Magdeburg erwartet Stadtsprecher aus allen Teilen Deutschlands
Erste kommunale Pressestelle vor 100 Jahren in Magdeburg eingerichtet
Magdeburg.
Im Magdeburger Rathaus laufen derzeit die Vorbereitungen für die 51. Konferenz städtischer Presserefenten auf Hochtouren. Der Anlass ist ein ganz besonderer: Magdeburg war vor genau 100 Jahren die erste Stadt in Deutschland, die eine kommunale Pressestelle zur Unterrichtung der Medien einrichtete.
Zur 51. Konferenz städtischer Pressereferenten, die die Landeshauptstadt vom 27. bis 29. September gemeinsam mit dem Deutschen Städtetag ausrichtet, werden Stadtsprecher aus rund 100 deutschen Städten erwartet. Unter dem Motto "100 Jahre städtische Presseämter - Positionen und Perspektiven" werden die PR-Profis den Blick allerdings nicht nur in die Vergangenheit, sondern vor allem in die Zukunft richten. Moderne Bürgerinformation, das Verhältnis zwischen Presseamt und Medien und die Zukunft der lokalen Medien sind Themen der dreitägigen Beratung, die vor allem dem Erfahrungsaustausch und der Weiterbildung der Teilnehmer dient. Zu den Referenten gehören u.a. Dr. Herbert Schmalstieg - stellvertretender Präsident des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover - und Paul-Josef Raue - Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung und zuvor langjähriger Chefredakteur der Magdeburger Volksstimme.
Hintergrund
Bis ins 19. Jahrhundert spielte die Zeitung als Publikationsorgan für Bekanntmachungen der Stadtverwaltungen im Grunde keine Rolle. Das änderte sich nach Einführung der preußischen Städteordnung 1808 und der damit verbundenen Zunahme kommunaler Selbstverwaltung. Allerdings mussten noch fast 100 Jahre vergehen, bis Magdeburg als erste Stadt in Deutschland so etwas wie ein "Presseamt" gründete. Seine Geschichte beginnt am 31. Juli 1906 mit einer Verfügung des damaligen Oberbürgermeisters Dr. August Lentze, wonach die städtische Rechtsauskunftsstelle fortan die Aufgaben einer Pressestelle zu erfüllen hat .
Von der damaligen regionalen Tagespresse - z. B. dem Magdeburger Generalanzeiger - war die Einrichtung eines Pressebüros bei der Stadtverwaltung ausdrücklich gewünscht worden, damit allen Tageszeitungen die Benutzung der Magistratsbekanntmachungen und Verkündigungen gleichzeitig ermöglicht wird.
Magdeburg war die erste Stadt in Deutschland, die mit der Einrichtung eines Pressebüros in der Verwaltung eine Anlaufstelle für die Presse schuf und die Presse direkt, zeitnah und unmittelbar - vielfach durch Überlassung von Dokumenten - an Kommunalverwaltung und Kommunalpolitik teilhaben ließ.
Im Januar 1913 fand im Magistratssitzungszimmer des Altstädtischen Rathauses das erste Pressegespräch statt. Dabei wurde der Presse Gelegenheit gegeben, ihre Vorstellungen und Wünsche zur Zusammenarbeit zu artikulieren. Nur ein Jahr später lädt Oberbürgermeister Hermann Reimarus Vertreter der Presse ins Rathaus ein, um mit ihnen "Richtlinien für ein gemeinsames Arbeiten von Stadtverwaltung und Presse zu finden". Allerdings verhinderte der Erste Weltkrieg zunächst die beabsichtigte Intensivierung der Zusammenarbeit.
1917 beantragte der Magistrat, an Stelle des bisherigen "Preßbüros" ein "städtisches literarisches Büro" einzurichten, als dessen Leiter eine journalistisch vorgebildete Persönlichkeit bestellt werden sollte. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte dem zu, für die Einrichtung bürgerte sich der Begriff "Presseamt" ein, zum ersten "Pressesprecher" der Stadt wird am 6. März 1918 Oscar Böer bestimmt.
Städtische Pressearbeit erhält damit nicht nur eine neue Struktur, sondern vor allem eine neue Qualität: Sie beschränkt sich fortan nicht mehr auf die Weitergabe von Informationen aus den Ämtern und politischen Gremien. Mit der zunehmenden Professionalisierung kommunaler Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in den 20er Jahren nehmen die Marketingaktivitäten der städtischen Presse- oder Nachrichtenämter zu - nicht nur in Magdeburg. 1926 übernimmt das Presseamt z. B. die Schriftleitung des 1924 gegründeten Magdeburger Amtsblattes, das als "Amtliches Organ des Magistrats, des Polizeipräsidiums und des Finanzamtes" wöchentlich erschien.
Städtische Öffentlichkeitsarbeit oder - "Publizität der Verwaltung" wie man es damals nannte - war in der Demokratie der Weimarer Republik für viele Städte selbstverständlicher Bestandtteil kommunaler Selbstverwaltung geworden. Gebündelt wurde sie in städtischen Presse- oder Nachrichtenstellen bzw. -ämtern, deren Zahl in den 20er Jahren rasant wuchs. Bei aller Kritik seitens der Journalisten, die durch die Einrichtung von Pressestellen eine "Uniformierung der Presse" fürchteten und vielfach die "Erschwerung des Verkehrs zwischen Zeitung und städtischer Dienststelle" beklagten, darf nicht übersehen werden, dass die Einrichtung von Pressestellen kommunale Öffentlichkeitsarbeit professionalisiert hat und so Kommunalverwaltung und Kommunalpolitik für die Bürger überhaupt erst transparent werden konnten. Denn kommunale Öffentlichkeitsarbeit zielt zuvorderst auf die Information der Bürgerinnen und Bürger. Die Presse - und alle weiteren heute verbreiteten Medien - ist dafür ein Instrument - wenn auch ein unverzichtbares.
Für Rückfragen: Dr. Cornelia Poenicke, 540 27 69
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