Presseinformationen der Landeshauptstadt Magdeburg
 
[Alle Meldungen]
[Medienarchiv]
[E-Mail-Abo]
[Suche]

[Druckansicht]

Magdeburg, 15. August 2006
Nachrichten aus der wöchentlichen Dienstberatung des Oberbürgermeisters

Magdeburg.

Jahresabschlüsse

Die geprüften und mit uneingeschränkten Bestätigungsvermerken versehenen Jahresabschlüsse 2005 der Magdeburger Hafen GmbH und der Magdeburger Verkehrsbetriebe GmbH liegen vor. Sie gehen nach Beratung in den Ausschüssen in den Stadtrat. Die Gesellschaftervertreter sollen den Geschäftsführern sowie den Aufsichtsräten beider Gesellschaften für das Geschäftsjahr 2005 Entlastung erteilen.

 

B-Plan Regierungsstraße

Der Bebauungsplan Nr. 239-3 "Regierungsstraße" soll nach öffentlicher Auslegung geändert werden. Die Änderungen betreffen Baugrenzen und Gebäudehöhen. Außerdem hat die Verwaltung die während der öffentlichen Auslegung eingegangenen Hinweise und Stellungnahmen abgewogen. Sie schlägt vor, ihnen teilweise zu folgen. Die Änderung des B-Plans muss der Stadtrat beschließen, über die Abwägung wird im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr entschieden. Anschließend soll der B-Plan als Satzung beschlossen werden.

 

Bereitstellung von Bauland

Um den Bedarf an Bauland zu decken - jährlich rund 400 Grundstücke - will die Stadt auch weiterhin Grundstücke für den Bau von Eigenheimen bereitstellen. Mittelfristig sollen deshalb drei Flächen am westlichen Stadtrand für Häuslebauer bereitgestellt werden.

Dabei handelt es sich um folgende Standorte:

1. südlich Gersdorfer Weg

Der Standort befindet sich westlich der Straße Zum Lindenweiler, nördlich der Harsdorfer Worthen. Die als Grabeland genutzte, in den Randbereichen teilweise mit Garagen bebaute Fläche liegt inmitten einer zu DDR-Zeiten errichteten Einfamilienhaussiedlung. Sie ist im Flächennutzungsplan als Wohnbauland dargestellt. Zur Schaffung von Baurecht ist die Durchführung eines Bauleitplanverfahrens notwendig. Es könnten ca. 12 Baugrundstücke entwickelt werden.

 

 

2. Herbert-Landwehr-Straße

Der Standort umfasst einen Grabelandstreifen östlich der Herbert-Landwehr-Straße sowie eine Kleingartenanlage. Die Fläche befindet sich innerhalb der bestehenden Wohnsiedlung zwischen der Bebauung an der Herbert-Landwehr-Straße und den Ein- und Zweifamilienhäusern auf der Westseite des Rabenweges. Für die Kleingärten ist eine Anpassung des Flächennutzungsplanes erforderlich. Es muss ein Bauleitplanverfahren durchgeführt werden. Auf dem Gelände wäre die Unterbringung von ca. 15 Bauparzellen möglich.

3. Harsdorfer Straße 67

Auf dem nördliche Teil des Grundstücks befinden sich zwei ältere Schulgebäude, eine Sporthalle und entsprechende Freianlagen. Zur Zeit wird der Schulstandort noch durch das "Otto-von-Guericke" Gymnasium genutzt. Gemäß dem mittelfristigen Schulentwicklungsplan bis 2008 / 2009 wird sich im Zielplanjahr das Gymnasium nicht mehr in der Harsdorfer Straße 67 befinden. Die Chancen für einen Verkauf der Fläche mit den für eine Nachnutzung nur bedingt geeigneten Gebäuden werden als sehr schlecht eingeschätzt. Der Abbruch der Substanz und die Entwicklung zum Einfamilienhausstandort erscheinen in diesem Zusammenhang aufgrund der bevorzugten Lage als eine auch wirtschaftlich vertretbare Alternative.

Der Flächennutzungsplan der Flächen für den Gemeinbedarf darstellt muss geändert und ein Bebauungsplanverfahren durchgeführt werden. Es könnten ca. 30 Baugrundstücke entwickelt werden.

