Magdeburg - Eine der rätselhaftesten Gestalten des deutschen Minnesangs ist seit Dienstag in der Ausstellung "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" zu sehen. Aus dem Codex Manesse, dem "schönsten Buch des Mittelalters" wurde die nächste Seite aufgeschlagen. Die Darstellung des singenden Kaisers Heinrich VI. wird durch das Bild des Minnesängers Tannhäuser abgelöst.
Die Lieder des Tannhäuser, der um die Mitte des 13. Jahrhunderts lebte, handeln von Abenteuer, Sagen und Helden. Als einer der 137 Minnesänger ist er im Codex Manesse dargestellt. Am Ende des Mittelalters kam die Sage auf, die den Tannhäuser selbst zum tragischen Helden machte: Nach einem Liebesabenteuer mit einem überirdischen Wesen, der "Frau Venus", habe sich Tannhäuser reumütig an den Papst gewandt. Dieser verweigerte ihm die Vergebung, denn so wenig, wie der päpstliche Stab zu grünen beginne, so wenig hätte Tannhäuser die Gnade Gottes verdient. Als er schließlich in den Venusberg zurückgekehrt sei, habe der Stab des Papstes Blätter ausgetrieben. Um 1845 griff der Komponist Richard Wagner den phantastischen Sagenstoff für seine Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg" auf. Auch durch diese musikalische Adaption gilt der Tannhäuser heute als einer der prominentesten Sänger des Mittelalters.
Die Verbindung zwischen dem Tannhäuser als Minnesänger und als Opernheld wurde anlässlich der erstmaligen öffentlichen Präsentation seiner Darstellung aus dem Codex Manesse besonders zelebriert. Der Operntenor Manfred Wulfert, einer der beiden Tannhäuser-Sänger der aktuellen Inszenierung an der Magdeburgischen Philharmonie, und die Soloharfenistin Sylvia Fischer erwiesen der neu aufgeschlagenen Seite des Codex Manesse mit einem außergewöhnlichen Willkommengruß ihre Referenz. Gemeinsam boten sie im Ausstellungsraum die erste Strophe des Venus-Preisliedes aus der Wagner-Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg" dar.
Die Tannhäuser-Seite wird ca. drei Wochen lang in der Ausstellung zu sehen sein. Am 5. November um 19.30 Uhr hat die Tannhäuser-Oper unter der musikalischen Leitung von
GMD Francesco Corti