unter dem Fürstenwallpark schlummert ein Teil des alten Magdeburgs. Ein "Förder" genannter Tunnel war schon seit langem bekannt. Er ist bereits in der Karte Otto von Guerickes aus dem Jahre 1632 zum Wiederaufbau der Stadt nach dem 30jährigen Krieg verzeichnet. Es handelt sich um einen alten Ausgang aus der befestigten Stadt. Der eigentliche Ausgang des Tunnels liegt ca. 8 m unter dem Niveau des Fürstenwallparks.
Beim Bau des Fürstenwallparks war das Gelände aufgefüllt und der Tunnelausgang mit den umgebenden Festungsmauern zugeschüttet worden. Tunnel und Festungsmauern sollen wieder für die Öffentlichkeit erlebbar werden. Hierzu wird der unmittelbar vor dem Tunnelausgang liegende Teil des Parks abgesenkt. Dieser "Vorhof" wird über eine Treppe an den Fürstenwallpark angeschlossen und gleichzeitig durch einen Einschnitt in der Mauer an das Schleinufer. Der Einschnitt nimmt bezug auf einen Ausgang, der sich an dieser Stelle der Festung einmal befand.
Als Spezialisten das Gelände in Vorbereitung der Baumaßnahme auf Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg untersuchten, wurden weitere, bislang unbekannte Festungsbauten entdeckt. Es handelt sich um Reste des ehemaligen Turms Cleve und um Gänge mit Geschützstellungen. Sie stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts (ca. 1550) und befinden sich in einem relativ guten Zustand. Aufgrund der Funde wurde die ursprüngliche Planung abgewandelt. Die historische Anlage wird nunmehr in das Gestaltungskonzept integriert, so dass auch dieser Teilbereich, der einen Abschnitt der Geschichte Magdeburgs dokumentiert, künftig für die Öffentlichkeit erlebbar sein wird.
Nach Fertigstellung der Brücke wird auch die Mauer am Schleinufer - sie ist nicht Bestandteil der "historischen Stadtmauer", sondern erst in der Zeit nach 1870, in der Gründerzeit entstanden - saniert.
Für sämtliche Bauvorhaben wurden die erforderlichen Abstimmungen zwischen der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie geführt, die seinerzeit auch an der Durchführung des Wettbewerbs zur Brücke über das Schleinufer beteiligt waren.
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