 

Straßennamen

Im Baugebiet Klusdamm/Thomas-Mann-Straße müssen die Erschließungsstraßen benannt werden. Die AG Straßennamen schlägt folgende Namen vor:

  • Willy-Rosen-Straße
  • Christa-Johannsen-Straße
  • Ilse-Voigt-Straße
  • Adele-Elkan-Straße.

Hintergrund:

Für das Gebiet der ehemaligen Kasernenanlage zwischen der Thomas-Mann-Straße und dem Klusdamm hat der Stadtrat bereits 1992 die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen. In den vergangenen Jahren wurde mit der Realisierung des Projektes für familienfreundliches Bauen der westliche Teilbereich mit Einfamilienhäusern bebaut. Die neu entstandenen Erschließungsstraßen wurden nach den Schriftstellern E. Kästner, H. Fallada, L. Thoma und B. Reimann benannt. In Fortsetzung dieser Benennungsreihe wird vorgeschlagen, die neu entstehenden Straßen nach Willy Rosen, Christa Johannsen, Ilse Voigt und Adele Elkan zu benennen.

Es handelt sich um Künstler und Schriftsteller, die besonders mit Magdeburg verbunden waren. Insbesondere sollen mit der Straßenbenennung langjährige Vorschläge weiblicher Persönlichkeiten gewürdigt werden.

 

Willy Rosen wurde am 18.07.1894 als Willy Julius Rosenbaum in Magdeburg geboren. Seine Mutter, Amalie, war gebürtige Magdeburgerin, die den Kaufmann Arthur Rosenbaum geheiratet hatte. Nach seiner Schulzeit absolvierte er mit Erfolg eine Lehre in einer Berliner Konfektionsfirma. 1915 erfolgte die Einberufung zum Kriegsdienst. Nach einer schweren Verwundung gründete er noch im Krieg die "Kapelle Rosen" und schrieb kleine Stücke und Lieder. 1919 kehrte er nach Berlin zurück und arbeitete zunächst wieder bei seiner ehemaligen Konfektionsfirma. Nebenher spielte er abendlich in Berliner Cafe’s. In den "Goldenen Zwanzigern" brachte er nach 1924 eigene musikalische Lustspiele heraus und seine Popularität wuchs durch Auftritte und Klavierbegleitung von Filmen in großen Kinopalästen. Zu seinem Markenzeichen und geflügeltem Wort wurde seine Ankündigung: "Text und Musik von mir!" zu Beginn seiner Auftritte. 1933 erhielt Willy Rosen in Deutschland Auftrittsverbot. Nach Gastspielen im Ausland emigrierte er schließlich nach Holland. Als 1942 die Niederlande besetzt wurde, gelang ihm die Flucht aus Europa nicht mehr. Die Nationalsozialisten deportierten ihn nach Theresienstadt und anschließend nach Auschwitz, wo er am 28.10.1944 ermordert wurde.

Christa Johannsen wurde am 17.11.1914 in Halberstadt geboren. Nach ihrem Abitur in Halberstadt studierte sie in Berlin Philosophie und promovierte. Nach 1945 lehrte sie als Dozentin an der Fachschule für Bauwesen in Blankenburg/Harz und wurde Mitglied der CDU. Ab 1956 arbeitete sie als freischaffende Schriftstellerin, Übersetzerin und Mitarbeiterin für die Zeitung Neue Zeit in Magdeburg. Von 1963 bis 1969 leitete sie den Vorstand des Schriftstellerverbandes im Bezirk Magdeburg. Sie kümmerte sich intensiv um den Nachwuchs und die Leseförderung und leitete ab 1973 einen Zirkel schreibender Arbeiter sowie die Gruppe Junger Prosaisten der FDJ. Zu ihrem Werk gehören verschiedene Romane, Erzählungen und Reportagen sowie zahlreiche Arbeiten in Zeitschriften und Zeitungen. Als Auszeichnungen erhielt sie u.a. den Erich-Weinert-Preis der Stadt Magdeburg und den Lion-Feuchtwanger-Preis der Akademie der Künste. Christa Johannsen starb am 09.04.1981 in ihrer Magdeburger Wohnung.

Ilse Voigt wurde am 03.02.1905 in Chemnitz geboren. Nach einer privaten Schauspielausbildung in Dresden debütierte sie bereits mit 17 Jahren am Theater Chemnitz. Nach Engagements in Dresden und Mulhouse musste sie während der letzten Jahre des II: Weltkrieges in der Rüstungsindustrie arbeiten. Nach dem Krieg spielte sie in Dresden, Pirna, Weimar, Leipzig, Quedlinburg, Erfurt und ab 1959 in Magdeburg. Hier war sie bis zum Erreichen des Rentenalters ein profilbestimmendes Ensemblemitglied und gastierte auch danach kontinuierlich weiter. Gleichzeitig gab sie als private Schauspiellehrerin vielen jungen Schauspielern ein solides Rüstzeug für den Beruf. Neben ihrer Magdeburger Tätigkeit arbeitete sie als Synchronsprecherin und in Rollen bei der DEFA und dem DDR-Fernsehen. Ilse Voigt starb am 03.06.1990 in Magdeburg. Ihre Tochter, Gisela Wahlberg, auch eine Magdeburger Schauspielerin, stimmt dem Benennungsvorschlag zu.

Adele Elkan wurde am 23.03.1884 in Magdeburg geboren und verbrachte ihre Jugendzeit in Magdeburg. Beruflich wirkte sie in Berlin-Wilmersdorf als Redakteurin der Zeitschrift Mädchenpost. Als Schriftstellerin verfasste sie zahlreiche Romane und Jugendschriften überwiegend für Mädchen und weibliche Leser. Daneben übersetzte sie Bücher aus dem Englischen und Französischem. Im Zuge der nationalsozialistischen Judenverfolgung wurde sie in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wo sie wahrscheinlich 1943 umkam.

Auch im Baugebiet westlich der Lübecker Straße muss die Erschließungsstraße einen namen bekommen. Die AG Straßennamen schlägt dafür die Benennung "Heinrich-Mundlos-Ring" vor. Friedrich Heinrich August Mundlos wurde am 23.12.1836 in Barby geboren. Als Sohn eines Schuhmachermeisters erlernte er nach dem Besuch der Grundschule zunächst das Schuhmacherhandwerk. Während seiner Wanderschaft erlernte er in Berlin, Dresden, Königsberg und Magdeburg den Metallberuf. 1863 gründete er gemeinsam mit Hermann Schulz eine Nähmaschinenfabrik in Magdeburg, die zunächst Maschinen nach dem Singer-System herstellte. 1882 brachte Mundlos die erste eigene Nähmaschine heraus, die sich durch ihren leichten Gang auszeichnete und rasch den Markt eroberte. 1884 wurde der Standort der Fabrik in der Lübecker Straße 8 in Magdeburg-Neustadt bezogen. Bis 1890 erweiterte sich das Sortiment auf fünf verschiedene Nähmaschinengrößen neben Wring- und Waschmaschinen. In dieser Zeit lagen Absatzmärkte in Russland, Frankreich, Holland, Belgien und der Schweiz. Mit der Entwicklung weiterer auch patentrechtlich geschützter Maschinen erweiterten sich die Absatzmärkte ab 1908 auch nach Südamerika, China und Japan. Die Beschäftigtenzahl wuchs von 33 im Jahr 1870 auf ca. 600 nach der Jahrhundertwende. Als Heinrich Mundlos am 27.04.1928 starb, waren es ca. 1300 Arbeiter und Angestellte. Für viele Angehörige der Zwischenkriegsgeneration in Deutschland, die eine Mundlos-Nähmaschine im Haushalt hatten, verband sich der Name Mundlos mit einer positiven Wahrnehmung Magdeburg’s im Reigen der deutschen Großstädte. Mit Beginn des II. Weltkrieges wurde auch die Firma Mundlos für die Rüstungsproduktion kriegsverpflichtet. Beim Bombenangriff am 16.01.1945 wurden große Teile der Fabrik zerstört. Die verbliebenen Reste musste der jüngste Sohn, Rudolf Mundlos, als Reparationsleistung an die Sowjetunion demontieren, was das Ende des Standorts bedeutete.

Über die Benennungen muss der Stadtrat in Einzelabstimmung entscheiden.

 

HU-Bau für die Denkfabrik liegt vor

Für den Umbau der Speichergebäude im ehemaligen Handelshafen liegt jetzt die HU-Bau vor. Rund 9,75 Mio. Euro sollen in den Gebäudekomplex investiert werden, davon 1,8 Mio Euro Eigenmittel der Stadt, zu einer Denkfabrik im künftigen Wissenschaftshafen investiert werden.

Die Denkfabrik stellt Büroflächen im zukünftigen Wissenschaftshafen für Unternehmen aus den Bereichen der Wissenschaft, Forschung, Entwicklung zur Verfügung, die das innovative Umfeld der Otto-von-Guericke-Universität, des Fraunhofer Instituts für Fabrikbetrieb- und -automati-sierung, der Experimentellen Fabrik, des Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme sowie das Virtual Development and Training Centre (VDTC) nutzen wollen. Synergien durch die unmittelbare Nachbarschaft der verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen ergeben einen enormen Standortvorteil und ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in der Standortentwicklung des Wissenschaftshafen. Neben der Nähe der einzelnen Einrichtungen zueinander ist insbesondere die gemeinsame Nutzung notwendiger Infrastruktureinrichtungen ein weiterer Positiveffekt.

Das Gebäude der Denkfabrik besteht aus drei Teilen: dem Zellenspeicher (Silo) auf der Westseite, dem Bodenspeicher (Speicher) auf der Ostseite und einem verbindenden Bauwerk zwischen den Beiden Bestandsgebäuden. Das Speichergebäude wird konstruktiv weitestgehend belassen und der neuen Nutzung angepasst, ohne jedoch massiv in das Tragwerk einzugreifen. Hinsichtlich der bautechnischen Planungen ist der Erhalt bzw. die kubaturgetreue Wiederherstellung der das Hafengebiet prägenden Speichergebäude unabdingbar. Die erforderlichen baulichen Anlagen sind in die derzeitige Dimensionierung der Speicher zu integrieren. Der Gebäudekomplex wird sowohl von Süden als auch von Norden (Parkplatz) über einen Empfangsbereich im neuen Verbindungsbau erschlossen. In diesem ist im Erdgeschoss der Empfangsbereich mit Foyer untergebracht. Die Erschließung des Silos und des Speichers wird über je ein Treppenhaus und eine bzw. zwei Aufzugsanlagen vom Eingangsbereich aus realisiert. Im Verbinder ist vom ersten bis zum vierten Obergeschoss ein Wechsel zwischen den Gebäuden möglich, bis zum zweiten Obergeschoss kann dieser behindertengerecht gewährleistet werden.

In der Denkfabrik sollen hochflexible Büroflächen geschaffen werden. Im Erdgeschoss sind eine Labornutzung (physikalisch/ chemisch/ technisch) sowie Flächen für Service (z.B. Bürobedarf, Copy - Shop) und Gastronomie zur Elbseite vorgesehen. In den Obergeschossen werden Büroeinheiten errichtet, die eine flexible Nutzung mit einer bis sechs Einheiten ermöglichen. Die Zusammenfassung mehrerer Geschosse bzw. von Ebenen im Silo und im Speicher zu noch größeren Einheiten wird ermöglicht. Es ist beabsichtigt, die Mietflächen entsprechend den weiteren Anforderungen der zukünftigen Nutzer zu gestalten und auszustatten. Die Untergeschosse in Silo und Speicher werden keiner besonderen Nutzung zugeführt, da in Hochwasserfällen mit einer Überflutung zu rechnen ist. Das Silogebäude soll teilweise zurückgebaut werden. Der Beginn der Bauarbeiten soll im Oktober 2006 und der Abschluss aller Bauleistungen im November 2007 erfolgen.

 

 

Für Rückfragen: Tel.: 540 27 69

Die öffentlichen Dokumente aus der Sitzung sind ab morgen im Ratsinformationssystem unter www.magdeburg.de abrufbar.

 

 



[Zurück]


Stadt Magdeburg
Frau Dr. Cornelia Poenicke
Büro des Oberbürgermeisters
Teamleiter Öffentlichkeitsarbeit und Bürgeranliegen, Pressesprecherin
Alter Markt 6
39104 Magdeburg
Telefon: (03 91) 5 40 27 69
FAX: (03 91) 5 40 21 27
E-Mail: presse@magdeburg.de
URL: www.magdeburg.de

Die Pressestelle "Landeshauptstadt Magdeburg" ist Mitglied bei presse-service.de [http://www.presse-service.de/]. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren. presse-service.de